Abwasser

Das Rafzerfeld muss sein Abwasser dosieren

Immer dann, wenn es im Rafzerfeld mal stärker regnet, fliesst zu viel Abwasser über die Landesgrenze nach Hohentengen zur Klärung – und das seit Jahren. Jetzt müssen die vier Dörfer ihr System anpassen. Mit digitaler Fernsteuerung.

Die Gemeinden im Rafzerfeld haben zu viel Dreckwasser nach Deutschland fliessen lassen (Symbolbild).

Die Gemeinden im Rafzerfeld haben zu viel Dreckwasser nach Deutschland fliessen lassen (Symbolbild). Bild: Keystone

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Einst haben die Wasterkinger, Wilemer, Hüntwanger und Rafzer ihr Abwasser selber geklärt – mit ihren jeweiligen dorfeigenen Abwasserreinigungsanlagen. Doch seit den 1990er-Jahren übernimmt die Kläranlage im deutschen Hohentengen diese Aufgabe; nicht nur fürs Rafzerfeld, auch für Weiach, Fisibach, Kaiserstuhl und für die Hohentengener selbst.

Die 1982 in Betrieb genommene Anlage wurde 1994 erweitert, ist heute auf 15 800 Einwohner ausgelegt und reinigt pro Jahr 1,5 Millionen Kubikmeter Abwasser.Für die Dienstleistung hat das Rafzerfeld mit Hohentengen einen Vertrag abgeschlossen. In diesem Papier ist auch die Maximalmenge an Schmutzwasser festgelegt, die nach Hohentengen geleitet werden darf: 125 Liter pro Sekunde.

Dabei spielt es für die Kläranlage letztlich keine Rolle, aus welchem der Dörfer wie viel Abwasser kommt. Vielmehr gibt es eine gemeinsame Leitung, den Sammelkanal, der mehr oder weniger parallel zum Landbach durch die vier Dörfer verläuft und dann bei Wasterkingen die Schweiz verlässt.

«Wir schöpften die 200 Liter einfach aus»

An trockenen Tagen, wie sie jetzt im Sommer häufig vorkommen, funktioniert das System bestens. Aber es gibt ein Problem: Sobald es einmal richtig regnet, fliesst zu viel Wasser nach Deutschland ab. Der zuständige Bauingenieur Roland Schneider aus Hüntwangen erläutert das Problem: «Im Hinblick auf das mögliche weitere Siedlungswachstum im Rafzerfeld hat man den Sammelkanal damals grösser gebaut als nötig gewesen ist. Die Leitung hat eine Kapazität von rund 200 Litern in der Sekunde.»

Wenn es etwas länger oder heftiger regnet, wird die vertragliche Menge relativ bald überschritten – denn es gibt keinen Mechanismus, der den Abfluss einschränken würde. «Wir schöpfen die 200 Liter, die die Leitung schluckt, ganz einfach aus.» Für den Fall, dass es weiter regnet, existieren Regenrückhaltebecken, in denen das Abwasser zwischengespeichert werden kann. Sind auch diese voll, überläuft die Mischung aus Regen- und Abwasser (Mischabwasser) direkt in den Landbach, ohne jegliche Feststofffilterung.

Mehr zurückhalten, geregelt weiterleiten

Das jedenfalls war die bisherige Praxis. So kann es aber nicht weitergehen. Nicht nur weil künftig die mit Hohentengen vertraglich ausgehandelten 125 Liter eingehalten werden sollen, sondern auch, weil die Rückhaltebecken, die heute bestehen, insgesamt zu wenig Kapazität haben. Der Landbach bekommt zu viel belastetes Wasser ab und diese Tatsache hat nicht zuletzt das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) auf den Plan gerufen.

Das Fazit der Abklärungen: Das Abwassersystem fürs Rafzerfeld muss neu aufgestellt und die Anlagen dem heutigen Stand der Technik angepasst werden. «Dabei gibt es mehrere Massnahmen, die die Gemeinden nun umsetzen müssen», sagt der Rafzer Gemeinderat Markus Berger, der auch Einsitz im Vorstand des Abwasserverbands Rafzerfeld hat. Zunächst sollen die Dörfer das Gesamtvolumen ihrer Regenrückhaltebecken erhöhen.

Wenn das ganze Projekt umgesetzt ist, was planmässig Ende 2019 der Fall sein wird, soll es rund 1500 Kubikmeter an Rückhaltekapazität geben. Der Gemeinderat Rafz hat im Frühjahr einen Kredit von 1,5 Millionen Franken für den Neubau eines Beckens gesprochen, mit dem allein das grösste Rafzerfelder Dorf seine Kapazität auf rund 1000 Kubikmeter verdoppeln wird. In Wasterkingen sollen in die «Ausrüstung und Ertüchtigung» des bestehenden Beckens 642 000 Franken gesteckt werden.

Der Sammelkanal aus den vier Rafzerfelder Gemeinden fliesst über die Grenze nach hohentengen (Quelle: ©swisstopo (JM100004), Grafik: da)

Die Anpassungen gehen aber über Neubau, Ausbau und Sanierungsarbeiten hinaus. So soll eine neue digitale Regulierungstechnik, die in jedem Becken verbaut wird, künftig dafür sorgen, dass immer die optimale Abwassermenge durch den Sammelkanal abfliesst. «Die Schieber an den jeweiligen Becken werden von Hohentengen aus gesteuert», sagt Roland Schneider.

«Stellen Sie sich folgende Situation vor: In Rafz regnet es gerade in Strömen, in Wasterkingen schon wieder weniger stark. Das System merkt nun, welches Rückhaltebecken am stärksten belastet ist und leitet dann zuerst von dort Wasser ab. Dabei werden die Schieberegler in den vier Dörfern immer so weit geöffnet, dass durch den Sammelkanal 125 Liter pro Sekunde fliessen.» Dynamische Steuerung heisst das. Und für den Fall, dass auch nach dem neuen System noch Wasser in den Landbach überläuft, werden alle Becken mit Feststofffiltern ausgestattet. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.07.2018, 17:16 Uhr

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