Oberweningen

Das Buhlen um die Stimmen beginnt

Gegner der geplanten Überbauung an der Wehntalerstrasse wollen viele Stimmberechtigte für die nächste Gemeindeversammlung mobilisieren. Der Gemeinderat begrüsst das.

Auf einem der Grundstücke, wo das Begegnungszentrum entstehen soll, steht heute das Asylzentrum.

Auf einem der Grundstücke, wo das Begegnungszentrum entstehen soll, steht heute das Asylzentrum. Bild: David Baer

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Ein Begegnungszentrum mit Wohnungen, einem Café und Platz für die Asylunterkunft soll die ehemalige Milchhütte inmitten von Oberweningen ersetzen. Am 12. September entscheidet die Gemeindeversammlung darüber, ob dieses ambitionierte Vorhaben an der Wehntalerstrasse voranschreiten soll. Der Gemeinderat, der die Pläne für die Überbauung lanciert hat, schrieb einen Wettbewerb zur Namensfindung aus und kürt heute die Gewinnerin. Eine Interessensgemeinschaft versucht aber, das Projekt zu verhindern.

«Eine Nummer zu gross»

«Wir sind der Überzeugung, dass ein Begegnungszentrum nicht das Richtige für Oberweningen ist und kein Bedürfnis in der Gemeinde besteht», teilen Vertreter der Interessengemeinschaft für die nachhaltige Nutzung der Baulandreserven, die anonym bleiben wollen, mit. Es sei nicht die Aufgabe des Gemeinderates, Wohnungen zu bauen und diese zu vermieten.

Gerade in Anbetracht der gegenwärtigen Wohnungssituation ist ein solches Projekt laut der IG zu risikobehaftet. Weil bereits heute über 170 Mietwohnungen im Umkreis von 5 Kilometern auf dem Markt sind, sähe man keinen Bedarf für weitere Wohnobjekte und zweifle an der Attraktivität einer solchen Überbauung.

«Wir sind der Überzeugung: ein Begegnungs-zentrum ist nicht das Richtige für Oberweningen.»Vertreter der IG

Wie ernst es der IG ist, merkt man an ihren Methoden: Sie liess eine Machbarkeitsstudie gemäss dem aktuellen Baugesetz durchführen. Diese zeigte, dass ein Begegnungszentrum über bis zu 3700 Quadratmeter mögliche Geschossfläche verfügen und Kosten im zweistelligen Millionenbereich mit sich ziehen würde - «eine Schuhnummer zu gross für Oberweningen», wie die IG findet.

Weiter vertritt man die Ansicht, die bestehenden Liegenschaften sollen weiter unterhalten und in der Baureserve der Gemeinde behalten werden. Diese könne man dafür in Zukunft für notwendige öffentliche Bauten benutzen. Stattdessen solle man das Bedürfnis nach Begegnungsflächen in der Gemeinde überprüfen und mithilfe von bestehenden Objekten decken.

Sichere Investition

Die IG hatte sich bereits bei der Ankündigung der ausserordentlichen Gemeindeversammlung über die Kommunikation des Gemeinderates und den Prozess der Entscheidungsfindung beschwert. Der Wettbewerb zur Namensfindung des Projektes liesse so auch den Eindruck entstehen, dass der Entscheid über die Überbauung bereits gefällt sei. «Wir hätten uns gewünscht, dass das Mitwirken der Steuerzahler bereits in der Bedürfnisabklärung möglich gewesen wäre und nicht nur bei der Namensfindung», sagen Vertreter der IG.

Der Gemeinderat von Oberweningen wehrt sich gegen diese Vorwürfe. «Die Aufgabe des Gemeinderates ist es sehr wohl, den Steuerzahlern Projekte zur Entwicklung und Förderung der Gemeinde zu präsentieren», sagt Gemeindepräsident Richard Ilg (parteilos). «Immobilien sind eine sehr sichere Investition und aus diesem Grund macht eine Überbauung mit diesem Verwendungszweck durchaus Sinn.»

Auch verteidigt Ilg den Wettbewerb zur Namensfindung: «Bei einem Projekt dieser Grösse wollen wir selbstverständlich auch die Bevölkerung miteinbeziehen. Ungeachtet dessen, ob das Begegnungszentrum angenommen wird, sollen die Bewohner von Oberweningen entscheiden dürfen, wie dieses heissen soll.»

Zahlreiches Auftreten

Im Juni reagierten verschiedene Akteure in Oberweningen auf die Projektankündigung und begannen sich zusammenzuschliessen. Mittlerweile hat die IG entschieden, möglichst viele Stimmberechtigte für die Gemeindeversammlung am 12. September zu mobilisieren um sich ein eigenes Bild zu machen. «Wir haben festgestellt, dass viele Stimmberechtigte in der Gemeinde gegen dieses Projekt zu sein scheinen», sagt eine Vertreterin der IG.

Die Pläne, die Liegenschaften neu zu nutzen, wurden vom Gemeinderat nach der gescheiterten Fusion der vier Wehntaler Gemeinden 2017 wieder aufgenommen. Weil nun eine Fusion mit der Gemeinde Schöfflisdorf im Raum steht, mahnt die IG davor, Baulandreserven zu verwenden, da sich die Bedürfnisse der Gemeinde in Zukunft ändern könnten.

«Bei einem Projekt dieser Grösse wollen wir selbstverständlich auch die Bevölkerung miteinbeziehen.»Richard Ilg, Gemeindepräsident Oberweningen

Laut Richard Ilg hat man jedoch bereits im Vorfeld geprüft, ob die Überbauung ein Hindernis für eine potentielle Fusion mit Schöfflisdorf darstellen würde. «Bevor wir das Projekt gestartet haben, haben wir das Gespräch mit dem Gemeinderat von Schöfflisdorf gesucht», betont er. «Wir alle sind zum Schluss gekommen, dass ein solches Begegnungszentrum mit einer zentralen Lage beiden Gemeinden nützen würde.»

Ein zahlreiches Auftreten von Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung empfindet er als gut: «Aufgrund der Wichtigkeit des Projektes werden wir etwa zwei Wochen vor der Gemeindeversammlung einen Flyer in jeden Briefkasten in Oberweningen verteilen, mit dem Ziel, möglichst viele Stimmberechtigte anzusprechen. Es würde uns sehr freuen, wenn möglichst viele Bürgerinnen und Bürger kommen würden.»

Erstellt: 21.07.2019, 15:37 Uhr

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