Nationalrat

Der erste Arbeitstag im Bundeshaus

Für Barbara Schaffner und Jörg Mäder begann mit der Vereidigung am Montag der Parlamentsalltag. Die beiden Neuen aus dem Unterland sind in den Nationalrat gewählt worden.

Die Grünliberalen Jörg Mäder (Opfikon) und Barbara Schaffner (Otelfingen) hatten am Montag ihre Premiere im Nationalrat.

Die Grünliberalen Jörg Mäder (Opfikon) und Barbara Schaffner (Otelfingen) hatten am Montag ihre Premiere im Nationalrat. Bild: Leo Wyden

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Am Montagmorgen eröffnete Bundesbern die 51. Legislatur – das Parlament ist so links und so weiblich wie noch nie. 68 Nationalrätinnen und Nationalräte betraten politisches Neuland, unter ihnen zwei aus dem Zürcher Unterland: Barbara Schaffner und Jörg Mäder – beide Grünliberale, die vom Erfolg ihrer Partei in den Oktoberwahlen überwältigt worden waren.

Das Bundeshaus als neuer Arbeitsplatz, das sei ihr am Empfang vor einer Woche schon speziell eingefahren, erzählt die 51-jährige Otelfingerin Schaffner. «Schon der Kantonsrat war 2011 ein grosser Schritt, weil ich davor kein politisches Amt innehatte. Alles war neu.» Und nun: Nationalrat. Mäder, der 44-jährige Opfiker, hatte sein Glück noch vergangenen März im Zürcher Regierungsrat versucht. «Das wäre auch genial gewesen», sagt er nun. «Aber in der Politik muss ich in Optionen denken.» Cool sei es dennoch.

Der Rollkoffer wird vorerst Begleiter von Barbara Schaffner und Jörg Mäder. Foto: Leo Wyden

Grünliberale sitzen rechts

Es ist 7.49 Uhr, Einstieg in den Intercity-Express vom Zürcher zum Berner Hauptbahnhof. Schaffner und Mäder steht ein langer Tag bevor: Um 9.15 Uhr beginnt die Fraktionssitzung, um 14.30 Uhr die erste Nationalratssitzung. Aufgrund des grossen Zuwachs der Grünen und Grünliberalen ist auf der linken Seite der Grossen Kammer kein Platz mehr für die GLP. Die 16 Grünliberalen sitzen nun, zusammen mit FDP und SVP, rechts der Mitte – Barbara Schaffner nimmt gar alleine in der vordersten GLP-Reihe Platz, direkt neben dem Berner SVP-Mann Erich Hess.

Die aktuelle Sitzordnung des Nationalrats finden Sie hier.

Schaffner und Mäder werden – zusammen mit der Klotenerin Priska Seiler Graf (SP) und der Regensdorferin Barbara Steinemann (SVP) sowie 196 weiteren Gewählten – im Nationalrat vereidigt. Die Waadtländer FDP-Frau Isabelle Moret wird zur Nationalratspräsidentin gewählt. Und: Mäder und Schaffner erleben ihre erste Debatte über eine Initiative zu transparentem Lobbying im Parlament, eingebracht vom einstigen SP-Ständerat Didier Berberat.

Schwerpunkte beibehalten

In vielerlei Hinsicht also ein grosser Kontrast zur Gemeindepolitik, wo beide politisieren – und zum Kantonsrat. Aus diesem sind Schaffner wie Mäder ausgetreten, «eine grosse Erleichterung», wie Schaffner sagt, die mit der Kommission für Verkehr, Energie und Umwelt ein aufwändiges Gremium belegt hatte. «Bei vielen Themen, die ich bearbeiten wollte, hiess es: Das wird in Bern entschieden.» Nun will sie ihre Schwerpunkte weiterhin in der Energiepolitik und der Raumplanung setzen. Auch Mäder bleibt auf seinen Steckenpferden: Umwelt, Digitalisierung, Gesundheitspolitik. Nur die – nicht zuletzt finanziellen – Dimensionen werden ein Vielfaches grösser sein.

«Insgesamt wird es wohl anstrengender», stellt er fest. Deshalb habe er entschieden, sich in der ersten Session hundert Prozent auf Bern zu konzentrieren. «In Opfikon werden sie das überleben.» In Otelfingen würden die Gemeinderatskollegen wohl vermehrt Sitzungen ohne sie abhalten, sagt er zu Schaffner. Doch sie hält entwaffnend dagegen: «Ich war bisher die, die am wenigstens gefehlt hat.»

Networking am Abend

Ab 19 Uhr locken Dutzende Kennenlern-Apéros und Networking-Anlässe; auch das ein Unterschied zum Kantonsrat: «Wir werden stärker bestürmt und mit Unterlagen eingedeckt», sagt Mäder. Das sehe er aber nicht als Beeinflussung. «Wir sind als Laien gewählt, und wenn wir nicht bereit sind, uns Standpunkte anzuhören, machen wir unseren Job nicht richtig. Die Frage ist nur, wie wir die neuen Informationen gewichten.» Er wird einem Anlass im Pflegebereich beiwohnen; Schaffner hat entschieden, der Einladung der Economiesuisse zu folgen. Dann eine Nacht im Hotel ausruhen – und nicht nur am nächsten Tag, sondern mindestens die nächsten vier Jahre weiterpolitisieren.

Foto: Leo Wyden

Erstellt: 02.12.2019, 17:58 Uhr

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