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Dem Lotsendienst droht das Ende

Mit Leuchtweste und Kellen stehen die Verkehrslotsinnen bei Wind und Wetter am Zebrastreifen in Dällikon und helfen den Kindern über die Strasse. Nun steht dieser Lotsendienst aber kurz vor dem Aus. Der Grund: Es finden sich keine Freiwilligen mehr.

Jeden Morgen und Mittag führen die Verkehrslotsinnen, im Bild Franziska Rüegg, die Kinder sicher über die Strasse.
Jeden Morgen und Mittag führen die Verkehrslotsinnen, im Bild Franziska Rüegg, die Kinder sicher über die Strasse.
Balz Murer

Die Dänikerstrasse ist besonders in den Morgenstunden und über Mittag stark frequentiert. Um den Kindern ein sicheres Überqueren der Strasse zu gewährleisten, sind in Dällikon Verkehrslotsinnen im Einsatz. Sie stehen morgens von 7.50 bis 8.30 Uhr und mittags von 11.50 bis 12.10 Uhr bei der Strassenüberquerung zur Bäckerei Keller. Zusätzlich am Dienstag- und Donnerstagnachmittag. Dieses Angebot besteht in Dällikon seit 36 Jahren – nun droht ihm das Ende.

Bedauern auf allen Seiten

Eine der zurzeit drei im Einsatz stehenden Lotsinnen ist Franziska Rüegg. Sie organisiert die Ein­sätze und steht auch immer wieder selber an der viel befahrenen Strasse. Doch der Personalmangel macht ihr das Leben schwer. «Die Einsatzpläne lassen sich nur noch schwer erarbeiten, es ist schwierig, alle Zeiten abzudecken», sagt sie. So liesse sich der Lotsendienst oft nur schwer mit dem Job verein­baren.

«Die Einsatzpläne lassen sich nur noch schwer erarbeiten, es ist schwierig, alle Zeiten abzudecken.»

Franziska Rüegg, Lotsin

Sie und ihre Kolleginnen haben deshalb beschlossen: Melden sich kurzfristig nicht doch noch zusätz­liche Freiwillige, wird der Dienst nach den Sportferien eingestellt. Grundsätzlich liegt der Schulweg nämlich in der Verantwortung der Eltern. Trotzdem bedauern sowohl Schulpflege wie auch -leitung die drohende Abschaffung.

Interesse ja, Engagement nein

Auch in der Bevölkerung wird der Lotsendienst geschätzt. Franziska Rüegg stellt das Projekt jeweils an einer Infoveranstaltung für die Eltern von Kindergärtlern vor und stösst dabei stets auf grosses Interesse. «Wenn es aber darum geht, wer sich wirklich engagieren will, höre ich meist nichts mehr», sagt sie. Trotzdem hat sie die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Eine mögliche Interessentin habe sich bereits gemeldet.

Doch das reicht noch nicht. Optimal wäre ein Team aus mindestens fünf Personen. «Wir suchen zuverlässige und wetterfeste Personen, die einen guten Umgang mit den Kindern pflegen», sagt sie. Obwohl bis jetzt immer Frauen im Einsatz standen, seien natürlich auch Männer herzlich willkommen. Pro Einsatz werden die Lotsen von der Gemeinde mit 10 Franken entschädigt.

Nur dort, wo es Sinn macht

Ins kalte Wasser wird übrigens niemand geworfen. Vor ihrem ersten Einsatz bekommen die Interessierten eine professionelle In­struktion. Denn für das Einrichten eines Lotsendienstes ist die Be­willigung der Kantonspolizei notwendig. Bei der Schulung durch den Verkehrsinstruktor werden die künftigen Lotsen über die gesetzlichen Grundlagen orientiert. Weiter werden unter anderem die Zeichengebung und der Umgang mit Kindern trainiert.

Wie der zuständige Verkehrsinstruktor Wolfgang Wicki erklärt, sind Lotsendienste aber gar nicht überall sinnvoll. «Lotsendienste machen Sinn an Orten, wo die Erwartungen an Fussgängerstreifen nicht den neusten Anforderungen genügen oder vorübergehende Einschränkungen wie Baustellen gegeben sind.» Ansonsten plädiere die Kantonspolizei aber für die Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder. «Selbstständige und selbstsichere Kinder werden auch verantwortungsbewusste Verkehrsteilnehmer», betont er.

Die konkrete Situation in Dällikon beurteilt er als nicht ganz einfach. «Die Anforderungen an den Fussgängerstreifen sind nur knapp genügend.» Vor allem für die Kleinsten sei die Sichtweite Richtung Kreisel grenzwertig. Von da her sei der Lotsendienst sicher gerechtfertigt.

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