Dällikon

Den Maler mit Bitcoins bezahlen

Digitale Währungen sind auch in der Region angekommen und werden zunehmend als Zahlungsmittel akzeptiert. Der 39-jährige Maler Swen Weber ist davon überzeugt, dass das System Zukunft hat – doch auch er hat bereits mit den Fall-stricken des Investments Bekanntschaft gemacht.

Wenn er nicht am Computer über Währungskursen und Artikeln über Kryptowährungen brütet, arbeitet Swen Weber als Maler.

Wenn er nicht am Computer über Währungskursen und Artikeln über Kryptowährungen brütet, arbeitet Swen Weber als Maler. Bild: Francisco Carrascosa

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Den grossen Teil seines Alltags ist Swen Weber von Pinseln, Farbrollen und Eimern umgeben. Derzeit arbeitet der 39-jährige und seit 13 Jahren selbständige Maler an einem Einfamilienhaus in Dällikon, normalerweise gehören vor allem Verwaltungen und Versicherungen zu seinen Arbeitgebern. Nur vier kryptische Logos, die auf der linken Brustseite seines weissen Anzuges angenäht sind, lassen vermuten, dass er ein Maler er etwas anderen Art ist: Es sind die Markenzeichen von Ethereum, Dash, Bitcoin und Litecoin.

Das sind keine Namen von Musikgruppen, sondern von sogenannten Kryptowährungen, digitalen Währungen also – und wer sie besitzt, kann Weber damit für seine Dienstleistungen entlöhnen. Der Maler nutzt in seinem Alltag Technologien, die noch längst nicht jeder und jedem vertraut sind. Als er an seinem Eistee nippt und davon erzählt, wird der Zuhörerin durch seine eloquente und geschwinde Art, mit Tech-Begriffen zu fachsimpeln, seine Begeisterung für Kryptowährungen schnell klar. «Sie sind die Zukunft», betont er mehrere Male.

«Du bist deine eigene Bank»

Im Mai vergangenen Jahres hat Weber sich erste Bitcoin-Anteile gekauft. «Seither bin ich von diesem neuen Universum besessen», sagt er. Ein Kollege war im März eingestiegen, Bis Ende Mai hatten seine Münzen schon 150 Prozent des vorherigen Wertes. Darauf ist auch Weber auf den Krypto-Zug aufgesprungen. Davor habe ihn die Wirtschaft nicht gross interessiert. «Digitale Währungen werden jedoch nicht von Banken reguliert. Die Macht über sie liegt bei jenen Menschen, die am System teilnehmen. Du bist quasi deine eigene Bank.»

«Digitale Währungen werden nicht von Banken reguliert. Die Macht über sie liegt bei jenen Menschen, die am System teilnehmen. Du bist quasi deine eigene Bank.»Swen Weber

Dieses demokratische Moment und die Freiheit, die damit einhergeht, habe ihn gepackt. «Und das beste daran: Durch die Blockchain ist alles gesichert, ein Betrug ist so gut wie ausgeschlossen.» Wieder ein Begriff, den man hinterher nachschauen muss (siehe Artikel unten). Inzwischen kennt sich Weber mit verschiedenen Coins aus und besitzt von deren vieren Anteile. Täglich verfolgt er die – oft stark schwankenden – Kurse.

Diese Schwankungen weisen für einige Experten darauf hin, dass die Krypto-Blase demnächst platzt. Weber sieht dies auch, aber: «Gerade diese Bubble hat mich dazu veranlasst, die Bezahlung über Kryptos abwickeln zu lassen.» Das sagt er auch vor dem Hintergrund, dass er selber schon einen Dämpfer erlebt hat. Anfang September stieg der Bitcoin-Kurs kurzzeitig auf beinahe 5000 Dollar – danach fiel er innert weniger Wochen um 40 Prozent. «Das war eine harte Lehre», weiss Weber jetzt.

Ein Restrisiko bleibt

Bis jetzt haben ihn zwar noch keine Kundinnen und Kunden mit Bitcoin oder Litecoin bezahlt. «Ich habe im Moment wenige Ansprechpartner – aber ich sehe das so, wie es vor 20 Jahren mit dem Internet war. Das ist heute für die allermeisten selbstverständlich. Und auch den Aufstieg von Facebook hätte vor zehn Jahren niemand vermutet.» Darauf zitiert Weber Studien, denen gemäss bis ins Jahr 2027 alle grossen Firmen mit Blockchains arbeiten.

Bleibt eine letzte Frage: Wird man mit Kryptowährungen so reich, wie es einige Artikel versprechen? «Während sich der Bitcoin zwischen 0.00013 und 20 000 Dollar bewegte, hat es viele Gewinner gegeben», lautet Webers kurze Antwort. In der Zeit des Aufblühens sei es schwierig, grosse Verluste zu machen, «aber klar: ein Restrisiko bleibt immer.» Ihm selber gehe es aber auch nicht um den grossen Wurf neben der Arbeit als Maler. «Ich will mein Geschäft halten und einen kleinen Zusatzverdienst machen. Und wenn ich damit eine innovative Idee unterstütze, ist das umso besser.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 18.01.2018, 16:58 Uhr

Artikel zum Thema

Mit Bitcoins kann in der Region kaum bezahlt werden

Geld Bitcoins sind momentan das grosse Gesprächsthema. Im Unterland wird man das digitale Geld aber nur schwer los und kaufen kann man die Kryptowährung nur an den Billettautomaten der SBB. Mehr...

Jetzt nochmals langsam: Was sind Bitcoins?

Aus der Unterwelt des Internets sind Kryptowährungen – allen voran Bitcoins – in den letzten Monaten ganz nach oben auf die öffentliche Agenda gestiegen. Dennoch ist es nicht einfach, sich einen Überblick zu verschaffen; deshalb hier die wichtigsten Begriffe, Fragen und Antworten.

Bitcoin steht für eine digitale Währung. Mit ihr wird ein Geldsystem möglich, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert und günstiger und schneller ist als bisherige Transaktionen. Dies, weil ­Bitcoins direkt zwischen den Nutzern gehandelt werden, also ohne die Plattform einer Bank.

Blockchain bezeichnet eine Liste von Datensätzen (Blöcken), die über eine Verschlüsselung miteinander verkettet sind. In der Blockchain werden – wie in der normalen Buchhaltung – alle Bitcoin-Transaktionen verzeichnet. Sie ist für alle einsehbar.

Kryptowährung ist ein Sammelbegriff für digitale Währungen. Krypto bedeutet, dass Prinzipien der Verschlüsselung angewendet werden, um das Zahlungssystem möglichst sicher zu machen. Dazu gehören Bitcoin, Ripple, Ethereum, Lite­coin und rund 1400 weitere.

Mining bezeichnet das Erzeugen von neuen Blöcken, die der Blockchain hinzugefügt werden. Kurz gesagt verarbeitet ein Miner bereits abgelaufene Transaktionen und erhält im Austausch dafür neue Bitcoins. Dies ist jedoch mit sehr komplexen Rechenaufgaben für den Computer verbunden und benötigt viel Energie – und je mehr Personen diese Arbeiten erledigen, desto schwieriger werden die Rechnungen.

Wallet heisst eine spezielle Software, die jede Nutzerin und jeder Nutzer braucht, um mit Bitcoins zu handeln. Das Wallet steht sinnbildlich für ein Portemonnaie oder auch eine Kreditkarte und speichert den Wert der vorhandenen Coins.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben