Eishockey

Der Pokal zierte das Unterland und den Jura

Der EHC Kloten und La Chaux-de-Fonds standen sich gestern erstmals seit 2001 wieder auf dem Eis gegenüber. Aktuell spielen beide Klubs in der zweitobersten Swiss League. Ende der 1960er-Jahre gehörten die Unterländer und die Jurassier zur nationalen Spitze. Die beiden Captains von damals, Peter Lüthi und René Huguenin, schauen zurück.

Peter Lüthi (links) und René Huguenin schauen sich die Eishockeyspiele heute von der Tribüne aus an. Vor 50 Jahren gehörten beide zu den bekanntesten Schweizer Spielern in den Stadien der NLA.
Video: R. Cecchet

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Sie sind beide Rentner. Wie viele Eishockeymatches schauen sie sich heute noch an?
René Huguenin: An den Heimspielen von La Chaux-de-Fonds bin ich regelmässig dabei, ich bin Ehrenmitglied des Klubs. Dazu besuche ich Partien von Fribourg-Gottéron und Lausanne in der NLA und schaue mir viele Spiele im Fernsehen an. Peter Lüthi: Da fällt meine Bilanz ein wenig bescheidener aus. Ich bin zwar auch Ehrenmitglied es EHC Kloten, aber ich gehe noch für 5 bis 6 Heimspiele pro Saison in die Swiss Arena.

Kloten und La Chaux-de-Fonds spielen in der Swiss League. Wie beurteilen sie die sportlicheSituation ihrer Teams?
Huguenin: La Chaux-de-Fonds ist leider auch in der zweitobersten Schweizer Liga im Moment nur Mittelklasse. Uns fehlt es an Sponsorengeldern, deshalb müssen wir uns bei den Transfers zurückhalten und sind so natürlich auch nicht erste Wahl für Spieler. Neben Kloten schätze ich momentan auch die Gegner aus Langenthal, Olten und Ajoje stärker ein als La Chaux-de-Fonds. Wir haben viel Arbeit vor uns, dass wir überhaupt die Playoffs oder gar den Final erreichen. Lüthi: Für mich persönlich war der Abstieg Klotens kein Drama. Erstens kann das jedem Klub passieren und zweitens rangierten wir schon zuvor nur noch im Tabellenkeller. Ich finde, dass Kloten die Swiss League als Aufbauphase nutzen und nicht nur an den sofortigen Wiederaufstieg denken sollte. Der aktuelle NLA-Aufsteiger Rapperswil-Jona tut sich ziemlich schwer. Ich glaube, dass Kloten ohne einen neuen Sponsor à la Walter Frey (ZSC Lions) ähnlich viel Mühe hätte, oben zu bleiben.

Vor 50 Jahren war Kloten – La Chaux-de-Fonds eine ganz andere Affiche, ein NLA-Spitzenspiel nämlich. Wie haben Sie diese Partien in Erinnerung?
Lüthi: Gegen La Chaux-de-Fonds haben wir damals besonders gern gespielt. Die Begegnungen waren sportlich auf hohem Niveau und immer fair, weil wir uns auch neben dem Eis persönlich gut verstanden haben. La Chaux-de-Fonds-Trainer Gaston Pelletier bezeichnete Kloten als das beste Team der Liga, das hat uns natürlich geschmeichelt. Zu den Heimspielen gegen die Jurassier kamen jeweils 6000 bis 7000 Zuschauer... Huguenin: …in die offene Kunsteisbahn (lacht). Ich weiss, dass ich in Kloten immer nur unter freiem Himmel gespielt habe. Jetzt habt ihr endlich ein Dach (zwinkert). Kloten bestand damals wie La Chaux-de-Fonds aus einem Kern mit starken Persönlichkeiten, welche die Jungen mitgezogen hat. In Zürich waren Mitte der 1960er-Jahre überhaupt viele gute Spieler zuhause. Neben Kloten waren auch der ZSC (Meister 1961) und die Grasshoppers (Meister 1966) in der obersten Liga dabei.

