Rafz

Claro Laden feiert Geburtstag

Ein kleiner Laden in Rafz wird 10 Jahre alt. Dank dem unermüdlichen Einsatz der Gründerfrauen haben Kleinbauern in armen Ländern ein Auskommen. Ein Grund zum Feiern.

Mit viel Idealismus führen sie ihren kleinen Laden: Bruni Wicki, Regina Schweizer, Erika Hässig und Maja Hophan (von links).

Mit viel Idealismus führen sie ihren kleinen Laden: Bruni Wicki, Regina Schweizer, Erika Hässig und Maja Hophan (von links). Bild: Sibylle Meier

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Der Andrang ist nicht riesig an diesem kühlen Montagmorgen. Eine Frau erkundigt sich nach Emmer-Teigwaren, eine andere kauft nepalesischen Kaffee und thailändischen Reis und eine dritte ist auf der Suche nach einem Geschenk. «Wir spüren wie alle Läden in Rafz die Konkurrenz aus Deutschland», sagt Maja Hophan, Co-Geschäftsführerin des Claro-Ladens in Rafz. Und spontane Laufkundschaft gebe es im Dorf sowieso kaum: «In Rafz geht man nicht lädelen.»

Mit Herzblut aber ohne Lohn

Dennoch sind die Gründerinnen des kleinen Ladens immer noch mit ganzem Herzen bei der Sache. Diese Woche feiern sie das zehnjährige Bestehen ihres Lokals an Märktgass 3. «Mit unserem Engagement ermöglichen wir Kleinbauern in ärmeren Ländern ein Auskommen bei fairem Lohn», sagt Bruni Wicki. «So können die Menschen in ihrem eigenen Land bleiben.»

Die vier Leiterinnen plus zwei Aushilfen arbeiten hauptsächlich ehrenamtlich. Nur wenn der Umsatz es zulässt, zahlen sie sich eine kleine Entschädigung aus. Zudem unterstützt ein Kreis von rund 100 Vereinsmitgliedern und Gönnern das Projekt mit Geld und Taten.

Neue Mitarbeitende zu gewinnen, die ebenfalls unentgeltlich arbeiten, sei aber sehr schwierig, sagt Hophan. Die meisten jüngeren Frauen seien heutzutage berufstätig – anders als die Gründerinnen, die heute alle bereits im Pensionsalter sind.

Vom Marktstand zum Laden

Entstanden ist die Idee, in Rafz fair gehandelte Produkte anzubieten, im Rahmen des ökumenischen Weltgebetstags. Ab 1998 betrieb die Frauengruppe einen eigenen Stand am Rafzer Märt mit selbst gemachten Artikeln wie Konfitüre, Sirup und Zopf sowie solchen aus dem Claro-Sortiment. Den Erlös spendeten sie an Entwicklungsprojekte.

«Der Aufwand war riesig, der Ertrag bescheiden», blickt Maja Hophan zurück. Die Frauen bauten ihren Stand sogar dann noch fünfmal jährlich auf, als der Rafzer Märt bereits nicht mehr existierte. Im Jahr 2007 konnten sie ein bescheidenes Lokal an der Märktgass 9 mieten und zwei Jahre später ein paar Häuser weiter, in eine ehemalige Tierarztpraxis, umziehen.

Hier seien die Räumlichkeiten ideal, sagt Bruni Wicki. Der Hausbesitzer komme ihnen mit einem bescheidenen Mietzins entgegen. Neben fair gehandelten Lebensmitteln wie Kaffee, Reis, Gewürzen und Honig bietet das Geschäft auch Handwerk wie Schmuck und Keramik an sowie hierzulande gefertigte Spielsachen, Kerzen, Reinigungsmittel und Kosmetikartikel.

Grossverteiler eingestiegen

Dass auch die Grossverteiler immer mehr fair gehandelte Produkte in ihrem Sortiment führen, bekommt der Rafzer Claro Laden schmerzlich zu spüren. Sogar Spezialitäten wie Quinoa sind in den grossen Läden unterdessen erhältlich. «Das ist auch gut so», findet Maja Hophan.

Dennoch seien die kleinen Läden noch nicht überflüssig geworden: Der Anteil an nachweislich fair gehandelten Zutaten sei bei den Claro-Produkten höher als etwa bei solchen mit Max-Havelaar-Label, betont sie. Deshalb will das Team seinen Laden auch künftig mit viel Freude und Engagement führen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.05.2017, 17:41 Uhr

Über 40 Jahre fairer Handel

Warum ist eine Banane billiger als ein Apfel? Mit dieser Frage sensibilisierten die sogenannten Bananenfrauen aus Frauenfeld Anfang der 70er-Jahre die Bevölkerung für soziale und ökologische Missstände im Bananenanbau. Frauengruppen aus dem kirchlichen Umfeld begannen, Bananen mit einem Aufpreis zu verkaufen und den Erlös an soziale Projekte zu überweisen. Handelte es sich zu Beginn um gewöhnliche Chiquita-Bananen, importierten sie später selber solche aus Nicaragua. Zur gleichen Zeit kamen die legendären braunen Taschen mit dem Aufdruck «Jute statt Plastik» auf. Diese wurden von Frauen in Bangladesh produziert und avancierten zu einer Art Statussymbol einer ganzen Bewegung.

Der erste Weltladen öffnete 1974 in Uster. Nach der Gründung einer Importgesellschaft entstanden in der ganzen Schweiz immer mehr Geschäfte, die bald unter dem Namen Claro betrieben wurden. Heute sind es schweizweit über 100. Derjenige in Bülach gehörte zu den ersten und kann dieses Jahr ebenfalls auf ein 40-jähriges Bestehen zurückblicken.

Mit Ausgaben von 62 Franken pro Kopf und Jahr sind die Schweizer in Europa Spitzenreiter beim Kauf fair gehandelter Ware. Der Markt wächst jährlich um über 10 Prozent. Bei den Bananen stammen bereits über die Hälfte aus fairem Handel. Neben Lebensmitteln und Blumen sind auch Textilien im Aufwind. Erste Ansätze gibt es bei elektronischen Geräten. Fairer Handel könne viel bewirken, betont Philipp Scheidiger, Geschäftsführer der Dachorganisation Swiss Fair Trade. Für uns seien die Produkte meist nur unwesentlich teurer. «Doch Menschen in armen Ländern erhalten dadurch eine echte Chance, ihre Lebensbedingungen zu verbessern und eine menschenwürdige Existenz zu erreichen.»

Infobox

Jubiläums-Woche vom 8. bis 13. Mai. 10 Prozent Ermässigung auf täglich verschiedenen Produkten. Samstag, 13. Mai, 11.30 bis 14 Uhr, kleiner Imbiss. Claro Laden Rafz, Märktgasse 3. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 9bis 12 Uhr.

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