Niederhasli

Arbeit auf Unterländer Scholle statt Ferien in Walliser Bergen

Océane Moreau verbringt zwei Wochen auf dem Bauernhof der Familie Meier in Nassenwil. Dort packt die 14-jährige Walliserin in Haus und Stall mit an.

Die 14-jährige Walliserin Océane Moreau macht Landdienst in Nassenwil und durfte das Kälbchen neben ihr auf den Namen Chirly taufen

Die 14-jährige Walliserin Océane Moreau macht Landdienst in Nassenwil und durfte das Kälbchen neben ihr auf den Namen Chirly taufen Bild: Sibylle Meier

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Nur wenige Tage ist es alt, das jüngste der vier Kälber im Stall der Familie Meier. Océane Mo­reau war dabei, als es am vergangenen Montag auf die Welt gekommen ist. Sie hat es Chirly getauft, wie sie stolz erklärt. «Ich liebe Tiere», erklärt die 14-jährige Schülerin aus Montana, einem kleinen Dorf im französischsprachigen Teil des Kantons Wallis.

Als es darum ging, was sie während der zwei Monate langen Sommerferien machen könnte, habe sie ihre Mutter auf den Verein Agriviva aufmerksam gemacht. Der Verein koordiniert die Landdiensteinsätze der Jugendlichen auf den Bauernhöfen in der ganzen Schweiz (siehe Kasten). «Ich dachte, es ist eine gute Idee für meine Ferien, und auch um noch besser Deutsch zu lernen», erklärt Océane Moreau.

Arbeit geht nicht aus

So kam sie am 2. August auf den Bauernhof von Vreni und Ruedi Meier in Nassenwil. Der Betrieb umfasst 23 Milchkühe, sechs Rinder, vier Kälber, zehn Hasen sowie einige Hühner. Ausserdem betreiben die Meiers Ackerbau: Sie bauen Mais, Sojabohnen, Zuckerrüben, Raps, Gerste, Weizen und Erbsen an. Auch die drei Söhne Andreas (14), Max (17) und Urs (19) müssen auf dem Hof mitanpacken.

Zu tun gibt es immer etwas, wie auch Océane Moreau festgestellt hat. Während ihres Einsatzes hilft sie im Haushalt mit, bereitet das Mittagessen für die ganze Familie zu, wässert den Garten, wäscht, backt Brot und kümmert sich um die Hasen und die drei Katzen Fuchsli, Lili und Flikflak. Nur vor den Hühnern hat sie Respekt, seit ihr eine Henne in den Fuss gepickt hat. Als Gegenleistung für ihre Arbeit erhält die Schülerin Kost und Logis und ein Taschengeld.

«Wir haben immer gute Erfahrungen gemacht», sagt Vreni Meier. Seit 13 Jahren kommen regelmässig Mädchen oder junge Frauen für Landdiensteinsätze auf ihren Hof. Sie lasse die jungen Frauen immer möglichst selbstständig arbeiten und kontrolliere sie nicht dauernd. Damit sei sie immer gut gefahren.

Nicht nur Schweizerinnen interessieren sich für Erfahrungen auf dem Bauernhof, auch Türkinnen, Brasilianerinnen und Spanierinnen waren schon zu Gast bei Meiers. Nur ein einziges Mal seien zwei Mädchen bereits nach drei Tagen wieder abgereist, erinnert sich Vreni Meier. Und bei denjenigen, die noch nie länger von zu Hause weg gewesen seien, sei auch schon mal etwas Heimweh aufgekommen.

Für Océane Moreau beginnt nächste Woche das letzte Schuljahr. Ihren Traumberuf Tierärztin hat sie bereits ausgewählt. Und sie weiss auch schon, wie sie die Ausbildung angehen möchte: Nach einer Lehre als Praxisassistentin in einer Tierarztpraxis möchte sie die Matur nachholen und anschliessend Tiermedizin studieren. Die Erfahrungen, die sie während ihrer zwei Wochen in Nassenwil gesammelt hat, werden ihr bei der Verfolgung ihres Berufsziels sicherlich zugutekommen.

Erstellt: 12.08.2016, 17:08 Uhr

VEREIN AGRIVIVA VERMITTELT EINSÄTZE

Der Ursprung des Landdienstes geht auf die 1930er-Jahre zurück. Arbeitsdienste auf Bauernbetrieben brachten arbeitslose Jugendliche in Kontakt mit der Landwirtschaft.
Während der Kriegsjahre gab es für Jugendliche ein Obligatorium für den Landdienst, welches 1946 aufgehoben wurde. Seither gibt es den Landdienst auf freiwilliger Basis. 2009 wurde der Name Landdienst durch Agriviva abgelöst. Laut Agriviva-Geschäftsführer Ueli Bracher nehmen im Zürcher Unterland rund zehn Familien Jugendliche für Landdiensteinsätze auf. Das Angebot stosse nach wie vor auf grosses Interesse. «Die Möglichkeit, Neues zu entdecken, die Natur und die Nahrungsmittelproduktion näher kennen zu lernen, sowie der Umgang mit Tieren fasziniert nach wie vor», so Ueli Bracher.
2015 wurden schweizweit rund 1900 Einsätze vermittelt. 85 Prozent der Jugendlichen stammten aus der Schweiz, 15 Prozent aus den EU- und Efta-Staaten. Möglich ist ein Einsatz für 14- bis 25-Jährige, im Durchschnitt dauert ein Einsatz 16 Tage, möglich sind maximal zwei Monate.bst

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