Regensdorf

Das Thema Tiefenlager liess keine Emotionen hochkommen

Die Nagra bohrt auf der Suche nach einem Tiefenlager ab April im Zürcher Unterland. An einem Podium gab es dazu viele Informationen und erstaunlich wenig Kontroversen.

In wenigen Wochen gehts los mit Nagra-Bohrungen im Zürcher Unterland.

In wenigen Wochen gehts los mit Nagra-Bohrungen im Zürcher Unterland. Bild: Keystone

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In einem Monat legt die Nationale Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) in Bülach mit der ersten Tiefbohrung los. Das ist der Auftakt zu einer ganzen Serie von Bohrungen in den möglichen Standortregionen Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost. Für radioaktive Abfälle hätte es in allen drei Regionen Platz. «Tiefenlager im Zürcher Unterland?»: Zu diesem Thema organisierte die FDP eine Podiumsdiskussion in Regensdorf.

Beatrix Stüssi (SP, Niederhasli), Christian Lucek (SVP, Dänikon), Barbara Franzen (FDP, Niederweningen), und Robert Brunner (Grüne, Steinmaur), allesamt Mitglieder des Kantonsrats, sind sich grundsätzlich einig: Zur sicheren Lagerung dieser Abfälle braucht es Tiefenlager. Lucek führte die Ethik ins Feld: «Wir sind dies den künftigen Generationen schuldig.» Tiefenlager seien nach dem heutigen Stand der Wissenschaft die sicherste Lösung, hielt Stüssi fest. Sie sei aber der Ansicht, dass man diese nicht definitv verschliessen dürfe: «So halten wir Optionen für künftige Generationen offen.» Brunner attestierte der Nagra seriöse Arbeit und Kommunikation: «Das ist auch die Folge des anfänglichen Widerstands.»

Lieber nicht vor der Tür

Als Mitglied der Regionalkonferenz Lägern zitierte Barbara Franzen aus einer sozioökonomischen Studie: «Die Menschen leben gerne im Unterland, daran würde ein Tiefenlager nichts ändern.» Es sei aber schon so, dass man ein solches Lager nicht just vor der eigenen Haustüre wolle. «Wenn der Standort mal bekannt ist, muss man die Menschen in der Region sehr gut begleiten», sagte sie. «Dann wird es heisse Diskussionen geben, denn dann ist es real.» Auch Stüssi sieht das Problem beim späteren Betrieb: «Da sind ganz viele Sachen noch nicht geklärt, zum Beispiel die Anlieferung.» Der Kanton nehme seine Rolle als kritischer Begleiter und Interessensvertreter der Gemeinden schon heute wahr, betonte Franzen. «Und wenn es dann um die Fragen an der Oberfläche geht, wird diese Rolle sicher noch aktiver.»

Uneins war man sich bei der finanziellen Entschädigung der künftigen Standortgemeinden. Während Brunner fürchtet, dafür werde die Axpo dereinst keine Mittel mehr haben, erachtete Lucek diese Diskussion für verfrüht. Das werde ja erst in rund 50 Jahren zum Thema. Einig sind sich die beiden Kantonsräte aber, dass die Entschädigungsfrage keinen Einfluss auf die Standortwahl haben darf.

Die Rolle des Nachbarn

Moderator Silvio Seiler sprach Franzen auf die Rolle der deutschen Nachbargemeinden an. Diese versuchten sehr aktiv Einfluss zu nehmen, und bisweilen fehle es dabei am Verständnis für die politischen Prozesse in der Schweiz, sagte Franzen.

Brunner brachte dafür Verständnis auf: «Die Gemeinden ennet der Grenze versuchen sich als Tourismusregion neu zu erfinden, da passt ein Endlager schlecht.» Er könne dieses Mitleid nicht teilen, sagte Lucek. «Die süddeutschen Gemeinden profitieren von der Schweiz, wo sie können, zum Beispiel vom Flughafen, aber sie werden nicht müde, uns Steine in den Weg zu legen.» Es sei ein schweizerisches Verfahren: «Wir müssen uns da nicht reinreden lassen.»

Wie lange dieses Verfahren noch dauern wird, hatte zuvor Markus Fritschi, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsleitung Nagra den 25 Personen im Publikum aufgezeigt: «Das Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle geht voraussichtlich im Jahr 2050 und jenes für hochaktive Abfälle im Jahr 2060 in Betrieb.»

Ein langer Weg

In seinem Inputreferat zeigte er den Weg dorthin auf. Gleich zu Beginn hielt er fest:«Es besteht ein internationaler Konsens, dass Tiefenlager die einzige nachhaltig sichere Lösung für die Lagerung radioaktiver Abfälle sind.» Die heute praktizierte oberflächliche Aufbewahrung sei das nicht. Die nun beginnenden Tiefbohrungen dienten dazu, das geologische Gesamtbild der Standortregionen zu vervollständigen. Das ermögliche die wissenschaftlich begründete Wahl der sichersten Tiefenlagerstandorte. Frühestens 2022 könne die Nagra bekanntgeben, für welche Standorte sie ein Rahmenbewilligungsgesuch einreichen wird. Mit einem Bundesrats- und allfälligen Volksentscheid sei nicht vor 2031 zu rechnen: «Erst dann können Baugesuch und Betriebsbewilligung ausgearbeitet werden.»

Erstellt: 07.03.2019, 17:16 Uhr

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