Bassersdorf

Der nächste «Schildbürgerstreich»?

Die Glattalbahn soll verlängert werden: von der Endschlaufe am Flughafen bis zum Bahnhof nach Bassersdorf, dachten viele. Nun zeigt sich, dass die neue Endschlaufe kurz vor den ersten Wohnhäusern von Bassersdorf gebaut werden soll.

Wie weit wird die Glattalbahn künftig fahren? Bis in die Industrie von Bassersdorf - oder doch ein bisschen weiter?

Wie weit wird die Glattalbahn künftig fahren? Bis in die Industrie von Bassersdorf - oder doch ein bisschen weiter? Bild: Balz Murer

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Während in Kloten Stadtpräsident René Huber (SVP) jubelt – «Endlich wird der Schildbürgerstreich behoben» –, reibt man sich in der Nachbargemeinde Bassersdorf die Augen. Denn mit Schildbürgerstreich meint Huber die jetzige Endschlaufe der Glattalbahn bei der Fracht. Die Flughafenstadt hatte so praktisch keinen Nutzen von der neuen Stadtbahn. Weshalb Kloten unter Stadtpräsident Huber seit Jahren Druck macht auf einen baldigen Anschluss des Zentrums an die Stadtbahn.

Ging es um eine Verlängerung der Glattalbahn, so war in der öffentlichen Wahrnehmung bislang stets von einem Anschluss bis nach Bassersdorf die Rede. Und bereits 2001 tauchte die «Vision Ringschluss» auf, wonach die neuen Trams dereinst rund um den Hardwald kurven könnten. Vom Flughafen via Kloten nach Bassersdorf wurde schon damals ein Trassee gesichert, das über Dietlikon und Brüttisellen zum Flugplatz Dübendorf führt und bei Wallisellen in die vorhandenen Tramgleise mündet. Dies ist auch im aktuellen Richtplan, dem verbindlichen Projektierungsinstrument des Kantons, verzeichnet (siehe Illustration).

«Eine verpasste Chance»

Dass die Stadtbahn in der bevorstehenden Ausbauetappe aber nicht einmal in das auf fast 12 000 Einwohner angewachsene Bassersdorf fahren wird – wie der Kanton kürzlich mitteilte –, empfindet man dort als neuen Schildbürgerstreich. So sieht es jedenfalls für Gemeindepräsidentin Doris Meier (FDP) aus. Das habe sich zuletzt leider abgezeichnet. Dabei sei man von Anfang an in die Planung involviert gewesen. Zwischen 2009 und 2011 war unter Mitwirkung von Kloten und Bassersdorf eine Vorstudie erstellt worden – «mit der Linienführung bis zum Bahnhof Bassersdorf», betont Meier.

«Aus Sicht der Gemeinde wäre eine vollständige Projektierung und die gleichzeitige Ausführung bis zum Bahnhof Bassersdorf notwendig, damit die betrieblichen Vorteile mit beidseitigen Anschlüssen an die S-Bahn genutzt werden könnten.» Der Bassersdorfer Gemeinderat hatte dazu Anträge gestellt und sich stets eingesetzt. «Für die übergeordneten Stellen war offensichtlich die nicht ausreichend bestehende Nachfrage und damit eine mangelnde Selbstfinanzierung massgebend», mutmasst die Gemeindepräsidentin zum Entscheid gegen Bassersdorf.

Glattalbahn-Verlängerung gemäss Kantonalem Richtplan (grüne Strecke) (Quelle: Verkehrsrichtplan Kanton Zürich, Grafik: mb)

Meier spricht von einer «verpassten Chance». Die Verantwortlichen würden die Situation anders einschätzen. So gehe man von einer zu kleinen Nachfrage zwischen Kloten-Industrie und dem Bahnhof Bassersdorf aus und meine, dass gute Busverbindungen für die Nachfrage genügen würden.

Für die Planung des öffentlichen Verkehrs und dessen Infrastruktur gibt es im Kanton eine Strategie. Diese wird alle zwei Jahre von der zuständigen Kommission im Kantonsrat und vom Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) überarbeitet.

Verkehrsplaner denken anders

Thomas Kellenberger, ZVV-Sprecher, gibt zu bedenken: «Die Verlängerung der Glattalbahn bis Bassersdorf-Bahnhof macht aus verkehrsplanerischer Sicht aktuell wenig Sinn.» So würden die Trams zu oft ins Leere fahren, weil es in Bassersdorf keinen Viertelstundentakt gibt. Erst nach dem Bau des Brüttener Tunnels wäre dies möglich und somit ein Glattalbahn-Anschluss dort sinnvoll. Man müsse zudem auf die Finanzierung achten. Da sei man auf den Bund angewiesen, der im Rahmen der Agglomerationsprogramme rund 35 Prozent an solche Projekte beisteuern würde. Das falle bei grösseren Beträgen stark ins Gewicht.

Momentan seien die Bedingungen für einen Ausbau bis Bassersdorf einfach noch nicht gegeben. Sprich: Es gibt andere Prioritäten beim ÖV-Ausbau. Von einem Schildbürgerstreich will der ZVV-Sprecher nichts wissen, räumt aber ein, dass Bassersdorf tatsächlich praktisch nichts von der vorläufig ins Auge gefassten Tramverlängerung bis zum Grindel hätte. «Der Ausbau bis zum Bahnhof Bassersdorf ist aber nicht vom Tisch», sagt er. Im Richtplan bleibe der Eintrag drin. Näher rücken dürfte das Thema wohl wieder Mitte der 2030er-Jahre, falls der Brüttener Tunnel kommt.

Erstellt: 21.11.2018, 21:54 Uhr

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