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Bassersdorfer Altersstrategie löst Skepsis aus

Lange wurde untersucht, abgeklärt und geplant – nun hat die Steuergruppe 65+ in Bassersdorf ihre Altersstrategie vorgestellt. Dies löste bei den gegen hundert Interessierten mitunter Stirnrunzeln aus und führte zu kritischen Voten.

Für die neue Seniorenbroschüre der Gemeinde standen Altersheimleiterin Dörte Gehring (re.), Bewohnerin Anna Weiss sowie Stationsleiterin Priska Wattinger auf dem Zentrumsplatz von Bassersdorf Modell.
Für die neue Seniorenbroschüre der Gemeinde standen Altersheimleiterin Dörte Gehring (re.), Bewohnerin Anna Weiss sowie Stationsleiterin Priska Wattinger auf dem Zentrumsplatz von Bassersdorf Modell.
Francisco Carrascosa

Wie die Bassersdorfer Senioren künftig leben, und wenn nötig wie und von welchen Institutionen gepflegt werden sollen, beschäftigt die Gemeinde derzeit stark. Seit so manche Aufgabe vom Kanton an die Gemeinden übertragen wurde, geht es den kommunalen Behörden auch darum, die Kostenfolgen für die Altenpflege in den Griff zu bekommen.

Manches ist noch offen, aber vieles schon deutlich vorgespurt: Am Montagabend stellte die sogenannte Steuergruppe 65+ um die drei Bassersdorfer Gemeinderäte Doris Meier (Präsidentin, FDP), Christian Pfaller (SVP) und Christoph Füllemann (parteilos) ihre bisherige Arbeit zum Thema Altersstrategie vor.

Die bereit gestellten Stühle waren fast alle besetzt, als die Gemeindepräsidentin die überwiegend älteren Dorfbewohner im Franziskussaal begrüsste. «Wir wollen eine möglichst optimale kommunale Altersversorgung sicherstellen», schickte sie voraus und erklärte, was die Lokalpolitik bisher tat und nun genau vorhat.

Neue Demenzstation geplant

Ganz aktuell steht der Bau einer Demenzstation mit 16 Plätzen im Erdgeschoss des Alterszentrums Breiti an, das momentan 56 Plätze anbietet. Der Kreditantrag (rund 190 000 Franken) wird im September vor die Gemeindeversammlung kommen. Man müsse in Zukunft schneller reagieren können und überlege sich deshalb auch, dem bislang von der Gemeinde selber geführten Alterszentrum eine andere Rechtsform zu geben. Zugleich ist die Suche nach einem externen Betreiber des Altersheims seit wenigen Tagen offiziell ausgeschrieben und Meier erwartet schon bald Reaktionen von Interessenten. «Bewerber können sich noch bis zum 7. August bei uns melden», erklärt sie. Generell orientiert sich die Bassersdorfer Altersstrategie daran, was derzeit von Kanton und Fachleuten propagiert wird. So sollen Ältere möglichst lange Zuhause leben können. Dazu gehört ein Ausbau der Spitex sowie die Unterstützung von pflegenden Angehörigen, worauf ein Schwerpunkt gelegt werde, sagte Meier und erntete promt Kritik. «Ihr redet von ‹pflegenden Angehörigen›, aber nicht alle haben Angehörige», meinte eine Frau leicht empört. Und die Töchter und Söhne könnten die Angehörigenpflege oft gar nicht übernehmen. Weitere Anliegen aus dem Plenum zielten auf einen ausgebauten Nachtdienst, der 24 Stunden verfügbar sein soll – selbst für jene, die nicht in einem Heim seien, sondern Zuhause lebten. Auch die Konsequenzen einer Auslagerung des Altersheims an eine externe Betreibergesellschaft sowie die zuvor angetönte neue Rechtsform warfen kritische Fragen auf. «Wir wollen eine Form, in der man schnell entscheiden kann und werden der neuen Betreibergesellschaft auch einen Leistungsauftrag geben», erklärte Füllemann.

Ebenfalls kritisch kommentiert wurde die neu formulierte Maxime der Gemeinde, wonach Menschen ohne oder mit einem geringen pflegerischen Bedarf künftig nur noch in Ausnahmefällen bei den stationären Leistungsanbietern im Dorf aufgenommen werden sollen. Für die bestmögliche Unterstützung dieser Leute soll sodann eine neue Triagestelle (50-Prozent-Job) geschaffen werden, die ihnen alle Möglichkeiten aufzeigt.

Fehlende Freiwilligkeit stört

Alt-Gemeinderätin Ruth Bösch (FDP), die 2014 zurückgetreten war, sprach zunächst die etwas späte Information an, und ärgerte sich dann darüber, dass gesagt worden sei, Bassersdorf habe entschieden. – «Aber das stimmt doch gar nicht.» Jetzt werde einfach ein Konzept vorgelegt und so getan, als ob es DIE Lösung sei. Bösch reklamierte zudem: «Mich stört die fehlende Freiwilligkeit.» So erlaube die Strategie den Senioren nicht mehr, freiwillig ins Altersheim zu gehen, wenn sie das denn wünschten. Nur noch bei Demenz und Verwahrlosung sei dies gestattet, was die Alt-Gemeinderätin als unangebrachte Bevormundung empfindet.

FDP-Kollege Heinz Schlüssel doppelte nach, es sei nicht in Ordnung, dass man «sakrosankt» vorschreibe, ab welcher Stufe der Pflegebedürftigkeit die Bassersdorfer ins Altersheim gehen dürften.

Gemeindepräsidentin Meier entgegnete, man wolle das ja gar nicht so sakrosankt lösen. «Es bleibt immer noch eine freie Entscheidung, welches Pflegeangebot man letztlich in Anspruch nimmt.» Dennoch müsse der Gemeinderat seine Verantwortung wahrnehmen. Und deshalb habe man auch solche Fragen in einem Strategiepapier thematisieren wollen.

Ratskollege Pfaller gab derweil zu bedenken: «So gut wie heute, ging es den Älteren lange nicht.» Auf die leichte Unruhe im Saal reagierte er sogleich mit dem Bekenntnis, «der Mensch soll bei unseren Überlegungen stets im Zentrum stehen». Am Ende vorderte die Gemeindepräsidentin die Bassersdorfer auf: «Es ist uns wichtig, dass Sie auf uns zukommen. Teilen Sie uns ihre Anliegen mit.»

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