Rümlang

Bäume für das neue Helvetien

Der Name eines kleinen Städtchens in Uruguay ist Programm. In Nueva Helvecia ist vieles schweizerischer als hierzulande. Diese Woche war Bürgermeisterin Maria de Lima im Unterland zu Besuch, auch um sich zu bedanken.

Internationales Treffen der Aufforster: Maria de Lima (Bürgermeisterin Nueva Helvecia), flankiert von Matthias Baumberger (Stiftung KMU Clima, links) und Philipp Bossard (Bosshard AG,Rümlang).

Internationales Treffen der Aufforster: Maria de Lima (Bürgermeisterin Nueva Helvecia), flankiert von Matthias Baumberger (Stiftung KMU Clima, links) und Philipp Bossard (Bosshard AG,Rümlang). Bild: Leo Wyden

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Das Städtchen Nueva Helvecia (siehe Kasten) soll derart schweizerisch sein, dass man hätte erwarten können, die Bürgermeisterin würde in einer Zürcher Tracht nach Rümlang kommen. Immerhin war es fast so etwas wie ein kleiner Staatsempfang, den man bei der Firma Bosshard für den Besuch aus Uruguay vorbereitet hatte. Es fehlten weder Reden noch Dolmetscher, und auch eine Firmenbesichtigung gehörte zum Programm. Maria de Lima Morena erschien dann aber im schwarzen Kostüm, und ihre Entourage bestand einzig aus ihrem jugendlichen Sohn.

Die Bürgermeisterin von Nueva Helvecia ist bereits zum vierten Mal in der Schweiz. «Die Vergangenheit unserer Stadt verbindet uns sehr stark mit Ihrem Land», sagt de Lima, die selber kein Deutsch spricht, «wir möchten, dass diese Bindung auch in der Gegenwart gelebt wird und in der Zukunft eine Fortsetzung findet.» Ihr diesjähriger Aufenthalt ist zugleich ein Dankesbesuch bei der Stiftung «KMU Clima».

Bäume aus der Schweiz

Diese betreibt seit fünf Jahren drei Aufforstungsprojekte in Uruguay, darunter eines in Nueva Helvecia. Die nicht gewinnorientierte Stiftung legt ihren Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen, die sich für die Reduktion und Kompensation der Treibhausgas-Emissionen engagieren wollen. Stiftungspräsident Matthias Baumberger erklärt, wie das funktioniert: «Wir bieten Firmen die Möglichkeit, ihre CO2-Emmission zu berechnen. Sie verpflichten sich dann freiwillig, pro Tonne einen Beitrag von 25 Franken an die Aufforstungsprojekte zu leisten.»

«Die Vergangenheit unserer Stadt  verbindet uns sehr stark mit Ihrem Land.»

Maria de Lima Moreno,  Bürgermeisterin Nueva Helvecia

Ein moderner Ablasshandel also? «Nein», widerspricht Baumberger, «es geht vor allem darum, den Firmen aufzuzeigen, wie sie ihren CO2-Ausstoss verringern können. «Wenn ein Unternehmen einmal damit beginnt, startet ein positiver Wettbewerb.» Und das sei gut so, auch wenn dann weniger Geld in die Stiftung fliesse. Derzeit engagieren sich zwölf Unternehmen mit 15 bis 400 Mitarbeitenden für die Ziele von «KMU Clima».

Von Beginn weg dabei ist die Rümlanger Firma Bosshard AG. Sie kompensierte im vergangenen Jahr 445 Tonnen CO2 über «KMU Clima», beteiligte sich also mit über 11 000 Franken an den Aufforstungsprojekten in Uruguay. Pro Jahr fliessen insgesamt rund 70 000 Franken in die Kasse der Stiftung. Baumberger erklärt, weshalb das Geld im südamerikanischen Land investiert wird: «Wir haben in drei Kontinenten evaluiert. Mehrere Gründe, unter anderem die Rechtssicherheit, haben für Uruguay gesprochen.»

In Zusammenarbeit mit einer Baumschule wird dort nun an drei Standorten aufgeforstet - mit heimischen Baumsorten. Die kleinste dieser drei Flächen liegt in Nueva Helvecia. Es sind vier Hektaren mitten im Zentrum dieses Städtchen, in dem die Schweizer Traditionen, wie Käseproduktion und Schützenvereine, noch fest verwurzelt sind. Ein Dorf, das die spanische Tageszeitung «El Pais» als «Kolonie der sturen Schweizer beschrieb.»

Muss noch überlegen

Bürgermeisterin de Lima ist zwar nicht in Nueva Helvevia aufgewachsen. Der Schweiz kann sie aber dennoch viel Positives abgewinnen. So ist sie eine überzeugte Anhängerin der direkten Demokratie. Im Vertrag, den sie gemeinsam «KMU Clima» erarbeitet hat, ist deshalb auch eine Vertretung der Bevölkerung festgeschrieben. «Die Vertreter wurden vom Volk gewählt – wie in der Schweiz», betont de Lima. Aber auch aus anderen Gründen läge ihr das Aufforstungsprojekt am Herzen, sagt die 46-Jährige: «Wir legen derzeit einen wichtigen Fokus auf den Umweltschutz und da hilft ein solches Projekt, auch die Bevölkerung zu sensibilisieren.»

Erstellt: 06.06.2018, 17:56 Uhr

«Willkommen, Maria de Lima»: In Rümlang ist man bereit für den Besuch aus Südamerika. (Bild: Leo Wyden)

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