Rafz

Brotbacken im Kachelofen weckt Kindheitserinnerungen

Zur Saisoneröffnung des Ortsmuseums steht jeweils der Kachelofen aus dem Jahre 1784 im Mittelpunkt.

Mit Begeisterung schauen die Kinder Kurt Baggenstoos und Elsi Antener beim Brotbacken zu.

Mit Begeisterung schauen die Kinder Kurt Baggenstoos und Elsi Antener beim Brotbacken zu. Bild: Sibylle Meier

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Gespannt steht die achtjährige Elia neben den Zwillingen Andrin und Marius (5) mit ihren farbigen Pommelmützen im Dreisässen-Haus vor dem Kachelofen. Für die Kinder ist er ein wahres «Ungetüm». Die schwarzen Schieber und Türen erscheinen wie Zeitfenster mit Blick in längst vergangene Tage. Tatsächlich sei der Kachelofen früher regelmässig zum Brotbacken verwendet worden, erklärt Kurt Baggenstoos. Die Kinder beobachten, wie der engagierte Museumsmitarbeiter ihre zuvor gekneteten faustgrossen Brotlaibe in die Einfeuerung, also die Backröhre schiebt. Neben ihm steht Elsi Antener und schaut auf die Uhr. Denn nach bereits 30 Minuten gilt es, die etwas grösseren Laiber aus dem hinteren Teil des Ofens hervorzuholen, ohne dabei die kleineren zu verdrücken.

Die richtige Hitze ist ausschlaggebend

«Vor dem Einfeuern ist es wichtig, sämtliche Asche aus dem Backraum zu entfernen, damit der Ofenboden überall gleichmässig erhitzt wird», erklärt Baggenstoos seine Technik. Ein solches Feuer braucht mehr Holz als bei einer normalen Einfeuerung. Heute habe er neben Buchen- auch Eichenholz verwendet. Ob das Brot dadurch besser schmecke, möchte ein Besucher wissen. Doch Baggenstoos nennt als Grund den besseren Brennwert von Eichenholz.

«Vor dem Einfeuern ist es wichtig, sämtliche Asche aus dem Backraum zu entfernen, damit der Ofenboden überall gleichmässig erhitzt wird.»Kurt Baggenstoos

Nach dem Abbrennen des Holzes beträgt die Temperatur im Ofen circa 250 bis 280 Grad Celsius, und ist somit um einige Grad höher als in einem normalen Backofen. Baggenstoos verrät, wie er den richtigen Zeitpunkt für das sogenannte Einschiessen der Brotlaiber bestimmt. «Man nimmt ein Stück Zeitungspapier und legt es auf den zuvor sauber gefegten Ofenboden. Fängt es von selbst an zu brennen, ist die Temperatur noch zu hoch, wird es bloss schwarz-gelblich, ist es der perfekte Zeitpunkt.»

Kurz vor Ende der öffentlichen Führung durch das Ortsmuseum, welches dieses Jahr eine Fotoausstellung zur Entwicklung der Rafzer Siedlungen zeigt, ist es dann soweit. Elsi Antener trägt die frischen Bauernbrote in ihrer Schürze Holztisch in der Küche, um den sich sogleich eine grosse Kinderschar versammelt. Vor dem Anschnitt klopft sie auf den Laib. Tönt es hohl, ist das Brot gut durchgebacken. Und wenn die Glut einen Laib etwas verbrannt hat und dieser dadurch hart ist, dann ist das «Tschuttibölle».

Zu guter Letzt klärt Kurt Baggenstoos die Kinder noch auf, dass es nicht stimme, dass man vom zuvielen Brot essen Bauchweh bekomme. «Das ist eine alte Mär», sagt der Hobbybäcker und schmunzelt.

Erstellt: 15.04.2019, 16:01 Uhr

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Geöffnet ist das Ortmuseum jeden zweiten Sonntag im Monat von April bis November, 14 bis 17 Uhr

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