Umfrage

Der erste Schultag

Was sind ihre Erinnerungen an den ersten Schultag? Wir haben bekannte Unterländerinnen und Unterländer gefragt.

Fünf bekannte Unterländerinnen und Unterländer erzählen von den Erlebnissen an ihrem ersten Schultag.

Fünf bekannte Unterländerinnen und Unterländer erzählen von den Erlebnissen an ihrem ersten Schultag. Bild: Pixabay

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Roland Lüthi, Rektor der Kantonsschule Bülach

«Ich kannte kein Kind.»

«Im Frühling («Schuelaafang? Natürli im Früelig!» – erinnern Sie sich?) 1971 fuhr mich meine Mutter aus dem sonnigen Buchs ins schattige Dällikon zu meinem ersten Schultag. Ich kannte kein Kind. Wenn ich zuvor je in Dällikon war, dann vielleicht, um unser Reihenhaus zu besichtigen.

Dällikon lag weit, weit weg von Buchs, auf der falschen Seite des Furttals. Wir aber planten, bald umzuziehen, und so ergab es Sinn, mich bereits am neuen Ort einzuschulen. Anzahl Kindergarten-Gspänli in meiner Klasse also: null. Dennoch erinnere ich mich an keine Angst und keine Sorge, wenn ich versuche, zurückzudenken. Ich meine, mich an Vorfreude zu erinnern.

Ich meine auch, ich trug braune Manchester-Hosen und – es war Frühling – wohl eines dieser furchtbar engen T-Shirts, die man damals im Charles Vögele erstehen konnte, und drüber ein Jäggli mit riesigem Aufschlag.

Es war eine grossartige Zeit, die an diesem Tag im Frühling begann. Sie war so grossartig, dass ich der Schule als System auch 48 Jahre später nach wie vor mit Herzblut verbunden bin.»


Michael von der Heide, Sänger

«Ich brannte darauf, Blockflöte spielen zu lernen.»

«Ich wurde vor 40 Jahren im schönen Amden hoch über dem türkisfarbenen Walensee eingeschult. Natürlich ging ich wie alle anderen Kinder zu Fuss in die Schule. Ich freute mich sehr darauf, endlich zu den Grossen zu gehören.

Nicht nur, weil der Kindergartenweg einen Kilometer länger war, sondern auch, weil ich endlich in die weltliche Welt eintauchen konnte, denn unsere Kindergärtnerin war eine Nonne. Eine liebe, aber strenge Klosterfrau.

Ich wusste, in der Schule lernte man Blockflöte spielen, und darauf brannte ich sehr. Und nun begann er zum ersten Mal: «der Ernst des Lebens», wie ich als Kind und Jugendlicher immer mal wieder zu hören bekam. Ich konnte vor Aufregung kaum schlafen und konnte es kaum erwarten, mit meinem schönen grünen Thek und dem orangen Etui in der Schulstube zu sitzen.

Meine Lehrerin hiess «Fräulein Schraff», war aber keineswegs schroff. Sie fragte in die Runde, wer denn schon lesen könne. Ich meldete mich stolz. Ich ging sehr gerne zur Schule, jedoch das Blockflötenspielen war dann doch nicht so prickelnd, wie ich es mir vorgestellt hatte.»


Priska Seiler Graf, Stadträtin Kloten und Nationalrätin (SP)

«Vor Aufregung konnte ich die Nacht davor kaum schlafen.»

«An meinen ersten Schultag kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich weiss zum Beispiel noch ganz genau, was ich damals anhatte: Rostrote Trompeten-Manchesterhosen, braune Strickjacke, Mireille-Mathieu-Lookalike-Rundschnitt und natürlich einen orangen Thek. Rundum also der perfekte 70er-Jahre-Chic.

Ich muss zugeben, ich freute mich enorm auf die Schule. Vor Aufregung konnte ich die Nacht davor kaum schlafen.

Von meiner Lehrerin war ich von der ersten Minute an begeistert. Sie hat übrigens massgeblich dazu beigetragen, dass während meiner ganzen Schulzeit mein Berufswunsch Lehrerin blieb und ich mich später auch zur Oberstufenlehrerin ausbilden liess.

Einen kleinen Dämpfer erhielt ich allerdings gleich am Anfang: Ich konnte nicht neben meiner besten Freundin sitzen, und sie war auch nicht in derselben Gruppe wie ich. Doch ich wurde schnell getröstet: Die Lehrerin präsentierte die ersten Buchstaben. Es war ein Bild mit Hühnern drauf, und dazu lernten wir sinnige Silben wie «Bibi».

Der Tag war gerettet!»


Walter Meierhofer, ehemaliger Schulpolizist

«Die Streiche kamen erst später.»

«Meinen ersten Schultag erlebte ich vor 57 Jahren in Weiach, wo ich aufgewachsen bin. Das Schuljahr begann im Frühling. Meine Eltern hatten mir einen wunderschönen Lederthek mit Kuhfell geschenkt, den ich voller Stolz trug. Mein Schulweg war nur etwa 500 Meter lang, aber ich bin heute sehr froh, dass meine Eltern mich nie zur Schule fuhren – meine ersten Schritte in die Selbstständigkeit.

Ich weiss noch, wie ich beim Coiffeursalon Heidelberger vom Kiesweg auf die geteerte Strasse abbiegen musste.

Das war eine heikle Stelle, da es noch keine Trottoirs gab. Angst hatte ich auf dem Schulweg aber nie. Heute sehe ich, dass Kinder mehr Hemmungen haben. Für mich war der Schulweg eine unbeschwerte Zeit.

Erinnern kann ich mich auch noch an die Lehrerin, daran, wie das Schulzimmer aussah und wo ich sass. Am ersten Tag lernten wir, den Thek richtig ein- und auszupacken, alles noch sehr brav. Die Streiche, die wir gespielt haben – Reissnägel auf den Stuhl der Lehrerin legen, Steine in den Thek der Gspäänli packen –, das alles kam erst später.» (sam)


Rolf Gilgen, CEO Spital Bülach

«Deutsch hat mehr Spass gemacht als Rechnen.»

«Von meinem ersten Schultag am besten in Erinnerung habe ich, wie meine Lehrerin geheissen hat: Martha Jäggi. Sie war eine etwas ältere Dame, vielleicht ein paar Jahre vor der Pensionierung.

Bei ihr hatte ich meine erste Schulstunde – übrigens fand diese ohne Anwesenheit der Eltern statt. Das war, als ich 1966 in der Stadt Solothurn eingeschult wurde, so üblich. Meine Mutter hat mich aber bis zum Schulhaus begleitet. Heute ist das ja anders. Als meine Tochter eingeschult wurde, waren wir bei der ersten Schulstunde dabei.

Zur Schule ging ich im sogenannten Vorstadtschulhaus. Es war eingebettet in einer schönen Parkanlage und verfügte über einen riesigen Pausenplatz. Das Schulhaus gibt es noch heute. Mein Klassenzimmer war im Parterre zuhinterst, das weiss ich noch.

Ansonsten erinnere ich mich nicht mehr so gut, besser im Gedächtnis habe ich, dass im Sommer dann die Fussball-WM in England stattgefunden hat. Insgesamt bin ich aber sehr gern zur Schule gegangen, auch wenn mir Sprachen und insbesondere Deutsch mehr Spass gemacht haben als Rechnen.» (nav)

Erstellt: 17.08.2019, 10:42 Uhr

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