Bassersdorf-Nürensdorf

Bezirksgrenzen sind keine Hindernisse für eine Kirchenfusion

Aus den drei Kirchgemeinden Bassersdorf-Nürensdorf, Lindau und Brütten soll eine einzige werden. Am nächsten Dienstag findet eine grosse Bevölkerungs-Info statt.

Die heutige reformierte Kirchgemeinde Bassersdorf-Nürensdorf, im Bild die Kirche von Bassersdorf, könnte bald in einer neuen fusionierten Kirchgemeinde zusammen mit Lindau und Brütten aufgehen.

Die heutige reformierte Kirchgemeinde Bassersdorf-Nürensdorf, im Bild die Kirche von Bassersdorf, könnte bald in einer neuen fusionierten Kirchgemeinde zusammen mit Lindau und Brütten aufgehen.

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Der Termin für die geplante Grossfusion ist fixiert: Ziel ist ein Zusammenschluss per Mitte 2022. So haben es die drei beteiligten reformierten Kirchgemeinden von Bassersdorf-Nürensdorf, Lindau und Brütten gemeinsam vorgesehen.

Der Grundsatzentscheid, ob es auch wirklich so kommt, wie die Verantwortlichen es sich vorstellen, fällt allerdings schon 2020. Das ist schon sehr bald, wenn man bedenkt, dass bislang noch wenig wahrnehmbare Auseinandersetzungen mit dem Thema in der Öffentlichkeit stattgefunden haben. «Wir haben jemanden gebraucht, der etwas Zug in die Sache bringt», nennt es Rahel Rageth.

Damit meint die 2018 neu gewählte Kirchgemeindepräsidentin von Bassersdorf-Nürensdorf freilich nicht sich selbst, sondern die eigens für den Fusionsprozess beigezogene Organisationspsychologin Barbara Gölz aus Winterthur. Sie begleitet die Arbeiten der drei bislang selbstständig agierenden Körperschaften und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite. «Wir müssen jetzt zügig vorwärtskommen», sagt sie und findet, «jetzt besteht die Chance, selber zu bestimmen, das ist ein Gewinn für alle und nicht nur ein Schreckgespenst, wie es manche vielleicht annehmen könnten».

Abstimmungsdatum im Mai 2020 steht

Wenn im nächsten Frühling die Pfingstrosen blühen, werden sich die reformierten Kirchenmitglieder aus den drei betreffenden Kirchgemeinden entscheiden müssen. Denn am 17. Mai 2020 steht eine Urnenabstimmung an, die Klarheit bringen soll. Etwas speziell ist, dass sämtliche beteiligten Kirchgemeinden aus einem anderen Bezirk stammen. Bassersdorf und Nürensdorf gehören zum Bezirk Bülach, Lindau zum Bezirk Pfäffikon, und Brütten liegt im Bezirk Winterthur. «Das soll für unser Vorhaben kein Problem darstellen», sagt die Präsidentin der Kirchgemeinde «Basi-Nüeri», wie man sich dort kurzum nennt. Die Behörden der reformierten Landeskirche im Kanton Zürich hätten signalisiert, dass die Bezirksgrenzen keine entscheidende Rolle spielten, erklärt Rageth bei einem Treffen im Nürensdorfer Zentrum, wo ihre Kirchgemeinde einen modernen Bau besitzt.

Dort könnte auch die gemeinsame Verwaltung der fusionierten Kirche angesiedelt werden. So ist es jedenfalls angedacht, auch weil Nürensdorf zentral im neuen Gebiet des Fusionsprojektes «BNLB» liegt. Einen offiziellen Namen für die neue Kirchgemeinde gibt es nämlich noch nicht. Die Kantonalkirche schreibe das allerdings vor, sonst könne keine Fusion vollzogen werden. «Wir haben eine Steuergruppe mit je drei Vertretern aller bisherigen Kirchgemeinden, die sich letztlich auch um die Namensfindung kümmern.» Nach einer Wettbewerbsausschreibung im kirchlichen Mitteilungsblatt der drei Gemeinden seien 28 Vorschläge eingegangen. Mehr verrät die Birchwilerin Rageth aber noch nicht.

