Kirchenfusion

Gemeinsam gegen leere Kirchen

Rund 50 Personen liessen sich am Dienstag in der reformierten Kirche Bassersdorf über eine Fusion mit Lindau und Brütten informieren.

In der reformierten Kirche Basserdorf gibt es keinen grundlegenden Widerstand gegen die Fusionspläne. Foto: Daniel Zannantonio/Archiv

In der reformierten Kirche Basserdorf gibt es keinen grundlegenden Widerstand gegen die Fusionspläne. Foto: Daniel Zannantonio/Archiv

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Die Aussichten für die Landeskirchen sind düster. In Bassersdorf geht der Vizepräsident der reformierten Kirchgemeinde, die seit jeher mit Nürensdorf verbunden ist, von einer regelrechten Erosion des Kirchenvolkes aus. «Bis in zehn Jahren wird die heutige Mitgliederzahl um weitere 25 Prozent sinken», erklärte Daniel Brunner an einer Bevölkerungsinformation in der halbleeren Kirche. Falls diese Prognose zutrifft, dann bedeutet das, die Kirchgemeinde «Basi-Nüeri», wie man sich dort kurzum nennt, würde bis 2029 über 1300 der aktuell knapp 5300 Mitglieder verlieren.

Damit verbunden gingen auch entsprechende Steuereinnahmen zurück. Letzterer Punkt schmerzt ganz konkret, denn ohne Geld, wird es künftig auch keine Pfärrer, keine kirchliche Seelsorge, Jugendangebote oder etwa Kulturveranstaltungen mehr geben in den Kirchen der betroffenen Gemeinden. «Was sollten wir tun? – Man kann ja die Kirchen nicht einfach schliessen und aufhören», sagte Vizepräsident Brunner, der auch für die Finanzen der Kirchgemeinde Basi-Nüeri zuständig ist.

«Was sollten wir tun? – Man kann ja die Kirchen nicht einfach schliessen und aufhören.»Daniel Brunner

Das Szenario erschreckte manch einen der rund 50 Besucher des Informationsanlasses am Dienstagabend. «Es ist schon verrückt», meinte SVP-Ortspräsident Dieter Scheuermeier in Richtung der Kirchenverantwortlichen, «ihr macht hier so viele tolle Sachen und die Leute interessieren sich einfach nicht». An den «lächerlichen Kirchensteuern» könne es doch nicht liegen, dass so viele Leute aus der Kirche austreten. Man müsste den Exodus irgendwie stoppen können, war man sich im Grunde einig. Doch wie? – «Wenn wir das wüssten, sässen wir heute nicht hier», entgegnete die lokale Kirchenpräsidentin Rahel Rageth. Dem Szenario von ausgestorbenen Kirchen will man nun gemeinsam begegnen, damit sich dieses Schreckgespenst möglichst nicht in der eigenen Kirchgemeinde niederlassen kann.

Bis Mitte 2022 vereint

Der Plan ist einfach: Die reformierten Kirchgemeinden Bassersdorf-Nürensdorf, Lindau und Brütten sollen zusammenspannen. «Fusion» erschien einem Besucher als zu harter Ausdruck. Es sei ja nicht so, dass ein Grosser einen Kleinen schlucke. Das bestätigte auch die Mitglieder der Steuergruppe, der auch Brüttens Kirchgemeindepräsident Martin Egli angehört. Er erklärte sodann, worum es geht.

So sollen die drei heutigen Kirchgemeinden per Mitte 2022 vereint sein in einem Konstrukt, mit einer neunköpfigen Kirchenpflege (statt total 21 Personen wie heute), mit einer zentralen Verwaltung, die in Nürensdorf angesiedelt würde und mit allen bisherigen Angestellten. Es könnte einen Kirchgemeindeschreiber geben, der sowas wie einer Geschäftsleitung vorsteht. Wobei noch geklärt werden müsse, ob das Sinn mache, hörte man. Diese vielleicht allzu mächtige Position einer einzelnen Person im Organigramm, stiess nämlich auf Kritik. Die gemeinsame Administration dürfte jedenfalls eine Kostenreduktion bringen. Doch grosse Beträge könnten vorläufig (noch) nicht eingespart werden, wurde ehrlicherweise auch eingeräumt.

Weiterhin sechs Pfärrer

Die neue, grosse Gemeinde hätte aber mehr Gestaltungsmöglichkeiten, mehr gemeinsames Austauschpotenzial, wurde argumentiert. Auch zwischen den Pfärrern, von denen, wie bisher, total sechs im Gebiet tätig sein werden. Ohne Fusion würde über kurz oder lang eine empfindliche Reduktion der Pfarrstellen drohen.

Aber wieso man jetzt überhaupt fusionieren wolle, wo doch viele gleich bleibe, fragte jemand. «Wir müssen nicht zwingend fusionieren», konterte Pierre-Louis von Allmen, der Nürensdorfer Pfarrer, der auch zur Steuerungsgruppe gehört. Aber zusammen habe man einfach mehr zu bieten, könne mehr machen, was sonst allein nicht mehr möglich wäre. Für Basi-Nüeri sei der Druck von der kantonalen Kirchenführung aber derzeit noch nicht so gross. Das dürfte sich bald ändern, gab Kirchgemeindepräsidentin Rageth jedoch zu bedenken. Wenn nicht bis zu den nächsten Wahlen, dann spätestens bis zu den übernächsten. Deshalb ist für sie klar, dass ein Zusammenschluss von Basi-Nüeri, Lindau und Brütten ab 2022 das Beste wäre. Im nächsten Frühling wird an der Urne darüber abgestimmt.

Erstellt: 25.09.2019, 17:04 Uhr

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