GLOSSE

Der Besuch des Präsidenten – ein tierisch grosses Affentheater

Endlich ist er vorbei, der Zirkus rund um den WEF-Besuch des amerikanischen Staatsoberhaupts. Mit einem Riesenvogel kam er nach Kloten angeflogen, begleitet von Helikoptern mit tierisch klingenden Namen wie Super Puma oder Black Hawk.

«America First, aber nicht Amerika alleine.» In seiner Rede am WEF stellte Donald Trump den Aufschwung in den USA als sein Verdienst dar.

«America First, aber nicht Amerika alleine.» In seiner Rede am WEF stellte Donald Trump den Aufschwung in den USA als sein Verdienst dar. Bild: Keystone

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Hunderte seiner Schäfchen brachte der Leitwolf mit und liess auch noch seinen gesamten Fuhrpark einfliegen. Wie im Zoo drängten sich die Flugzeugfans an den Flughafenzaun und machten Hälse wie Giraffen, um einen Blick auf Old Mac Donalds Flugzeug zu erhaschen.

Die schwarzen Schafe aus dem Schwarzen Block blökten in der Stadt Zürich, da den Demonstranten eine Kundgebung in Kloten und am Flughafen untersagt wurde. Gehorsam wie Schosshunde reagierten die Klotener Behörden und der Flughafen. Und selbst die Bündner vermochten dem amerikanischen Alphatier nicht die Hörner zu zeigen und verboten eine Kundgebung in Davos. Demonstriert werden soll also dort, wo es der Löwen­könig nicht sieht, nämlich im Betondschungel der Stadt Zürich. Selbst der Bundesrat legte sich dem hohen Tier aus Washington zu Füssen, drehte sich auf den Rücken, schnurrte und liess sich den Bauch kraulen.

Immerhin: Ein paar Jungpolitiker brachen das Schweigen der Lämmer, taten sich dabei aber nicht immer als Intelligenzbestien hervor. SP-Kantonsrat Fabian Molina wollte dem «Hassprediger» Trump die Einreise in die Schweiz verbieten wie einem nicht gegen Tollwut geimpften Haustier. Gnädiger zeigte sich Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. Sie wollte The Donald die Bündner Bergwelt nicht vorenthalten, forderte aber von Bundesrat und Parteigenosse Alain Berset, dass dieser dem eitlen Pfau aus Washington den Handschlag verweigert – das wäre wohl selbst im Tierreich eine höchst unsportliche Geste.

Etwas fantasievoller stellten sich die Jungen Grünen an. Sie reisten nach Oberglatt ans Pistenende und protestierten während des Anflugs der Air Force One, als Pinguine, Tiger und Eisbären verkleidet, gegen die neue Klimapolitik des Weissen Hauses. Allerdings hätte Trump den Protest aus der Air Force One auch mit den besten Adleraugen nicht erspähen können.

Die Elefantenrunde am WEF steckte dann hinter verschlossenen Türen in Räumen ohne Fenster die Köpfe zu-sammen, um geheime Pläne zu schmieden, abgeschottet vom Pöbel von scharf bewaffneten Wachhunden. Mittendrin das Trumpeltier aus Manhattan. Obwohl nicht unbedingt ein Freund des freien Handels, umschmeichelten ihn die Top-Bosse wie Hauskatzen. Wenn sie da bloss nicht auf den falschen Gaul setzen.

Das Davoser Wirtschaftsforum hat einen Frauenanteil von gerade mal 20 Prozent. Fürchten sich die Damen vor dem amerikanischen Gigolo? Angela Merkel zumindest wollte Trump nicht aus der Hand fressen und reiste bereits vor dessen Ankunft wieder ab, wohl um nicht als «nasty woman» oder «the person who ruined Germany» gedemütigt zu werden. Die Gazellen des Trump-Clans, Melania und Ivanka, tauchten gar nicht erst auf. Dafür brüllte Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds, wie eine Löwin und plädierte für «praktikable Lösungen ohne Testosteron».

Den tollen Hecht aus den USA liess das kalt. Ganz zur Freude der Boulevard-Haie setzte der sonst so medienverachtende Trump sein Autogramm auf eine Ausgabe der Zeitung «Blick» und liess sich dabei auch noch filmen. Wurden wir in der Schweiz tatsächlich Zeuge der bisher gewichtigsten Unterschrift Donald Trumps in seiner Amtszeit?

Zumindest auf Twitter, dem Kurznachrichtendienst mit dem hellblauen Vogel im Logo, zeigte sich Trump als grosser Freund des Landes der Murmeltiere und Steinböcke. «Grossartiges bilaterales Treffen mit Bundesrat Alain Berset», zwitscherte der Präsident. «So eine grosse Ehre, in der Schweiz zu sein.» Zum Glück ist das Affentheater nun zu Ende und immerhin wissen wir jetzt, dass wir nicht zu Trumps Unterhunden gehören.


fabian.boller@zuonline.ch (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 27.01.2018, 10:52 Uhr

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