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Auch bei 50 Franken Freimenge lohnt sich der Einkauf ennet der Grenze noch

Mit dem Senken der abgabenfreien Einfuhr von 300 auf 50 Franken pro Person will die Politik den Einkaufstourismus eindämmen. Ennet der Grenze blickt man dem Vorstoss allerdings gelassen entgegen und am Zoll fürchtet man mehr Arbeitsaufwand.

Viele Unterländer nehmen die Fahrt über die Grenze auf sich, um hinter dem Rafzer Übergang billig einzukaufen.
Viele Unterländer nehmen die Fahrt über die Grenze auf sich, um hinter dem Rafzer Übergang billig einzukaufen.
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Schweizer sollen künftig nur noch bis 50 Franken abgabenfrei Waren in ihr Land einführen können. Dies fordert ein Vorstoss, der derzeit im Ständerat behandelt wird. Momentan liegt die Wertfreigrenze bei 300 Franken. Mit der Herabsetzung soll der Einkaufstourismus gebremst werden, der täglich auch viele Unterländer über die Grenze nach Hohentengen, Lottstetten oder Jestetten lockt.

Da die Preise in Deutschland ohnehin viel tiefer sind, lohnt sich der Einkauf ennet der Grenze auch weiterhin

Norbert Mössmer, Inhaber einer Paketstation in Jestetten

Norbert Mössmer, der in Jestetten ein florierendes Geschäft mit einer Paketstation für Schweizer betreibt, kann über die Massnahme nur lachen. «Damit ändert sich überhaupt nichts», sagt er. Denn die Schweizer erhalten beim Einkauf in Deutschland weiterhin die deutsche Mehrwertsteuer zurückerstattet. Und die beträgt 19 Prozent - und bei den meisten Lebensmitteln 7 Prozent. Da mögen sie es verkraften, wenn sie beim Grenzübertritt 8 Prozent Zollabgaben bezahlen müssen. «Da die Preise in Deutschland ohnehin viel tiefer sind, lohnt sich der Einkauf ennet der Grenze auch weiterhin», erklärt Mössmer.

Bereits heute langeSchlangen am Zoll

Der Paketstation-Betreiber führt ausserdem ins Feld, dass bei einer Herabsetzung der Wertfreigrenze die Arbeitsbelastung am Schweizer Zoll ungemein steigen würde. «Bereits heute stehen die Leute dort Schlange, weil viele für mehr als 300 Franken einkaufen und etwas deklarieren müssen», sagt er. Was bei einer Grenze von 50 Franken geschehe, möchte man sich nicht ausmalen. Mössmer sieht in dem Vorstoss denn auch eine Bevormundung der Schweizer Bevölkerung.

Die Steigerung der Arbeitsbelastung an den Zollämtern ist denn auch der Grund, weshalb der Bundesrat nicht viel von dem Vorstoss hält. Am Flughafen Zürich, der ebenfalls von der Änderung betroffen wäre, schaut man deshalb gebannt nach Bern. «Wir stehen Gewehr bei Fuss», sagt Miroslaw Ritschard, stellvertretender Zollinspektor am Flughafen.

Es nervt gewaltig, dass so viel Wertschöpfung ins Ausland abfliesst.

Werner Scherrer, Gewerbetreibender in Bülach

Eine Herabsetzung der Wertfreigrenze wäre für den Flughafenzoll auf jeden Fall mit mehr Arbeit verbunden. Bei der heutigen Wertfreigrenze von 300 Franken gebe es im Reiseverkehr durchschnittlich 140 Selbstdeklarationen pro Tag, die der Zoll bearbeiten müsse. Wie viele Passagiere bei einer Grenze von 50 Franken etwas verzollen müssten, kann Ritschard nicht einschätzen.

Gute Leistung der Gewerblerist gefragt

Für Werner Scherrer, Gewerbetreibender in Bülach und Präsident des kantonalen Gewerbeverbandes, ist es klar, dass man den Einkaufstourismus weiter im Auge behalten müsse. Denn: «Es nervt gewaltig, dass so viel Wertschöpfung ins Ausland abfliesst.» Scherrer findet es wichtig, dass jeder Schweizer Gewerbler seinen Job gut macht und mit seinem Angebot überzeugt. Ein Patentrezept zur Bekämpfung des Einkaufstourismus habe er aber nicht. Dass man mit einer Herabsetzung der Wertfreigrenze das Shoppen im Ausland stoppen kann, glaubt Scherrer nicht.

Gut möglich, dass auch die Parlamentarier im Bundeshaus am Ende zur Einsicht gelangen, dass das Senken der Wertfreigrenze nicht das geeignete Mittel ist, die Schweizer davon abzuhalten, im Ausland einzukaufen. Momentan ist eine Kommission dabei, die Massnahme zu prüfen und gegebenenfalls alternative Vorschläge zum Eindämmen des Einkaufstourismus zu machen.

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