Kloten

Der Platzhirsch erhält Konkurrenz

Die Bäckerszunft wird im Zentrum der Flug­hafenstadt an prominenter Ecke von Fleischli vertreten. Nun eröffnet mit Bertschi in Kloten ein neues Angebot, während andernorts die Flurbereinigung fast alle Bäckereiläden aufgerieben hat.

Im Square-Komplex an der Marktgasse in Kloten wird voraussichtlich Mitte August eine neue Filiale der lokalen Grossbäckerei Bertschi eröffnen.

Im Square-Komplex an der Marktgasse in Kloten wird voraussichtlich Mitte August eine neue Filiale der lokalen Grossbäckerei Bertschi eröffnen. Bild: cwü

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Am Altbach unweit des Stadtplatzes wird in Kloten ab Mitte August allmorgendlich frischer Brotduft die Passanten anlocken. Wer dem Bach entlang geht, wird dereinst im Erdgeschoss hinter der roten Backsteinfassade der Square-Überbauung, ein paar Schritte von der früheren Milchhütte entfernt, eine neue Bäckereifiliale finden.

Ein Baugesuch dafür ist bereits eingereicht worden. Dahinter steckt der einheimische Bäckereibetrieb Bertschi, der seit 2009 in Kloten ansässig ist und unweit der Sporthalle Ruebisbach inzwischen über 260 Mitarbeiter beschäftigt. Dort ist man begeistert, wie gut der derzeit einzige eigene Verkaufsladen – «Zum Brotkorb» – läuft.

Es ist allerdings eher eine Art Fabrikladen der sich in der Industrie am Produktionsstandort der Grossbäckerei befindet. Weil man sich durch positive Rückmeldungen zum nachträglich eingerichteten Ladenlokal ermutigt fühlt, will man nun eine weitere – diesmal externe – Filiale fürs treue Klotener Publikum eröffnen.

So jedenfalls tönts aus dem Management des Betriebs, der sich eigentlich ganz auf das Engros-Geschäft von Grossabnehmern spezialisiert hat. Vom Hauptsitz an der Talacherstrasse aus beliefern Bertschis Bäcker und Confiseure nämlich in erster Linie Kliniken, Spitäler, Fluglinien sowie einige Grossverteiler des Schweizer Detailhandels mit ihren Gipfeli, Brötchen, Wähen, Torten und Frischbackprodukten.

Nun kommt mit dem geplanten Bäckereifiliale in sogenannter «Homestyle-Art» eine Verkaufsstelle fürs breite Publikum hinzu. Drinnen soll es elf Sitzgelegenheiten geben, draussen deren zwölf. Und auch sonntags wird das neue Geschäft – wie schon der Backshop am Produktionsstandort – künftig geöffnet sein.

Einst an der exakt gleichen Adresse in Zürich angefangen

Angefangen hatte Bertschi allerdings vor 121 Jahren als Kleinbäckerei in der Zürcher Altstadt an der Marktgasse gegenüber des Zürcher Rathauses.

Nun schliesst sich der Kreis genau in diesem Punkt auf eine wundersame Weise, wie es die Geschichte fast nicht passender hätte arrangieren können: Auch die neuerliche Rückkehr in den Detailhandel mit eigenem Laden in der Stadt, wo man produziert, erfolgt an der Adresse Marktgasse 7. Es ist dies exakt dieselbe Hausnummer wie sie einst die erste Bertschi-Bäckerei in Zürich hatte. Und auch das Rathaus – in Kloten das Stadthaus – befindet sich in unmittelbarer Nähe. Die Redewendung «zurück zu den Wurzeln», stimmt somit gleich in mehrfacher Hinsicht.

Das Bäckereiangebot im neuen Zentrum der Flughafenstadt wird also wieder grösser. Zuletzt war es wie an so manchem andern Ort geschrumpft. Dann etwa als die ansässige Bäckereidynastie Hofmann alle ihre Filialen in Kloten und Umgebung verkaufte und der Name 2008 vom Markt verschwand.

In Kloten gibts seither nicht mehr viel Bäcker-Konkurrenz, mal abgesehen von der Bäckerei Fleischli, die am Puck-Kreisel am oberen Ende des Stadtplatzes eine Filiale betreibt und die wohl bekannteste Bäckereikette der Region ist. Man stehe in gutem Kontakt mit Fleischli und so wurde der Platzhirsch vorgängig vom Management der Bertschi Bäckerei über deren Expansionspläne ins Stadtzentrum von Kloten informiert. Man wolle ja auch nicht, dass es wie ein Angriff wirke und die Branchenkollegen aus der Zeitung mit den neusten Plänen konfrontiert würden, ist am Hauptsitz von Bertschi zu erfahren.

Aus 4 mach 1 – in Wallisellen gibts nur noch Fleischli

Die Tankstellenshops sind die neuen Bäckereiläden. Das ist nur ein Teil der Wahrheit, wieso so viele Bäckereien verschwunden sind und verschwinden. Auch die beiden Schweizer Grossverteiler und selbst die prominenten deutschen Discounter, die nach 2005 in die Schweiz drängten, haben heute stark in eine grosse Backwarenabteilung investiert.

Den kleineren reinen Bäckereien bleibt die Flucht nach vorn. Das tut im Zürcher Unterland gerade die Firma Fleischli mit eigenen Bäckerei-Cafés und neuen Konzepten wie dem ersten eigenen Tankstellen-Backladen in Rümlang, wofür er bereits einen Innovationspreis erhielt.

In Wallisellen ist Fleischli inzwischen der einzige verbliebene Bäckereibetrieb im Dorf. Dort hat es einst vier spezialisierte Bäckereiverkaufsstellen, teils auch mit Café, gegeben. Doch die Bäckereibetriebe Hüppi, Naef und Keller sind inzwischen allesamt verschwunden. Überlebt hat nur Fleischli, der zuletzt hinzugekommen ist und im Mittim-Zentrum den wohl teuersten – aber auch am meisten frequentierten – Standort inne hat.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 27.06.2017, 17:28 Uhr

An der Marktgasse in Zürich hat anno 1896 alles begonnen. (Bild: zvg)

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