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«Blocher war schon Trump vor Trump»

Nachdem Steve Bannon zu Hause in den USA in der Bedeutungslosigkeit zu versinken droht, macht er sich auf, um Europas rechtspopulistische Bewegungen zu erkunden. Gestern Abend machte er auf Einladung der «Weltwoche» in Zürich halt.

Lange Schlangen vor dem Eingang der Halle 622 in Zürich-Oerlikon, Metalldetektoren, Einlass für Angemeldete nur gegen Vorzeigen eines amtlichen Ausweises. Zu ­sehen gab es keinen Weltstar und kein Staatsoberhaupt, sondern «nur» Steve Bannon, den ehemaligen Wahlkampfleiter, Chefstrategen und Einflüsterer von US-Präsident Donald Trump.

1500 Zuhörer lauschten den Worten von Steve Bannon (Quelle: sda / keystone)

Auf Einladung von Roger Köppels «Weltwoche» referierte er vor rund 1500 Zuhörern über seine «Erfahrungen und Beobachtungen», die er im Weissen Haus und im Hinterland gesammelt habe. Sein Thema: «die populistische Revolte», die Amerika mit der Wahl von Trump schon hinter und Europa Bannons Meinung nach noch vor sich hat.

Das Publikum gestern Abend bestand zu einem guten Teil aus graumelierten Herren mit und ohne Damenbegleitung. Es waren aber auch zahlreiche – ebenfalls mehrheitlich männliche – jüngere Besucher auszumachen.

Bannon auf Europa-Tour

Da Bannon nach seinem Rauswurf aus Trumps Beraterstab (siehe Box) und dem Abgang bei «Breitbart» in den USA nicht mehr so gefragt ist, hat er nun umso mehr Zeit, sich anderen Regionen der Welt zuzuwenden.

«Unsere Anwälte reden miteinander»

Joe Bannon über seine Beziehung zu Donald Trump

Er tourt derzeit durch europäische Länder, um deren populistische Bewegungen näher kennen zu lernen. Zuletzt war er am vergangenen Wahlwochenende in Italien. Mit Cinque Stelle, der Lega und Forza Italia standen dort gleich mehrere Parteien zur Wahl, die als populistisch gelten.

In seiner rund 30 Minuten dauernden Rede kam Bannon auch auf die Schweiz und ihre Verbindungen zur «populistischen Revolte» zu sprechen. «Eigentlich hat hier in der Schweiz 1992 alles begonnen», sagte Bannon über den damaligen EWR-Abstimmungskampf von «Dr. Blocher» gegen das gesamte Establishment, «Blocher war schon Trump vor Trump.»

Dass die SVP seit Jahrzehnten auf Bundesebene und in vielen Kantonen Regierungspartei und damit sozusagen Teil des verhassten Establishments ist, darüber sah Bannon grosszügig hinweg.

Das Erfolgsrezept für Trump

Was seine Rolle im Wahlkampf für Trump betrifft, gab er sich äusserst bescheiden: «Wir liessen Trump einfach sich selbst sein.» So habe man das Ruder im fast schon verloren geglaubten Wahlkampf noch herumreissen können. «Trump konzentrierte sich einfach auf seine Themen: Einwanderung, Jobs in der Industrie und Kriege, an denen die USA beteiligt sind, die beendet werden müssen.»

Bis zum vergangenen August war Bannon Berater von Trump. Die Trennung war nicht gerade einvernehmlich. «Reden Sie noch miteinander?», wollte Köppel in der Fragerunde wissen. «Unsere Anwälte reden miteinander», lautete die Antwort.

Köppel betätigte sich in der Fragerunde auch als Stichwort­geber, was bekannte Vorwürfe an die Adresse Bannons angeht. Sind Sie Rassist? «Nein, ich bin doch in einem Quartier mit verschiedenen Ethnien aufgewachsen.» Sind Sie Antisemit? Natürlich nicht, schliesslich habe er sich dafür eingesetzt, dass die USA ihre Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen.

Dem Publikum schien der von Köppel als «Freie-Rede-Gipfel» beschworene Anlass zu gefallen. Bannons Ausführungen wurden mehrmals von Applaus unterbrochen, etwa wenn er der Schweiz schmeichelte oder die Clintons als «korrupteste Politiker» bezeichnete.

Nur bei der Bemerkung, die Schweiz sei doch eine «finanzielle Supermacht», war murmelnder Widerspruch vernehmbar.

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