Spital Bülach

Bülacher Rettungswagen fährt nun in Kosovo

Das Dorf Roganë im Osten Kosovos erhielt vom Spital Bülach einen Rettungswagen. Für das ansässige Spital bedeutet die Spende eine grosse Erleichterung.

Die Spitalbelegschaft von Roganë hat Alexandra Knoll und Nina Forte (beide in Gelb) herzlich empfangen.

Die Spitalbelegschaft von Roganë hat Alexandra Knoll und Nina Forte (beide in Gelb) herzlich empfangen. Bild: PD

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In den bewaldeten Tälern im Osten von Kosovo liegt das 3000-Seelen-Dorf Roganë. Wie in vielen Bergdörfern der Region sind auch hier Armut und die Folgen des Krieges immer noch zu spüren.

Das ansässige Spital mit seiner zehnköpfigen Belegschaft ist für über 15000 Menschen aus den umliegenden Ortschaften die erste Anlaufstelle für die Gesundheitsversorgung und medizinische Notfälle jeglicher Art. Die mangelnde Fachausbildung und knappe finanzielle Mittel machen den täglichen Einsatz jedoch zu einer grossen Herausforderung. Eine Spende des Spitals Bülach soll das Spitalteam nun unterstützen.

Eine andere Welt

Seit Ende Mai führt das Rettungsteam von Roganë seine Einsätze in einem Rettungswagen des Spitals Bülach durch. Alexandra Knoll und Nadia Forte übergaben die Spende an die ansässige Spitalleitung und führten die Besatzung in den Gebrauch des «Büli 9» ein. Dabei kamen auch die zwei Rettungssanitäterinnen öfters an ihre Grenzen.

«Als wir im Spital ankamen, fragten wir uns zuerst: Wo sollen wir mit unserer Schulung anfangen?», erzählt Knoll. Dass das kleine Dorfspital nicht über die gleichen Mittel verfügt wie Bülach, war zu erwarten.

«Als wir im Spital ankamen, fragten wir uns zuerst: Wo sollen wir mit unserer Schulung anfangen?»Alexandra Knoll, Rettungssanitäterin Spital Bülach

Was die zwei Rettungssanitäterinnen vor Ort antrafen, sehen sie aber nicht jeden Tag: Roganë verfügt über kein Röntgengerät und der einzige Defibrillator ist defekt. Diagnosestellungen und Therapiemöglichkeiten sind eingeschränkt oder gar unmöglich.

Bei Knoll war die Ernüchterung gross: «Für uns war es schlichtweg unglaublich und sehr eindrücklich, unter welchen Bedingungen die Spitalbelegschaft in Roganë arbeiten muss.» Schnell machten sich Unterschiede in der Arbeitsweise bemerkbar. Während Knoll und Forte langjährige Ausbildungen als Rettungssanitäterinnen hinter sich haben, sind in Roganë bei Unfällen nur Pflegepersonal und ein Fahrer im Einsatz.

Lebensrettende Massnahmen

«Unser Ziel ist es meist, vor Ort bereits lebensrettende Massnahmen durchzuführen», erklärt Knoll. «In Roganë steht aber gezwungenermassen der Transport an erster Stelle.» Als eine ältere Patientin mit einem Herzinfarkt eingeliefert wird, wird es brenzlig.

Weil die Ausrüstung fehlt, muss diese ins grössere Regionalspital in Gjilan gebracht werden. Dieses liegt aber 26 Kilometer entfernt, der Weg dorthin wird durch die schlechten Strassenverhältnisse weiter erschwert.

«Für Frau Knoll und Frau Forte wird es in Roganë immer einen Platz geben.»Miftar Morina, Präsident Verein «Sejdi Kryeziu»

Solche Situationen sind häufig anzutreffen. «Weil viele Instrumente fehlen, kann oft nur Erste Hilfe geleistet werden», sagt Knoll. «Das Spitalpersonal ist aber sehr bestrebt, zu lernen und sich zu verbessern.»

Das Austauschprojekt kam in Zusammenarbeit mit dem humanitären Verein «Sejdi Kryeziu» mit Sitz in Zürich zustande. Vereinspräsident Miftar Morina aus Herrliberg kontaktierte im November letzten Jahres mehrere Spitäler im Kanton Zürich mit dem Ziel, hiesige Fachkräfte nach Roganë zu bringen.

Brücken bauen

Das Spital Bülach erklärte sich bereit, teilzunehmen, und leitete das Projekt in die Wege. «Es lief alles sehr spontan, aber in Roganë war die Freude gross.»

Morina hofft, dass dies nur der Anfang einer längeren Zusammenarbeit ist. Bei Chefarzt Fahredin Kryeziu und seinem Team haben die zwei Rettungssanitäterinnen aus Bülach jedenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. «Für Frau Knoll und Frau Forte wird es in Roganë immer einen Platz geben.»

Erstellt: 10.06.2019, 23:14 Uhr

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