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Bülachs Konzertsaal hängt am Musikschul-Entscheid

Die Musikschule soll vom Bahnhof ins lange Guss-Gebäude im Norden ziehen. So käme Bülach zu einem Konzertsaal für 220 Besucher. Der Schulvorstand treibt das Projekt voran, definitiv entscheiden werden dann die Delegierten der Anschluss-gemeinden im kommenden Mai.

Hinter diesem Bachsteinbau entsteht der östliche Quartierteil von Bülach Nord. Das lange Gebäude selber bleibt bestehen und soll künftig auch der Musikschule Zürcher Unterland ein neues Zuhause bieten. Die Pläne sind da – es bleibt die Frage der Finanzierung.
Hinter diesem Bachsteinbau entsteht der östliche Quartierteil von Bülach Nord. Das lange Gebäude selber bleibt bestehen und soll künftig auch der Musikschule Zürcher Unterland ein neues Zuhause bieten. Die Pläne sind da – es bleibt die Frage der Finanzierung.
Francisco Barrascosa

Die Musikschule Zürcher Unterland (MSZU) will weg vom Bülacher Bahnhof und stattdessen ins wohl prominenteste Überbleibsel der Industriegeschichte einziehen. Die historische Architektur, die sich entlang der Schaffhauserstrasse erstreckt, ist aus Sicht der Schulstrategen bestens für den Musikunterricht geeingnet; die Pläne sind längst gezeichnet: 889 Quadratmeter Fläche will man nutzen (aktuell am Bahnhof: 673 m2), für eine Jahresmiete von 134 000 Franken; rund 10 000 Franken mehr als die heutige Bahnhof-Lösung.

Wie die Musikschule auf ihrer Webseite ausführt, ist ein Mietvertrag über 15 Jahre mit zweimal einer Verlängerung um 10 Jahre möglich. Diese Mietkosten beziehen sich freilich auf den Grundausbau. Die Investitionen für die ganzen inwendigen Umbauten und Anpassungen werden mit gut 1,53 Millionen Franken veranschlagt. Im August 2016 hatte sich der Vorstand – die Musikschule ist als Verein organisiert – einstimmig für das Vorhaben ausgesprochen. Im Dezember reichte man dann bei der kantonalen Finanzdirektion ein Gesuch um einen Beitrag in der Höhe von 500 000 Franken aus dem Lotteriefonds ein. Die Antwort ist hängig.

Im entsprechenden Antragsschreiben listet die Musikschule auch auf, wie sie sich die Finanzierung der anderen zwei Drittel vorstellt: Private Gönner und Stiftungen sollen 400 000 beisteuern, für weitere 130 000 Franken will man Sponsoren finden. Bleibt eine halbe Million, die die angeschlossenen Schulgemeinden aufbringen sollen; aufgeteilt wird anhand der Einwohnerzahl.

Bislang positive Signale

«Bülach wird mit 113 000 Franken der grösste Zahler sein», sagt der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Vögelin aus Winkel. Man habe sich deshalb schon vorgängig mit der hiesigen Oberstufenschule und mit dem Stadtpräsidenten Mark Eberli zusammengesetzt, um etwas abschätzen zu können, wie die Guss-Idee ankomme. Es habe sehr positiv geklungen. «Und auch als wir das Projekt im Dezember der Delegiertenversammlung vorgestellt haben, fanden alle, wir sollten da unbedingt vorwärts machen.» Allein, das definitive O.K. konnten die 19 Delegierten der 18 Gemeinden (Bülach stellt 2) nicht ohne Rücksprache mit ihren jeweiligen Gemeindevorsteherschaften geben. Die entscheidende DV ist auf den 18. Mai angesetzt.

Zu Urnenabstimmungen in den Gemeinden wird es dabei kaum kommen, dafür sind die Beträge zu klein. «Die meisten Gemeinden werden vielleicht 30 000 oder 40 000 Franken beitragen müssen», sagt Vögelin. Klar könne eine Gemeinde den Beitrag auch ablehnen. «Ich denke aber, dieses Szenario ist eher unwahrscheinlich, weil sich die betreffende Schulgemeinde dann nach einer neuen Musikschule umschauen müsste.»

Konzertsaal für 220 Gäste

Die MSZU gehört heute mit 110 Lehrpersonen, 3200 erteilten Unterrichtslektionen pro Woche, und einem Budget von 5 Millionen Franken zu den grössten Musikschulen des Kantons. Das aktuelle Einzugsgebiet umfasst neben Bülach und den Kreisgemeinden auch das Rafzerfeld und das Embrachertal (ausser Lufingen), ferner Rümlang, Niederglatt, Oberglatt, Glattfelden und Weiach.

Die Pläne für die Guss-Musikschule umfassen drei Geschosse und enthalten neben den Musikzimmern, Gruppen- und Bandproberäumen sowie den Büros der Verwaltung auch einen 170 Quadratmeter grossen Konzertsaal samt Bühne und Foyer. Ein Publikum von 220 Personen soll darin Platz finden. Dieser Saal macht allein 475 000 Franken (oder 31 Prozent) der gesamten veranschlagten Umbaukosten aus. Wie die Musikschule in ihrem Projektbeschrieb ausführt, ist angedacht, diesen Raum auch an Dritte zu vermieten. Gemäss Informationsbroschüre geht man dabei von Mieteinnahmen von rund 20 000 Franken pro Jahr aus.

Der Saal ist gegenüber den Anschlussgemeinden ein gewichtiges Argument für das Guss-Vorhaben als Ganzes. So schrieb der stellvertretende Stadtschreiber von Bülach, Pascal Sidler, im bereits erwähnten Antragsschreiben für dieLotteriefonds-Gelder: «Auch die Möglichkeit, dass die Stadt Bülach auf diese Weise zu einem Veranstaltungs- und Konzertsaal kommen könnte, macht das Vorhaben für die Stadt sehr interessant.» Tatsächlich wurde in den vergangenen Jahren immer wieder moniert, dass die Aula der Kantonsschule und die Stadthalle als einzige grössere Stätten für kulturelle Darbietungen, der Bedeutung Bülachs als Regionalzentrum – und notabene als selbsternannte Kulturstadt – in keiner Weise gerecht würden.

Auch die Tatsache, dass die Stadt mit der Guss-Variante nicht selber Millionenbeträge in einen Kultursaal investieren muss, dürfte als «für die Stadt sehr interessant» angesehen werden; so betrachtet entscheiden die Delegierten im Mai auch über einen Teil der kulturellen Potenz ihres regionalen Zentrums. Stimmen sie zu, geht der aktuelle Zeitplan von einem Baubeginn schon im Juli dieses Jahres aus. Die Übergabe der Räumlichkeiten an die Musikschule wird derzeit mit Juli 2019 angegeben, «bei positivem Verlauf».

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