Rümlang

Aus Waschküche wird Brauwerkstatt

Die Bevölkerung packte die Gelegenheit, die erste Bierbrauerei in Rümlang zu besichtigen. Hugo Gutknecht und sein Team schenkten Bier aus, servierten Würste und führten kleine Gruppen durch die Brauwerkstatt.

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«Nach 14 Jahren Bierbrauens in der Waschküche haben wir Anfang Juni dieses Jahres den ersten Sud von 300 Litern aufgesetzt, in der Zwischenzeit sind es bereits zehn Sude.» Hugo Gutknecht klingt freudig und als er eine weitere Gruppe von Interessierten durch die Brauwerkstatt führt, ist seine grosse Begeisterung für die Gerätschaften, die glänzenden Edelstahltanks und den darin blubbernden Saft spürbar. «Diese Brauwerkstatt ist schon das höchste der Gefühle für eine Hobby-Brauerei», betont Gutknecht, der das Bierbrauen weiterhin als Freizeitbeschäftigung betreiben möchte.

Die Mischung machts aus

«Das Malz wird wegen der Staubentwicklung in einem abgetrennten Raum gemischt und gemahlen», beginnt Gutknecht mit dem Erklären des Brauvorgangs. Das geschrotete Malz – die Auswahl und Mischung der Malz-Sorten entscheidet über Farbe und Geschmack des Bieres – kommt nun in einen Tank mit 45 bis 52 Grad warmem Wasser.

Verschiedene elektronisch gesteuerte Heizstufen lösen Enzyme im Wasser. Dann wird diese Maische gesiebt und der flüssige Teil, die Würze, wird zum Kochen gebracht. Der Hopfen wird zugefügt und je nach Rezept während 40 bis 80 Minuten gekocht.

Dann wird die Hefe, die dritte wichtige Komponente beim Bierbrauen, hinzugefügt und das Gären kann beginnen. Sie dauert je nach Bier zwischen einem und acht Tage.

Die Besucher dürfen nun an der Frühverkostung des Spezialbiers Miele di bosco die Montalcino riechen. Es duftet nach Waldbeeren und Honig. «Diesem Bier haben wir Waldhonig aus Montalcino beigefügt, kein Extrakt», wie der Fachmann mit Nachdruck betont. «Unsere Zusätze sind zu 100 % natürlich. Auch der Ingwer im Ingwerbier, rüsten wir von Hand.» Ohnehin seien ihre Rohstoffe, das Malz, der Hopfen und die Hefe, das sie beziehen, erstklassig. Das mache dann auch den Preis seiner Biere aus. Er liegt zwischen 4.20 Franken für das Lagerbier Helles bis zu 9 Franken für seine Spezialbiere.

Degustation erwünscht

«Unsere Biere sind zum Geniessen, wir laden die Leute ein am Freitagabend und am Samstag zu uns zu kommen und die Biere zu degustieren und den Unterschied zu schmecken», weist Gutknecht auf den Rampenverkauf am Wochenende hin.

Gutknecht, der schon zahlreiche internationale Preise mit seinen Bieren gewonnen hat, sieht sich und sein Team dadurch in seiner Arbeit bestätigt. Sein Team, das Kollektiv, besteht aus einem Verbund von Bierbegeisterten, die zusammen Bier brauen, den Rampenverkauf oder Events organisieren.

Die Brauwerkstatt verfügt über zwei 300 Liter und zwei 600 Liter Gärtanks. Bereits 3000 Liter Bier hat das Kollektiv produziert, Lagerbier und Spezialbiere und neue Ideen, wie beispielsweise ein Lagerbier mit grüner Minze, warten darauf kreiert zu werden.

Im November 2016 startete Hugo Gutknecht an den Unterländer Biertagen ein ambitioniertes Crowfunding. Innerhalb von 100 Tagen hatte er 75 000 Franken zusammen und der Traum des Hobby-Brauers von einer Bierbrauwerkstatt in Rümlang sollte Wirklichkeit werden.

«Ich habe den Crowfundig-Stand an den Unterländer Biertagen betreut. Ich finde es lässig, wenn wir jetzt sagen können, Rümlang hat eine eigene Bierbrauerei.» Andreas Hinnen

Die restlichen benötigten rund 100 000 Franken trugen diverse private Geldgeber bei. Die Ende 2017 geplante Eröffnung verzögerte sich aber. Das Projekt in einem Neubau im Letten kam infolge fehlender Gewerbezone nicht zustande. Dann wurde Gutknecht im Untergeschoss an der Ifangstrasse 91 fündig. Doch es kam erneut zu einer Verzögerung, denn der Boden war asbesthaltig und musste aufwendig saniert werden.

Andreas Hinnen aus Rümlang ist einer der zahlreichen Crowfunder, die dieses Projekt erst ermöglicht haben. Er sei schon immer fasziniert gewesen von Hugo Gutknechts Bieren. «Ich habe den Crowfundig-Stand an den Unterländer Biertagen betreut. Ich finde es lässig, wenn wir jetzt sagen können, Rümlang hat eine eigene Bierbrauerei.»

Roger Bärchtold, auch er aus Rümlang hat durch seinen Kollegen Stefan Frei aus Stadel vom Eröffnungsfest erfahren. Das Lagerbier Helles schmeckt den beiden gut, auch wenn sie keine Kenner sind. Und wie so viele Besucher bestätigt er, dass er es super finde, wenn etwas Regionales angeboten werden könne.

Erstellt: 27.08.2018, 16:03 Uhr

Infobox

Bierverkauf bei der Bierbrauwerkstatt am Freitagabend, 17 bis 20 Uhr, und Samstag, 10 bis 16 Uhr sowie über www.craftbrew.ch, in der Rümlanger Dorfbeiz und beim Dorfmetzg Wyss.
www.braukollektiv.ch

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