Sexting

Anzeige erstatten, wenn Nackfotos in die falschen Hände gelangen

Nacktfotos haben seit der Erfindung der Smartphones eine neue Bedeutung. Sind solche Aufnahmen einmal online, verliert man schnell die Kontrolle über deren Verwendung. Wer mit Nacktfotos erpresst wird, sollte schnellstmöglich Anzeige bei der Polizei erstatten.

«Das Erpressen von Fotos via Internet kommt häufig vor und es wird als Sextortion bezeichnet», sagt Simone Brunner, 
Abteilungsleiterin Bildung und Information bei Pro Juventute.

«Das Erpressen von Fotos via Internet kommt häufig vor und es wird als Sextortion bezeichnet», sagt Simone Brunner, Abteilungsleiterin Bildung und Information bei Pro Juventute. Bild: PD

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Ein 55-Jähriger Mann hat seine «Liebhaberin» jahrelang mit Nacktfotos von ihr unter Druck gesetzt. Letztlich sendete er die Bilder an Verwandte der Frau. Der Prozess am Bezirksgericht Bülach zeigt, welche Folgen es haben kann, wenn man solche Aufnahmen von sich in den Umlauf bringt. Dies ist aber bei weitem nicht das einzige Beispiel von Straftaten im Zusammenhang mit Nackfotos. Immer öfter wird missbräuchlich mit solchen umgegangen. Oft wissen sich die Opfer nicht zu helfen, wenn sie erpresst werden.

Die Kantonspolizei und Pro Juventute nehmen dieses Thema sehr ernst und versuchen mit Aufklärung und Prävention solche Drucksituationen zu vermeiden. Simone Brunner, Abteilungsleiterin Bildung und Information bei Pro Juventute, sagt: «Bereits Kinder und Jugendliche müssen einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien lernen. Die Eltern, im Zusammenspiel mit der Schule, spielen in diesem Lernprozess eine sehr wichtige Rolle.» In der Schule werde der Thematik mit der Aufnahme des Faches «Medien und Informatik» im Rahmen des Lehrplans 21 Rechnung getragen.

Gar nicht erst verschicken

Doch was in der Theorie einfach klingt, ist in der Praxis meist schwierig umzusetzen. Deshalb rät Stefan Oberlin, Mediensprecher bei der Kantonspolizei Zürich: «Auf keinen Fall Fotos oder Videos aufnehmen und herausgeben, auf denen man nackt zu sehen ist.» Wenn jemand ein Nacktfoto anfordert und dabei Druck ausübt oder gar Erpressungen ausspricht, solle man bei der Polizei Anzeige erstatten und den Kontakt zum Täter abbrechen. «Unter Umständen beging der Forderer verschiedene Straftaten, wie zum Beispiel Erpressung oder Nötigung.»

Simone Brunner von Pro Juventute weist ausserdem darauf hin, dass man Beweise (Screenshots oder Mails) sichern und niemals Geld überweisen soll. «Zudem hilft es, sich an eine Vertrauensperson zu wenden, um über das Erlebte zu sprechen.» Wem dies peinlich ist hat auch die Möglichkeit, sich bei einer unabhängigen Stelle wie der Pro Juventute Beratung und Hilfe unter der Telefonnummer 147 zu melden.

«Das Erpressen von Fotos via Internet kommt häufig vor und es gibt dafür auch einen Fachbegriff: Sextortion», sagt Simone Brunner.

Eigene Haltung klarstellen

Gelangen dennoch Nacktbilder in Umlauf , mit denen man unter Druck gesetzt wird, ist grundsätzlich gleich zu reagieren wie zuvor beschrieben. Das heisst: Anzeige bei der Polizei erstatten und Beweismittel sichern. Pro Juventute rät weiter, den Täter darüber zu informieren, dass rechtliche Schritte eingeleitet werden.

Heutzutage ist es einfach, während dem Geschlechtsverkehr Fotos oder Videos aufzunehmen. «Um das zu verhindern, muss man von Anfang an klarstellen, dass man nicht gefilmt werden will», sagt Brunner. Bei ungutem Bauchgefühl lohne es sich, zwischen den Zeilen zu lesen oder an vergangene Unterhaltungen zu denken. Wurde bereits im Vorfeld das Bedürfnis geäussert, den Sexualverkehr zu filmen oder zu fotografieren? Liegt das Handy griffbereit? Gibt es technische Einrichtungen, die einem verdächtig vorkommen? Solche Fragen sollte man sich laut Pro Juventute stellen. «Erstellt eine Person trotzdem Aufnahmen, ist sie aufzufordern, diese wieder zu löschen und sonst Anzeige zu erstatten.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.07.2018, 17:47 Uhr

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