Oberglatt

Aus Abfall wird Rohstoff gemacht

In der neuen Supersort Metall Anlage in Oberglatt können schweizweit erstmals Nichteisenmetalle wieder aufbereitet werden. Die spezielle Metallmine erforderte Investitionen in tiefer zweistelliger Millionenhöhe.

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Eine riesige Mine haben die Eberhards mit der Tochterfirma DHZ AG diesmal in Oberglatt errichtet. Das Klotener Bau und Recyclingunternehmen hat jedoch kein Bergwerk eröffnet und gräbt auch kein tiefes Loch in die Erde. Im Gegenteil. Sie haben in die Höhe gebaut und einen Koloss aus Stahl errichtet, der mit seinen Maschinen, Förderbänder, Sieben und Rohren aussieht, wie von einem anderen Planeten.

Seine Aufgabe: Aus Abfall wieder reines Aluminium sowie ein reines Gemisch aus Kupfer, Messing, Zink und aus geringen Mengen Edelmetalle zu gewinnen. Seit September ist die Anlage bereits in Betrieb und konnte 2000 Tonnen Rohstoffe gewinnen, ohne auch nur einen Tunnel in einen Berg zu sprengen.

«Uns geht es darum, die Ressourcen aus dem Kreislauf herauszuholen», erklärt Stefan Eberhard, stellvertretender CEO der Eberhard Unternehmungen und Geschäftsführer der DHZ AG. Schliesslich sei Metall eine beschränkte Ressource. Die Schweiz und Europa hätten geringe Metallvorkommen. «So können wir Rohstoffe sichern und müssen rohstoffreiche, aber teilweise politisch instabile Regionen weniger beanspruchen.»

Jettons und Schlüssel

Doch Metall im Abfall? Das mutet zunächst etwas seltsam an. Schliesslich sind doch die Schweizer Weltmeister im Recyclieren. Was dennoch alles im Kehrichtssack landet, sieht man in der Oberglatter Anlieferungshalle: Geldmünzen, Jetons, Schlüssel, Schrauben und Gewinde, die in einer Kiste präsentiert werden.

Rund 20 Prozent eines Abfallsacks bleiben nach seinem Gang durch die Kehrichverbrennungsanlage als Schlacke übrig. 10 Prozent der Schlacke bestehen aus Metallen. Rund 8 Prozent davon sind Eisenmetalle, die seit längerem in der Supersort-Anlage in Lufingen gewonnen werden.

Die übrigen zwei bis drei Prozent sind Nichteisenmetalle wie eben Aluminium oder Kupfer. Diese werden neu in Oberglatt gewonnen und danach an Schmelzwerke in Europa weiterverkauft. Dort entstehen aus den ehemaligen Abfällen wieder neue Produkte. Die Möglichkeiten reichen von Autokarrosserien, über Alufolien und -dosen bis hin zu Töpfen und Kupferkabel.

Die Nichteisenmetalle werden nicht nur aus der Kehrichtschlacke gewonnen sondern auch aus Schredder-Rückstände, die ebenfalls in Oberglatt angeliefert und mit einem Sensor-Roboter aussortiert werden.

Bisher konnten Nichteisenmetallgemische nur im Ausland weiterverarbeitet werden. Metalle in sehr kleinen Korngrössen konnten nicht genügend effizient verarbeitet werden. Dank der neuen Anlage in Oberglatt ist beides nun in der Schweiz möglich.

Ohne Wasser und Chemie

Mit einem innovativen Verfahren werden die verschiedenen Materialien zerkleinert, von Verunreinigungen befreit und sortiert. Im Einsatz steht dazu eine Rotorprallmühle, eine Siebmaschine und andere Apparaturen zur Dichtesortierung. Während des ganzen Verfahrens kommt weder Wasser noch Chemie zum Einsatz. Sämtliche Förderbänder, Maschinen und Übergänge sind komplett eingehaust. Eine gigantische Entstaubungsanlage sorgt dafür, dass in der gesamten Anlage staubfrei gearbeitet werden kann – zum Schutz der Angestellten.

Eine Eigententwicklung

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das gewonnene Aluminium und das Schwermetalgemisch hätten einen Metallgehalt von über 99 Prozent. Nur die Qualität der Legierungen würde variieren. Dies sei abhängig vom angelieferten Material.

Die Anlage ist eine Eigenentwicklung des innovativen Klotener Unternehmens. Investiert habe man eine «tiefe, zweistellige Millionensumme», sagt der Unternehmer. Die neue Anlage Supersort Metall habe im Dreischichtenbetrieb eine Jahreskapazität von bis zu 100 000 Tonnen. Noch arbeite man allerdings mit nur einer Schicht. «Sobald genügend Material da ist, werden wir auf zwei Schichten erhöhen. Drei Schichten sind eher unwahrscheinlich.» Wann das sein wird, ist noch offen. «Wir stehen erst am Beginn der ganzen Geschichte.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.05.2017, 18:05 Uhr

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