Bülach

Bedingte Strafe für Liebestölpel

Sein Liebesbeweis an seine Freundin endete in einem Fiasko – nun erhielt der Bülacher Liebestölpel eine bedingte Gefängnisstrafe.

Der Verteidiger sagte am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Winterthur, dass es fatal wäre, wenn der Beschuldigte eine Freiheitsstrafe verbüssen müsste.

Der Verteidiger sagte am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Winterthur, dass es fatal wäre, wenn der Beschuldigte eine Freiheitsstrafe verbüssen müsste. Bild: Marc Dahinden

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Er wollte seiner Freundin seine Liebe demonstrieren, stattdessen fackelte er einen Lieferwagen ab und verursachte einen Sachschaden von 200 000 Franken. Der für den Vorfall vom April 2017 verantwortliche 26-jährige Schweizer wurde am Donnerstag vom Winterthurer Bezirksgericht zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 21 Monaten verurteilt.

Es sollte ein Liebesbeweis für seine Bianca sein. An der Dachs­lenbergstrasse in Bülach formte er auf dem Weg zu seiner Angebeteten aus einer alten Turnhose ein Herz, übergoss es mit Benzin und zündete es an. Vor einem Lieferauto mit der Aufschrift «Bianchi». «Wie passend», habe er sich gedacht. Dann sei er in Panik ausgebrochen und geflüchtet. «Ich wusste nicht, dass Benzin so eine Stichflamme gibt, ich dachte, das werde eher so wie bei einem Fondue-Öfeli», erklärte er gestern vor Gericht.

Einbruchserie in Winterthur

Was als Liebesbeweis gedacht war, führte zu einem immensen Sachschaden, weil nicht nur der Lieferwagen, sondern auch das dahinter liegende Gebäude beschädigt wurde. Der Beschuldigte gestand die Tat und zeigte Reue. Ebenso was die anderen elf angeklagten Straftaten betraf, die er mehrheitlich in der Stadt Winterthur begangen hatte.

Der heute 26-Jährige verbrachte einen Grossteil seiner Kindheit in einem Internat und einem Jugendheim. Er wisse nicht, warum ihn die Mutter mit acht Jahren ins Internat geschickt habe. «Vielleicht war sie mit mir und den zwei Halbgeschwistern überfordert.» Er hatte eine Anlehre angefangen, diese aber abgebrochen. Als Grund nannte er, dass seine damalige Freundin schwanger gewesen sei und er oft zu ihr in den Thurgau abgehauen sei. Nachdem er deswegen die Lehrstelle verloren hatte, erhielt er eine volle IV-Rente. «Die damalige Freundin wollte aber nicht zu mir ziehen.» Das Kind, das heute sechs Jahre alt ist, sieht er sehr selten, weil das Verhältnis zur Mutter schlecht sei. Die Alimente werden direkt von seiner IV abgezogen.

Als Grund für die vielen Einbrüche nannte der Beschuldigte die emotional schwierige Situation ohne Arbeit und im Streit mit der Freundin, aber ebenso, dass er sich mit dem Geld «etwas gönnen, Schuhe und Kleider kaufen, in der Szene anerkannt werden» wollte.

«Instabile Persönlichkeit»

Der Staatsanwalt meinte, der Beschuldigte habe aus rein egoistischen Gründen gehandelt, nicht aus einer finanziellen Notlage heraus. Mit der IV und den Ergänzungsleistungen habe er zwar nicht viel, aber genug zum Leben. Der Verteidiger hingegen argumentierte, dass der Beschuldigte mit den ihm zur Verfügung stehenden zwanzig Franken pro Tag durchaus aus einer finanziellen Notlage heraus gehandelt habe. Dass er in kleine Geschäfte eingestiegen sei, sei insofern positiv zu werten, als er so «keine Familien aufgeschreckt» habe.

Der Staatsanwalt hingegen taxierte das Vorgehen gegen die kleinen Unternehmen als besonders perfide, da beispielsweise der Verlust von drei Computern für diese existenziell sein könne. Er forderte eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, davon 12 Monate bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren.

Der Verteidiger hingegen sagte, dass es fatal wäre, wenn der Beschuldigte eine Freiheitsstrafe verbüssen müsste. Er, der unter anderem eine emotional instabile Persönlichkeit und zum Teil depressive Phasen habe, würde im Gefängnis den Halt verlieren. Seit dem letzten Einbruch habe er sich nichts mehr zuschulden kommen lassen.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.01.2019, 10:59 Uhr

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