Bülach

Das SBB-Piano hält in Bülach

Seit April touren vier Klaviere in der Schweiz von Bahnhof zu Bahnhof und laden Wartende, Reisende oder Angestellte ein, einfach unbeschwert draufloszuklimpern. Noch bis Juni stehen sie in Basel, Münsingen und Genf – und in Bülach.

Egal wie gut man spielt - zum Musizieren ist jedermann angehalten.
Video: Michael Caplazi

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Eben erst hat der Klavierstimmer sein Werkzeug eingepackt und ist im Bülacher Bahnhofkiosk verschwunden. Alice Németh zögert etwas, schaut fast verstohlen nach links und rechts. Dann setzt sie sich aber doch auf den Pianostuhl und spielt los. Schubert, ein «Impromptu», da und dort ­etwas langsam im Tempo, aber ganz ordent­lich. «Ich warte hier auf meinen Freund», sagt die ­junge Ungarin. Das Klavierspiel sei ihr Hobby – und ja, dass hier ein Instru­ment einfach so mitten auf dem Bahnhofareal stehe, das habe sie schon zur spontanen Darbietung inspiriert.

Das Klavier des japanischen Herstellers Kawai gehört dem Berner Musikhaus Krompholz und ist Teil der Aktion «Treffpunkt Bahnhof-Piano», genauso wie die rote Stellwand mit der Aufforderung «Lassen Sie den Bahnhof mit Musik erklingen!». Bis am 10. Juni soll es in Bülach stehenbleiben, gemäss SBB ist vorgesehen, dass es vom 18. bis 23. Mai die Passanten am Zürcher Hauptbahnhof beglückt, dann soll es zurück an den Bezirkshauptort kommen. Drei weitere Klaviere sind derzeit in Genf, Basel­ und Münsingen stationiert. Bis die Aktion im März 2019 ausläuft, soll noch eine Reihe von Bahnhöfen berücksichtigt werden, das Unterland ist dabei aber nicht mehr vertreten.

Vor zehn Jahren hat der britische­ Künstler Luke Jerram 15 alte Klaviere in Birmingham auf öffent­lichen Strassen und Plät­zen aufstellen lassen, bezeichnete das Ganze als Kunstinstallation und gab ihr den Titel «Play Me, I’m Yours» (übersetzt etwa «Spiel auf mir, ich gehöre dir»). Ein Klavier, das für alle Passanten frei zugänglich ist, einfach so da steht und zu pianistischen Einlagen verleitet. Dieser poetische Gedanke kam bei den Leuten an – alsbald kursierten Youtube-Videos von talentierten Hobbypianisten, von süssen Kindern, die «Alle meine Entchen» oder dergleichen intonierten – aber auch Valentina Lisitsa war sich nicht zu schade, auf einem «Street Piano» eine «Ungarische Rhapsodie» von Franz Liszt zu spielen.

Rund um den Globus ist Jerrams Idee in mehr als 50 Städten in die Tat umgesetzt worden. In der Schweiz war Genf schon einmal Austragungsort des Projekts «Play Me, I’m Yours». Derweil ist der Gedanke adaptiert worden. In Winterthur etwa hat ein Gemeinderat dieselbe Aktion 2017 als Statement umgesetzt – um Winti als Kulturstadt zu promoten.

«Den Alltag durchbrechen»

Mit «Treffpunkt Bahnhof-Piano» haben die Bundesbahnen als Unter­nehmung das Konzept für sich entdeckt. Ein erster Versuchsballon der Aktion im November 2017 sei auf durchgehend positive Rückmeldungen gestossen. «Wir haben überraschend viele Rückmeldungen und Bitten von Kunden erhalten», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Sie wünsch­ten, dass das Piano zurückkommen soll.» Diesem Wunsch habe man nun entsprochen. «Mit der Aktion wollen wir den Passanten eine kleine Freude machen. So wie sie weltweit beliebt ist, um gute Stimmung zu verbreiten und den Alltag etwas zu durchbrechen.»

Dass Bülach den Zuschlag erhielt, hat übrigens nichts mit den Räumlich­keiten der Musikschule am Bahn­hof zu tun. «Es sollen nicht nur grosse Bahnhöfe in den Genuss des Pianos kommen, sondern auch die kleineren», sagt Pallecchi. Bei der Auswahl des Standorts müssten mehrere Punkte berücksichtigt werden, so auch freie Fluchtwege, ungehinderte Passantenströme oder der Abstand zum Perron. Auch das habe für Bülach gesprochen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 17.05.2018, 11:22 Uhr

Infobox

Die Karteder Klavier-Standorteder SBB über www.sbb.ch/piano.

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