Rafz

Der letzte Unterländer Schützenkönig blickt 26 Jahre später zurück

26 Jahre ist es her, seit mit dem Rafzer Roman Neukom ein Unterländer das Knabenschiessen gewonnen hat. Vieles sei damals anders gewesen, erinnert er sich.

16 Jahre alt war Roman Neukom aus Rafz, als er am 13. September 1993 zum Schützenkönig beim Knabenschiessen wurde. Nach ihm schaffte dies kein Unterländer mehr.

16 Jahre alt war Roman Neukom aus Rafz, als er am 13. September 1993 zum Schützenkönig beim Knabenschiessen wurde. Nach ihm schaffte dies kein Unterländer mehr. Bild: pd

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Heute beginnt das Knabenschiessen. Schätzungsweise 4500 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren kämpfen um den Titel des Schützenkönigs. Wer allerdings den letzten Sieger aus dem Unterland finden will, muss in den Geschichtsbüchern weit zurückblättern. 26 Jahre ist es her, seit Roman Neukom zum besten Schützen des Wettkampfs erkoren wurde. Über ein Vierteljahrhundert ging das Unterland danach leer aus. Als Neukom gewann, war es noch nicht einmal ein Jahr her, seit die erste SMS verschickt wurde. Bundesrätin Ruth Dreifuss war erst seit sechs Monate im Amt, Bill Clinton seit neun. In den Kinos fesselte Steven Spielbergs «Jurassic Park» die Zuschauer – weitgehend ohne digitale Spezialeffekte, die Technologie steckte damals noch in den Kinderschuhen.

Roman Neukom war 1993 am Knabenschiessen 16 Jahre alt. Der KV-Lehrling schoss am Samstag das Maximum von 35 Punkten. Dasselbe Resultat gelang einem Schützen von Zollikerberg. Beim Ausstich am Montag, dem 13. September, konnte Neukom mit 29 Punkten aber gegenüber seinem Konkurrenten (23 Punkte) die bessere Leistung abrufen.

Knabenschiessen - Roman Neukom wird Schützenkönig - TV - Play SRF

Schweiz Zürich, ZH: Knabenschiessen - Roman Neukom wird Schützenkönig

Neukom gewann neben diversen Spezialpreisen eine Reise in die USA und einen für damalige Verhältnisse topmodernen Fernseher. «Nein, den Fernseher habe ich heute nicht mehr», sagt der ehemalige Schützenkönig, der auch heute noch in Rafz lebt. «Das war ja noch ein Modell mit Bildröhre, welches dann irgendwann ausgemustert wurde.» Der inzwischen 41-Jährige ist dort auch Gemeinderat und arbeitet in der Informatik. Gut in Erinnerung geblieben ist im die Reise in die Vereinigten Staaten. «Wir durften damals sogar wählen, in welche Stadt wir wollten. Gemeinsam mit meinem älteren Bruder bin ich dann für sieben Tage nach San Francisco. Und das notabene First Class ab Frankfurt.» Überrascht war Neukom davon, wie gross die Reaktionen auf seinen Sieg gewesen waren. «Man schickte mir Zeitungsberichte und Glückwünsche aus der ganzen Schweiz. Die Medien stürzten sich regelrecht auf mich, sogar die Tagesschau sendete einen Beitrag. Für mich als 16-Jährigen war das natürlich alles sehr neu und eindrücklich.»

Roman Neukoms Mutter gehörte zu den Ersten, die ihm nach seinem Sieg gratulierten. Sie war sichtlich stolz auf ihn.

Nun versuchen es seine Kinder

Einen Schützenkönig aus dem Unterland gab es bereits früher: 1980 gewann der Bassersdorfer Armin Schneiter. Nach ihm dauerte es 13 Jahre, bis mit Neukom wieder jemand aus den Bezirken Bülach oder Dielsdorf gewann. Das hatte aber unter anderem auch damit zu tun, dass das Knabenschiessen erst ab 1991 Teilnehmer aus dem gesamten Kanton und auch Frauen zum Wettkampf zuliess. Davor mussten die Teilnehmer aus der Stadt Zürich stammen, dort ihre Lehre machen (Armin Schneiter absolvierte zum Zeitpunkt seines Gewinns eine Photolithographenlehre in Oerlikon) oder in den umliegenden Gemeinden wohnen.

Auch sonst war 1993 aber vieles anders. «Damals durfte man erst ab 16 Jahren einem Schützenverein beitreten und so das Schiessen trainieren», erklärt Neukom. Die meisten Teilnehmer des Knabenschiessens hatten deshalb wie er erst ein paar Mal in ihrem Leben ein Gewehr in der Hand. «Bei mir war es etwa das fünfte Mal. Ich hatte zweimal zuvor schon beim Knabenschiessen geschossen und war zudem beim Jugendschiessen Bülach angetreten.» Heute dürfe man in den Vereinen bereits schon ab 10 Jahren mit dem Sturmgeweher trainieren, so Neukom. Viele Teilnehmende kommen heute deshalb bereits mit einer gewissen Erfahrung ans Knabenschiessen. Und auch sonst kommen sie des Öfteren gut vorbereitet, mit Schiessjacke, einer speziellen Brille oder etwa einer Augenklappe. Nur das eigene Gewehr dürfen sie nicht benutzen. «Das gab es zu meiner Zeit natürlich noch nicht», erinnert sich Neukom. Er hatte es auch nicht nötig: Stolz erklärte Neukoms Schiessinstruktor am 13. September 1993, wie sein Schützling am Knabenschiessen alle Kugeln so auf der Zielscheibe platziert hatte, dass man «sie mit einem Fünfliber hätte abdecken können».

Roman Neukom ist heute 41 Jahre alt und Gemeinderat von Rafz. Er schiesst noch immer, trainiert aber nicht mehr regelmässig.

Neukom trat nach dem Knabenschiessen der Schützengesellschaft Rafz bei und schiesst noch immer an Wettkämpfen. Dass sein Talent nach wie vor vorhanden ist, beweisen seine zahlreichen Platzierungen auf vorderen Rängen, obwohl er schon seit einiger Zeit nicht mehr wirklich trainiert. «Das hat aber auch damit zu tun, dass beim Schiessen langjährige Erfahrung sehr hilfreich ist, etwa wenn es darum geht, auf schwierige Licht- oder Windverhältnisse zu reagieren.» Auch beim Knabenschiessen ist er dieses Jahr wieder dabei. Er unterstützt seine Tochter, die zum dritten Mal antritt, und seinen Sohn, der dieses Jahr das erste Mal mitschiesst. Was braucht es, dass seine Kinder oder jemand anderes aus dem Unterland wieder einmal das Knabenschiessen gewinnt? «Man darf es nicht zu sehr wollen. Beim Knabenschiessen ist auch Glück mit dabei, weil man nicht mit seinem Gewehr schiesst und es auch keine Probeschüsse gibt. Wenn die erste Kugel daneben geht, ist es quasi schon gelaufen.» Deshalb sei es am besten, mit einer gewissen Gelassenheit in den Schiessstand zu gehen.

Erstellt: 06.09.2019, 13:25 Uhr

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