Rümlang

Der letzte Navigator

Harry Hofmann war eine einzigartige Persönlichkeit. In der Schweizerischen Luftverkehrsschule lehrte er Piloten, mit dem Sextant umzugehen. Nebenbei erzählte er von seinen Abenteuern als Schiffsoffizier während des zweiten Weltkrieges. Jetzt hat er seine letzte Reise angetreten.

Als Funkoffizier auf Deck der «Lugano» im Jahr 1945.

Als Funkoffizier auf Deck der «Lugano» im Jahr 1945. Bild: PD

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Die Laufbahn von Harry Hofmann begann in Wetzikon. Dort besuchte er die Primar- und Sekundarschule. Anschliessend fuhr er während viereinhalb Jahren mit der Bahn morgens um fünf Uhr nach Zürich zum Besuch der Kantonsschule,1937 schloss er den Unterricht mit der Matura ab. Militärdienst leistete Hofmann als Unteroffizier-Fliegerfunker in Payerne. Wegen Geldmangel konnte er kein Studium aufnehmen.

In der Peilstation auf dem Flugplatz Dübendorf leistete er Dienst und pflegte freundschaftliche Kontakte via Funk mit Stationen in Breisgau, Stuttgart oder Dijon. «Dann, bei Kriegsbeginn, wurden wir von einer Stunde zur anderen von Freunden zu Feinden», sagte er einmal.1942 trat er in Lissabon auf der «Lugano» als Schiffsfunker in den Dienst der Schweizerischen Hochseeflotte ein. Die «Lugano» brachte Weizen von Philadelphia nach Genua und aus Afrika Palmöl, Kopra, Kaffee und Fischmehl.

Auf dem Schiff gab er Schiffsjungen aus Mozambique Unterricht, und nicht ohne Stolz verriet er: «Alle meine Schüler wurden später Kapitäne.» Einmal geriet die «Lugano» in eine lebensgefährliche Situation. Breitseits tauchte auf hoher See ein deutsches U-Boot auf, mit der Absicht, die «Lugano» als feindliches Schiff zu versenken. Dank Morsekontakt mit Scheinwerfern und einem anschliessenden diplomatischen Gespräch zwischen Hofmann und den deutschen Kapitän und ein paar Flaschen Rum, konnte die Katastrophe verhindert werden.

Von der See in die Luft

Nach den Fahrten auf hoher See arbeitete Hofmann ab 1947 in Dübendorf und erlebte den Wechsel vom Morsen zum Sprechfunk. Daneben flog er aushilfsweise als Bordfunker auf Swissair-Flugzeugen mit. Er bestand einen Navigationskurs und schon während der Ausbildung zum Navigator betätigte er sich zeitweise als Lehrer. Bei der Swissair flog er als Navigator auf DC-4 Flugzeugen, noch ohne Druckkabinen, durch stürmische Wetterfronten bis nach New York. Es folgten Einsätze auf DC-6, DC-7, Coronado und DC-8. Um acht Vietnamesen Navigationskenntnisse beizubringen, lernte Hofmann bei einer Lehrerin in Greifensee Vietnamesisch.

An Bord einer Swissair DC-4 (Quelle: Youtube)

Bis zu seiner Pensionierung 1974 unterrichtete er an der Schweizerischen Luftverkehrsschule in Kloten Piloten in Astronavigation. Mit grosser Begeisterung führte er die zukünftigen Flugzeugführer in die Geheimnisse der Positionsbestimmung mit Sextant, Sonne, Mond und Sterne ein. Er liebte es, zu unterrichten und seine Faszination über die Gestirne übertrug sich auf die Schüler.

Liebenswerte Persönlichkeit

Nach seiner Pensionierung engagierte sich Harry Hofmann in der Sternwarte Bülach und hielt Vorträge im Planetarium des Verkehrshauses Luzern. In China untersuchte er Ausgrabungen, zusammen mit einem Archäologie-Professor aus Zürich, und stellte dabei fest, dass vor mehr als 2000 Jahren Chinesen mit Peilungen von Mond und Sonne Kalender festlegten.

Alle Schüler, die Hofmann als Lehrer erleben durften, erinnern sich an eine charismatische, liebenswerte Persönlichkeit. Lange Zeit lebte er in Opfikon und zuletzt in der Oase in Rümlang. Am 24. Februar ist Harry Hofmann, 52 Tage vor seinem hundertsten Geburtstag, gestorben.

Erstellt: 01.03.2018, 15:42 Uhr

Harry Hoffmann (Bild: PD)

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