Bülach

Damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen

Wie man Bäume im Winter richtig zurechtstutzt, zeigten Othmar und Ueli Kern in ihrer Obstplantage im Weiler Nussbaumen. Ab diesem Jahr ist auch der neue Verein Transition mit dabei.

Wie man Obstbäume richtig schneidet, zeigte Othmar Kern den Teilnehmenden.

Wie man Obstbäume richtig schneidet, zeigte Othmar Kern den Teilnehmenden. Bild: Sibylle Meier

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Im verschneiten, ruhigen Weiler Nussbaumen trafen sich am Samstagmorgen 30 interessierte Bülacherinnen und Bülacher, um die Kunst der Baumpflege kennen zu lernen. Eingeladen zur Demonstration hatte Rolf Dietiker, seit 1995 Präsident des Gartenobstbauvereins (GOBV).

Obstbauer und Alt-Kantonsrat Othmar Kern stieg in seiner Obstanlage auf eine Leiter und zeigte an einem fünfjährigen Hochstamm-Apfelbaum, wie geschnitten werden soll. «In der Mitte schneiden wir den Mitteltrieb auf der gewünschten Baumhöhe ab. Die Seitentriebe müssen auf eine Pyramidenform zurückgeschnitten werden, damit wir Licht in den Baum hineinbringen», erklärte der Fachmann. Und er riet, beim Schneiden nicht zimperlich vorzugehen. Jedes Jahr sollten Obstbäume geschnitten werden, einmal im Winter vor dem Austreiben, und wenn nötig auch im Sommer. Der GOBV bietet auch Sommerschnitt-Kurse und Pfropf-Demonstrationen an.

Überdurchschnittliche Erntetrotz Trockenheit

Kern sprach auch die Obsternte im vergangenen Jahr an. Die Früchte reiften früher als üblich. Trotz der Trockenheit war die Ernte überdurchschnittlich. Das gab Probleme bei der Verwertung. Die Mostereien wurden mit Angeboten überschwemmt und konnten nicht alle berücksichtigen. Teilweise musste mostfähiges Obst vernichtet werden.

«Es ist eine Herausforderung, die richtigen Schutzmittel in der richtigen Dosis zur richtigen Zeit einzusetzen.»Ueli Kern

Sohn Ueli Kern lernte die Obstbaumpflege nach seiner Ausbildung als Landwirt in einem speziellen Kurs gründlich kennen. Er demonstrierte den Besuchern das Schneiden von Bäumen in einer Niederstamm-Plantage. Ausgerüstet war er mit einer elektrischen Baumschere, die auch mit dicken Ästen mühelos fertig wird. Die nötige Energie für die Schere trägt man in einer Batterie im Rucksack mit.

«Kleine Zweige darf man ruhig abbrechen», riet er. «Das ist für den Baum günstiger als abschneiden. Es werden dabei weniger Holzzellen verletzt». Und Ueli Kern machte auch auf die Problematik des Pflanzenschutzes aufmerksam: «Es ist immer wieder eine Herausforderung, die richtigen Schutzmittel in der richtigen Dosis zur richtigen Zeit einzusetzen.»

Winterschnitt sichertStabilität der Bäume

Seit 80 Jahren organisiert der GOBV Schnitt-Demonstrationen für Bäume und Sträucher. Das Schneiden von Obstbäumen ist unumgänglich, um gute Ernten zu erreichen und die Stabilität der Bäume zu sichern. Ein weiterer Winterschnitt-Kurs wird am Samstagmorgen, 9. Februar von neun bis elf Uhr im Bülacher Stadtgarten an der Rathausgasse/Poststrasse angeboten. Die beiden Schnittspezialisten Fredi Wintsch und Rolf Dietiker zeigen dort, wie Hochstammbäume richtig zu schneiden und zu pflegen sind.

Angeboten wird dieser zusätzliche Kurs erstmals vom neu gegründeten Verein Transition Bülach. Präsident Mathias Spicher war im Weiler Nussbaumen mit dabei und gab Informationen über die Ziele des Vereins Transition: «Wir wollen den Wandel in der Gesellschaft ins Bewusstsein bringen und den Herausforderungen unserer Zeit mit praxisorientiertem Aktivismus begegnen.»

«Wir wollen den Wandel in der Gesellschaft ins Bewusstsein bringen.»Mathias Spicher, Präsident Transition Bülach

Der Verein Transition (auf Deutsch: Wandel) schafft in der Stadt Bülach eine Plattform, um Ideen in Projekte umzusetzen. Die bisher knapp 100 Mitglieder vernetzen sich mit bestehenden Organisationen in Bülach unter dem Motto: «Bestehendes stärken und Neues ermöglichen». Die Idee zur Gründung des Vereins Transition hatte Mathias Spicher, Ingenieur für erneuerbare Energie. «Wir wollen Themen wie Konsum und Recycling, Ernährung und Garten, Freizeit und Kultur sowie Wohnen und Energie ansprechen, an morgen denken und heute handeln», beschreibt er die geplanten Aktivitäten des Vereins.

In der Hertibaracke am Gleis 1 beim Bahnhof Bülach finden Treffen statt, um Ideen zu sammeln. Neben dem Schnittkurs an Hochstammbäumen am 9. Februar plant der Verein Transition, im Herbst auch Ernte- und Verwertungskurse durchzuführen.

Weitere Infos im Internet auf: www.gobvb.ch sowie www.transition-buelach.ch

Erstellt: 13.01.2019, 16:07 Uhr

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