Flughafen

Den Zürcher Flughafen lockt der Gewinn im Fernen Osten

Zwischen 10 und 15 Prozent ihres Gewinns soll die Flughafen Zürich AG künftig im Ausland erwirtschaften. Das ist die Strategie, wie sie Finanzchef Lukas Brosi darlegt. Dafür sucht man jetzt auch in Asien nach Flughäfen, in die man investieren könnte.

Die Flughafen Zürich AG streckt im Bestreben nach Wachstum ihre Fühler nun Richtung Asien aus.

Die Flughafen Zürich AG streckt im Bestreben nach Wachstum ihre Fühler nun Richtung Asien aus. Bild: Keystone

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Es ist der letzte Abschnitt des Halbjahresberichts 2018: «Internationale Aktivitäten». Im Bestreben nach Wachstum investiert die Flughafen Zürich AG schon seit längerem in Airports im Ausland. In Lateinamerika etwa ist sie derzeit bei sechs Flughäfen finanziell und mit Manpower engagiert (siehe rechts). Und jetzt streckt sie ihre Fühler in Richtung Asien aus. Dafür hat die Flughafenbetreiberin jüngst die bislang drei Stellen umfassende Tochterfirma «Zurich Airport Asia Consultancy» gegründet. Diese hat in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur ein Büro («Regional Office») eingerichtet und soll nun gemäss Bericht «die Expansion koordinieren und Marktchancen gezielt wahrnehmen».

Wie Lukas Brosi, der Chief Financial Officer der Flughafen Zürich AG kürzlich in einem Bericht der «Aargauer Zeitung» ausführte, prüfe man derzeit eine Bewerbung auf den Philippinen. Konkret soll dort der Militärflughafen Clark nahe der Hauptstadt Manila privatisiert werden, um den Flughafen der Metropole zu entlasten. Man stehe aber nicht unter Zeitdruck, liess sich Brosi zitieren. Primär sei man auf der Suche nach Projekten in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. «Nebst einer finanziellen Minderheitsbeteiligung in zwei bis dreistelliger Millionenhöhe möchten wir vor allem unser Know-how einbringen für den Betrieb oder die kommerzielle Entwicklung der Flughäfen.»

Indien bleibt interessant

Abgesehen von Clark sind bisher keine konreten Städte- oder Flughafennahmen gefallen. «In Asien haben wir verschiedene Fokusmärkte definiert», sagt Flughafen-Mediensprecher Philipp Bircher, «darunter Indonesien und Vietnam, die sich beide am Anfang der Privatisierungsphase befinden.» Auch auf den Philippinen gäbe es «spannende Projekte». Darüber hinaus listet Bircher auch Japan auf. «Dort gab es in den vergangenen sechs Jahren bereits drei Privatisierungsrunden.» Bereits Erfahrungen gesammelt hat man in Indien, wo man 2008 in den Airport von Bangalore investiert hat; erst 2016 verkaufte man die letzten 5 Prozent der Beteiligung – zu einem guten Preis. «Indien ist insgesamt attraktiv und nach wie vor einer der sich am dynamischsten entwickelnden Märkte», sagt Bircher.

«Südamerika und Asien haben ein grosses Wachstumspotenzial, verfügen über Länder mit starken Inlandmärken und entwickeln sich insgesamt sehr dynamisch.»Philipp Bircher, Mediensprecher

Weiter im Geschäft bleiben will man aber auch in Südamerika, wo in Brasilien gerade die vierte Privatisierungsrunde ansteht. «Südamerika und Asien haben ein grosses Wachstumspotenzial, verfügen über Länder mit starken Inlandmärken und entwickeln sich insgesamt sehr dynamisch», führt Bircher aus. Ferner wachse dort einerseits die Bevölkerung, die sich Flugreisen leisten kann, andererseits steige die Bedeutung des Tourismus. «In Südamerika und Asien bieten sich für uns zudem interessante Möglichkeiten zur Beteiligung an Flughäfen, die unseren Vorstellungen bezüglich unserer Rolle als Flugafenbetreiber und unseren Investitionsvorgaben entsprechen.»

Darum in die Ferne schweifen

Dass der Airport mehr im Ausland als in Kloten expandiert, hat nicht unwesentlich mit der Privatisierung des Betriebs im Jahr 2000 zu tun. Es gehe um Möglichkeiten, auch ausserhalb des bisherigen Kerngeschäfts zu wachsen, sagt Mediensprecher Philipp Bircher. Dabei gehe es immer auch um ein personelles Engagement: «Im Rahmen der internationalen Geschäfte entwickeln wir Projekte, bei denen wir unsere Erfahrungen als Flughafenbetreiber einbringen können.» So könne man als Investor am langfristigen Erfolg partizipieren. «Dafür suchen wir Projekte, welche Einflussmögilchkeiten auf den Betrieb und die kommerzielle Entwicklung der Flughäfen mit einer Investition kombiniert.»

Den Ausführungen von Finanzchef Brosi nach zu schliessen, sind es nicht die Megaairports der Asiaten, die ins Beuteschema der Flughafen Zürich AG passen, sondern insbesondere mittelgrosse Flughäfen, die etwa aus einen Privatisierungsprozess heraus vor grossen Investitionen stehen – und damit eine entsprechend weitgehende Einflussnahme ermöglichen.

Erstellt: 06.09.2018, 17:05 Uhr

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Beteiligungen des Flughafens Zürich

Die Flughafen Zürich AG ist über Tochtergesellschaften an Flughäfen im Ausland beteiligt.

Engagement in Brasilien
Dienstleistungskonzession: Die Flughafen Zürich AG hat im März 2017 in einem öffentlichen Wettbewerb (Bieterverfahren) den Zuschlag für Betrieb und Ausbau des Flughafens Hercílio Luz erhalten. Die 100%-Tochter «Concessionária do Aeroporto Internacional de Florianópolis S. A.» hat denFlugbetrieb am 3. Januar 2018 vom staatlichen Betreiber Infraero übernommen.
Im Rahmen eines Engagements für Ausbau und Betrieb des Flughafens Confins in Belo Horizonte gewährt die Flughafen Zürich AG eine Garantie zur Kreditsicherung. Sie figuriert dabei als Minderheitsinvestorin.

Engagement in der Karibik
Als Minderheitsinvestorin beteiligt ist die Flughafen Zürich AG derzeit auch am Flughafen von Curaçao (südliche Kleine Antillen).

Engagement in Kolumbien
Über die Tochtergesellschaft APort S. A. ist die Flughafen Zürich AG für den Betrieb des Flughafens in Bogotá verantwortlich.

Engagement in Chile
Dienstleistungskonzessionen: Als eine 100%-Tochter der Flughafen Zürich AG hält die A-port Chile S.A. (ihrerseits via 100%-Tochterunternehmen) seit 2011 die Konzession für Ausbau und Betrieb des Flughafens Andrés Sabella in Antofagasta sowie seit 2017 die neue Konzession für Betrieb und Ausbau des Flughafens Diego Aracena in Iquique.

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