Kunst

Ausstellung: Auf der Suche nach Zürich

Die Ausstellung «Nach Zürich» im Helmhaus eröffnet künstlerische Perspektiven einer globalen Stadt.

Stadtporträt von Gustavo Hansson, aus seiner Installation «im Park».

Stadtporträt von Gustavo Hansson, aus seiner Installation «im Park». Bild: Matthias Scharrer

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Wer kommt nach Zürich oder was kommt nach Zürich? Die Frage ist doppeldeutig gemeint: mal räumlich, mal zeitlich. Ausgehend davon präsentiert das Helmhaus in seiner neuen Ausstellung unter dem Titel «nach Zürich» Werke von Zürcher Künstlern; respektive von solchen, die nach Zürich gekommen sind. «Wir wollen nach einem Zürich suchen, das man sonst nicht so findet oder sucht», sagt Daniel Morgenthaler, einer der vier Kuratoren, beim gestrigen Medienrundgang.

Die Kunst, die hier zu sehen ist, verdeutlicht zunächst einmal eines: Zürich ist längst eine globale Stadt. Die Perspektiven sind international, überregional und verweisen doch immer wieder auch auf das Lokale, durchaus auch Lokalpolitische.

Ein Schwein und Wölfe

Da ist etwa die Installation «im Park» von Gustavo Hansson. Ursprünglich aus Kolumbien stammend, lebt er seit Jahrzehnten in der Schweiz. Zeitweise war er in der Anfang der 90er-Jahre besetzten Wohlgroth-Fabrik zu Hause. Bahnreisenden nach «Zureich» stach der Gebäudekomplex bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof mit der Aufschrift «Alles wird gut» ins Auge.

«Im Park» versammelt nun verschiedenste Werke Hanssons: Da sind kitschige Bergidyll-Gemälde und eine Videoinstallation, in der er, gekleidet in eine Burka, auf dem mittleren Trennstreifen einer Hauptstrasse in Dubai herumläuft; dazwischen hängt ein Stadtporträt, das in seinem Gestus an Wohlgroth-Zeiten erinnert: Ein rosarotes Schwein turnt auf Türmen hoch über der Stadt herum, in der sich Geldsäcke ansammeln. Dazwischen schleichen Wölfe herum. Oder sind es Wölfe im Schafspelz? Und mitten durch die Stadt schlängelt sich, wie in einem Fluss, ein ungeheures Fabelwesen. Der Schriftzug «Suisse» am Hinterteil des Schweins lokalisiert das Bild als Porträt der Schweizer Finanzmetropole.

Plastiktüten und Instagram

Weniger provokativ wirkt die Installation «Staubfänger» der Künstlerin und Apothekerin Anne Käthi Wehrli: Sie hängt Plastiktüten von teilweise längst vergangenen Geschäften aus Zürich und ihrer ursprünglichen Aargauer Heimat in den Raum: die Stadt als Konsumwelt mit eigener Ästhetik.

Eine Vertreterin der jüngeren Zürcher Künstlerinnen-Generation greift auf die Bilderwelt digitaler Medien zurück: Die 22-jährige Zürcherin, die sich hinter dem Pseudonym @allesfleisch versteckt, projiziert ihre Instagram-Bilder auf einen Grossbildschirm, dessen Form an ein Smartphone erinnert. Sie gehe fast nie nach draussen, sagt Kurator Morgenthaler. Nach der Stadt als geografischer Begegnungsort kommt der Rückzug ins Virtuelle.

Wiedergeburt als Flüchtling

Von einer Ankunft der besonderen Art zeugt das Werk Pakkiyanathan Vijayashanthans. Er kam als Flüchtling aus Sri Lanka in die Schweiz. Inmitten des von ihm gestalteten Raums im Helmhaus steht ein Grabstein, auf dem sein Name und sein Geburtsdatum eingemeisselt ist. Wobei das Geburtsdatum nicht der Tag ist, an dem er zur Welt kam, sondern jener, an dem er in der Schweiz als Flüchtling anerkannt wurde.

Während der Ausstellung wird Vijayashanthan laut Morgenthaler an zwei Stunden pro Tag auf der Schaumstoffmatte vor dem Grabstein liegen. Gleichsam als Mahnmal dafür, dass die Einheimischen mit dem Entscheid über Asyl bisweilen über Leben und Tod entscheiden.

«Nach Zürich», Helmhaus, Limmatquai 31, Zürich, Di-So 11-18h, Do 11-20h, Eintritt frei.

Erstellt: 05.12.2019, 18:53 Uhr

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