Banken

«Bankfilialen haben an Bedeutung eingebüsst»

Mit der Filiale in Embrach schloss die ZKB am Freitag eine weitere Geschäftsstelle im Unterland – ein Trend seit mehreren Jahren. Die UBS wählt eine andere Strategie: Sie sucht den Kontakt zu Firmenkunden direkt.

Die ZKB-Filiale in Embrach ist seit Freitag geschlossen.

Die ZKB-Filiale in Embrach ist seit Freitag geschlossen. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Banken spüren die Digitalisierung: Bankkundinnen und -kunden nutzen immer öfter den Computer oder das Smartphone, um den Kontostand zu checken, Rechnungen zu bezahlen oder sich Informationen zu holen, und Bargeld heben sie am Automaten ab. In den Worten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) heisst das: Die Kundschaft wünscht zeit- und ortsunabhängige Dienstleitungen und frequentiert die Schalter immer seltener. Heisst, man muss über die Bücher – und gegebenenfalls Schalter schliessen, wenn diese nicht genügend ausgelastet sind.

Über den Abbau der Filiale in Embrach hat die ZKB bereits Anfang Oktober 2018 informiert; gestern Freitag um 12 Uhr war es dann soweit. Zur Verfügung steht den Kundinnen und Kunden seit Montag ein mobiler Bancomat. «Ein Abbau dieses Bancomaten ist aktuell nicht geplant», hält Yannik Primus, Mediensprecher der ZKB, auf Anfrage fest. Auch weitere Filialschliessungen stünden derzeit nicht zur Debatte – abgesehen von jenen, die bereits kommuniziert wurden. Das sind nebst Embrach auch die Standorte Erlenbach, Marthalen, Bonstetten, Hausen am Albis, Langnau am Albis und Albisrieden.

Öffnungszeiten reduziert

Im Unterland verbleiben die ZKB-Geschäftsstellen in Bülach, Dielsdorf, Dietlikon, Eglisau, Kloten, Rafz, Regensdorf, Rümlang und Wallisellen. Neun Standorte also – im Jahr 2007 waren es noch deren 14, plus zwei Agenturen in Schöfflisdorf und Weiach, in denen bis Anfang 2016 einfache Bankdienstleistungen möglich waren. 2014 folgte eine erste Reduktion der Öffnungszeiten: In Dietlikon, Embrach, Opfikon und Niederglatt waren die Filialen nur noch halbtags geöffnet. Jene in Niederglatt und auch in Niederhasli sind inzwischen geschlossen, jene in Dietlikon ist nur morgens, jene in Rafz und Rümlang nur noch nachmittags geöffnet.

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Standorte der UBS betrachtet. Ihre Geschäftsstellen sind seit Langem auf die städtischen Zentren der Region beschränkt: In Bülach, am Flughafen, in Kloten, Regensdorf, Opfikon und Wallisellen können Kundinnen und Kunden noch einen Schalter aufsuchen. Per 1. Januar 2018 nahm sich die Bank vor, die Präsenz in der Region im Firmenkundengeschäft auszubauen. Der Fokus liegt dabei jedoch nicht auf weiteren Geschäftsstellen, sondern auf der persönlichen Präsenz von UBS-Mitarbeitenden in der Region – allem voran durch Besuche bei der Kundschaft, aber auch durch digitale Neuerungen. Der Hintergrund: Die Interaktionen an Schaltern nehmen Jahr für Jahr ab, sie verlagern sich ins Digitale. «Durch die Digitalisierung, welche Banken durchleben und auch vorantreiben, haben verschiedene Kanäle neue Bedeutung gewonnen», erklärt Stephan Hässig, verantwortlich für Firmenkundengeschäfte in Zürich Nord. «Backsteine sind für die Nähe zur Kundschaft nicht alleine entscheidend.»

Heisst: E-Banking, geschützte Mailfunktionen, Handyapplikationen und Kontaktcenter auf dem Webauftritt haben Hochkonjunktur. «Das verlangt, dass wir unsere Produkte in diesem Bereich stetig ausbauen», sagt auch Jörg Schlatter, Leiter Personal Banking Zürich Nord. Mehr digitale Geschäfte, aber auch die steigende Mobilität der Kundinnen und Kunden führe dazu, dass sich die UBS auf die städtischen Gebiete der Region beschränkt: «Der Privat- sowie der öffentliche Verkehr sind heute extrem gut ausgebaut – früher war der Standort einer Bank deswegen viel relevanter als heute», hält Schlatter Fest.

Fokus auf Kundennähe

Diesem Trend wolle die UBS jedoch einen Gegenpol setzen: Obschon Filialen nicht im Dorf nebenan stehen, habe sie den Anspruch, sehr nahe an Kundinnen und Kunden zu sein, wie sie sagt. «Gerade angesichts der Anonymität der digitalen Welt wollen wir in die persönlichen Beziehungen zu unserer Kundschaft investieren», so Hässig. Usus sei deshalb, dass in 99 Prozent der Fälle ein Bankier die Geschäftsdomizile von Unternehmen besucht. Das habe für beide Parteien Vorteile: «Für die Kundschaft bedeutet dies sicher eine Zeitersparnis, wenn wir sie besuchen. Für uns bedeutet es aber auch, dass wir ein Bild der Unternehmenstätigkeit erhalten und auch allfällig notwendige Dokumente gleich griffbereit sind», schildert Hässig weiter. Und ein letzter Vorteil, ergänzt Schlatter, sei ein Gewinn an Kapazitäten. «Denn wird ein Bankschalter in der Geschäftsstelle reduziert, wird das Personal nicht eingespart, sondern aktiv in die neuen Aufgaben eingebunden.»

Einen Aus- oder Rückbau von Geschäftsstellen in der Region vollends ausschliessen wollen die beiden Männer der UBS nicht. «Wir sind der Meinung, dass wir heute eine gute Präsenz in der Region haben – das Filialnetz wird aber laufend überprüft», hält Schlatter fest.

Erstellt: 28.06.2019, 17:27 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles