Rümlang

An neuen Farben und Lacken tüfteln

Das renovierte Entwicklungslabor des Farb-und Lackproduzenten Bosshard + Co. AG mit Hauptsitzin Rümlang ist seit Mai in Betrieb. Die Geräte unddie Ausstattung entsprechen alle den neuesten Standards.

Anne Driedijk ist im zweiten Lehrjahr zur Farb- und Lacklaborantin. Hier fügt sie Füllstoffe und Pigmente zur Probe hinzu.

Anne Driedijk ist im zweiten Lehrjahr zur Farb- und Lacklaborantin. Hier fügt sie Füllstoffe und Pigmente zur Probe hinzu. Bild: Sibylle Meier

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Es riecht nach frisch aufgetra­gener Farbe im Labor der Firma Bosshard + Co. AG an der Ifangstrasse. Das liegt zum einen ­daran, dass hier an neuen Farben und Lacken getüftelt wird, zum anderen an der Renovierung, die vor wenigen Wochen abgeschlossen wurde. «Ich bemerke den Geruch­ gar nicht mehr, da ich so daran­ gewöhnt bin», sagt Wolfram Selter, Bereichsleiter Technik und Entwicklung.

Er ist stolz auf das neue Labor für Lacke und Farben, welches – soweit er weiss – das modernste der Schweiz ist. «Es entspricht allen aktuellen Vorschriften. Neu haben wir zum Beispiel an allen Arbeitsplätzen Quellenabsaugung, die ver­hindert, dass die Mitarbeitenden Staub und Dampf einatmen.» Ausserdem ist die neue Einrichtung aus Stahl und entsprechend nicht brennbar, dafür aber recycelbar.

Mehr als 250 000 Farbtöne

Im Labor des Rümlanger Farb- und Lackproduzenten wird ­keine Grundlagen-, sondern pra­xis­bezogene Forschung betrieben. «Wir entwickeln hier stets neue Produkte, damit wir uns im Markt behaupten können und konkurrenzfähig bleiben», sagt Selter. «Die Oberflächen, auf denen die Farbe aufgetragen wird, ändern sich ständig. Für ­alle Materialien von Holz bis Beton gibt es das passende Produkt», begründet er die hausinternen Entwicklungsarbeiten.

Dafür greife man auf rund 350 Rohstoffe zurück, die miteinander kombiniert werden können. Dazu­ gehören Bindemittel, Pigmente für den Farbton, Lösungsmittel – meistens Wasser –, ­Ad­ditive und Füllstoffe wie Kreide oder Talkum.

Mit den unterschiedlichen Pig­men­ten können mehr als 250 000 Farbtöne hergestellt werden. «Sehr angesagt ist im Moment die soge­nannte Vorvergrauung. Dabei lässt man das Holz von Anfang an in einer alten Optik erscheinen, so als ob es schon viele Jahre alt wäre. Der Alterungsprozess wird augenscheinlich vorweg­genommen», erklärt Selter. Ansonsten seien auch Farbtöne mit Erdfarben immer sehr beliebt.

Der Witterung ausgesetzt

«Farben und Lacke haben die Auf­gabe, Gebäude zu dekorieren und zu schützen. Deswegen ist es wichtig, dass sie auch bei extremen Situationen ihre Eigenschaften wie Farbton oder Glanz behalten», sagt Selter. Die Beständigkeit wird draussen, hinter dem Bürogebäude, auf der Wetterstation überprüft. Dort sind die Proben mindestens zwei Jahre lang jeglicher Witterung ausgesetzt.

Sie sind in einem 45-Grad-Winkel angebracht und nach Süden ausgerichtet, um möglichst viel Sonneneinstrahlung abzubekommen. Die ex­ponier­ten Muster werden ein- bis zweimal jährlich mit Referenzmustern verglichen, um die Veränderung zu kontrollieren. «Wegen der besonders ungeschützten Lage werten wir ein Jahr auf dem Wetterstand als zwei bis vier Jahre an einer Fassade», sagt Selter. Dennoch: «Farben und Lacke für die Ewigkeit gibt es nicht.»

Passenden Rohstoff suchen

Im 200 Quadratmeter grossen Labor arbeiten je nach Tag fünf bis sechs Personen. Sie sind ausgebildete Farb- und Lacklaboranten, -techniker oder -ingenieure. Zu ihren Aufgaben gehört einerseits die Entwicklung neuer Produkte, andererseits auch die Über­prüfung von bereits bestehenden. Lacktechniker Niklas Nagy sitzt am Lichtmikroskop mit Digitalkamera und bearbeitet die Reklamation eines Kunden: «Hier sehe ich ganz genau, ob der Lack auf der Probe richtig aufgetragen ist», sagt er.

Anne Driedijk steht an einem anderen Arbeitsplatz und ist damit beschäftigt, Farbe aufzuziehen. Erst wenn sie trocken ist, lässt sich die Qualität richtig beurteilen. Sie absolviert die dreijährige Ausbildung zur Farb- und Lacklaborantin, die Arbeit gefällt ihr gut: «Ich muss genau arbeiten, Probleme entdecken und selbstständig Lösungen dafür finden. Die Chemie von Farben ist nicht einfach», sagt Driedijk. Manchmal brauche es 200 bis 300 Versuche, bis man beispielsweise für einen Rohstoff, der nicht mehr lieferbar ist, den passenden Ersatz gefunden habe.

Erstellt: 24.06.2018, 18:43 Uhr

150 Mitarbeitende

Im Hauptsitz des Farb- und Lackproduzenten Bosshard + Co. AG an der Ifangstrasse in Rümlang arbeiten etwa 100 Angestellte, schweizweit sind es rund 150 Mitarbeitende, dazu gehören auch Auszubildende. 2017 erzielte die Furttaler Firma einen Umsatz von rund 45 Millionen Franken.
Das Familienunternehmen produziert und verkauft Farben, Lacke und Lasuren, die hauptsächlich aus der eigenen Forschung und Entwicklung stammen. Zur Kundschaft gehören vor allem Maler, Schreiner, Architekten sowie Beschichtungsunternehmen. krb

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