Die Ortskirche ist wichtig

Um die Bevölkerung beim Vorhaben mit ins Boot zu nehmen, sind kommende Woche zwei öffentliche Informationsanlässe geplant. Was als Podium am Dienstagabend (24.9.) in Bassersdorf und am Mittwoch (25.9.) in Lindau angekündigt wird, sei in der Tat «wohl eher ein Forum». Dann wolle man den Leuten aufzeigen, was angedacht sei. Rageth und Gölz sprechen dabei wiederholt vom «Ortskirchenkonzept», was letztlich so viel bedeutet wie, «die Kirche muss im Dorf bleiben». Konkret werden alle heutigen Kirchen (Basserdorf, Lindau, Brütten) mit bisherigem Personal besetzt sein. Die Pfarrpersonen bleiben somit überall Bezugspersonen vor Ort, werden aber gezielt auch regional in allen drei Kirchen tätig sein. Insgesamt werden somit auch weiterhin sechs Pfarrerinnen und Pfarrer im neuen Konstrukt tätig sein können.

Im Gegensatz zu anderen Gemeinden muss in der Kirchgemeinde Basi-Nüeri keine Kürzung der Pfarrstellen befürchtet werden. Zumindest vorläufig nicht, sagt Rageth. Denn die Mitgliederentwicklung in der reformierten Kirche zeige klar abwärts, was den Druck, sich effizienter zu organisieren, einfach auf später verschiebt.

Kirche schrumpft bedrohlich

Gemäss dem Zürcher Kirchenrat (Regierung der ref. Landeskirche im Kanton) sollen bis zum Beginn der nächsten Amtszeit ab 2022 aus den heute weit über 100 meist kleineren Kirchgemeinden neu etwas mehr als drei Dutzend grössere Einheiten werden. Der Grund liegt auf der Hand: Die Zahl der Reformierten wird immer kleiner. 1967 waren noch fast 70 Prozent der Bevölkerung des Kantons Teil der reformierten Kirche, 2010 waren es nur noch 35 Prozent. Und der Trend setzt sich fort.

Die Folge ist, dass immer weniger Finanzen für dieselben Aufgaben zur Verfügung stehen. Effizientere Organisation, und das möglichst ohne Einbusse bei den Dienstleistungen vor Ort, heisst deshalb das Gebot der Stunde. «Grössere Veränderungen werden bei dieser Fusion vor allem im Hintergrund stattfinden», sagt Beraterin Gölz. Die Kirchgemeindeverwaltung soll auf einheitlichen Systemen vereint werden. Es gehe dabei um Computerfragen, Liegenschaftenverwaltung, Buchhaltung. «Das interessiert das einzelne Kirchenmitglied kaum», ist sie sich sicher. Und Präsidentin Rageth erklärt: «Alle Mitarbeiter werden auch nach der Fusion weiterbeschäftigt.»

Zwölf Kirchenpfleger weniger benötigt

Nur bei der demokratisch gewählten Gemeindeführung, der Kirchenpflege, würden nicht mehr so viele Personen benötigt wie bisher. Künftig sollen es noch insgesamt neun Personen im neuen Konstrukt richten. Die heutige Kirchenpflegen umfassen total 21 Personen: Basi-Nüeri besteht aktuell aus neun Leuten, Lindau aus sieben und Brütten aus fünf gewählten Mitgliedern. Da entfielen auf die Neuwahlen 2022 hin 12 Sitze – immer falls eine Fusion zustande kommt.

Aber so weit ist man noch lange nicht. Zunächst stehen die beiden Informationsveranstaltungen an. Und die jetzige Präsidentin Rahel Rageth ist zuversichtlich. Lieber entscheide man selber, wie es weitergehen soll. Vor allem solange dies ohne allzu grossen Druck von oben möglich sei. Momentan ist das noch der Fall. Sowieso gilt für sie: «Wir müssen aktiv bleiben.»

Infoanlass: Am Dienstag, 24. September, 19.30 Uhr im Kirchgemeindehaus bei der ref. Kirche Bassersdorf. Und am 25. September, 19.30 Uhr, in der ref. Kirche Lindau.

Erstellt: 19.09.2019, 19:01 Uhr

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