Sie waren beide Mannschaftscaptain. Was für eine Erinnerung haben sie von ihrem Gegenüber?
Lüthi: Schlechte (lacht), im positiven Sinn. René Huguenin war ein starker Verteidiger, an dem ich nur schwer vorbei kam, er war ein intelligenter Spieler und ein feiner Mensch, den ich schon damals sehr schätzte. Huguenin: Das Kompliment gebe ich gerne zurück. Peter Lüthi habe ich als typischen Center mit gutem Blick für das Spiel in Erinnerung, er war das Hirn des EHC Kloten. Aber fast noch mehr ist mir mir dein Bruder Ueli im Gedächtnis geblieben. Der hat einmal 5 Tore gegen uns erzielt. Lüthi: Stimmt, das Spiel gewannen wir 6:5. Und vor dem letzten Tor habe ich dir den Puck weg abgeluchst und den Pass gespielt. Ich erinnere mich aber auch an ein Heimspiel, das wir 1:7 gegen euch verloren haben. Wir Kloten-Spieler haben nach der Partie selber laut Musik gemacht, damit alle im Dorf glaubten, dass wir gewonnen hatten. Mein Bruder Ueli spielte Posaune, ich Handörgeli. Huguenin: Wirklich? Diese Geschichte kannte ich noch nicht... Kloten wurde 1967 erstmals Schweizer Meister. Favorit war Genf-Servette. Aber die Unterländer haben sich in der Finalrunde durchgesetzt. Eine Überraschung? Lüthi: Unbedingt. Wir waren damals eine typische Dorfmannschaft mit einem einzigen Spieler, der nicht aus Kloten stammte. Huguenin: Apropos Dorfmannschaft. Da kommt mit eine Anektote in den Sinn. In der damaligen Zeit brachte uns eine Klotenerin bei den Auswärtsspielen bei euch immer Backwaren vorbei. Huguenin: Ich weiss natürlich, wen du meinst. Die Frau hatte früher einmal in La Chaux-de-Fonds gewohnt.

Klotens Paradelinie war die mit den Brudern Ueli und Peter und Cousin Heinz Lüthi. Warum harmonierten sie drei so gut?
Lüthi: Wir haben uns super ergänzt. Ueli war der Reisser, als aktiver 10-Kämpfer ein wahrer Athlet. Heinz war der Arbeiter, hat die Löcher gestopft und konnte leider nur mit mir zusammen gut spielen (schmunzelt). Er hat es später eher erfolglos bei anderen Klubs versucht. Und ich war der Kopf der Linie, der studiert und das Spiele organisiert hat.

Im ersten Spiel der damaligen Finalrunde waren ihr Bruder Urs und sie nicht dabei: Erzählen sie uns warum?
Lüthi: Urs und ich hatten zwei Jahre zuvor in Genf eine Rangelei. Die Genfer Justiz setzte genau auf den Start der Finalrunde 1967 unseren Prozess an. Genützt hat es nichts. Kloten gewann auch ohne uns zwei zum Auftakt gegen Davos, Genf-Servette verlor gegen Visp. Am Ende reichte es uns zur Meisterschaft. Wie haben Sie damals den Meistertitel gefeiert?
Lüthi: In zwei Kapiteln. Im vorletzten Spiel reichte ein Unentschieden gegen La Chaux-de-Fonds zur vorzeitigen Meisterschaft. Wir feierten gemeinsam mit den Jurassiern im Gasthof Löwen. Im letzten Spiel gegen Genf-Servette regnete es hier in Kloten, wo es noch kein Stadiondach gab, wie aus Kübeln. Wir nahmen den Pokal völlig durchnässt entgegen, wir fühlten uns alle um etwa 20 Kilo schwerer.

Ab 1968 startete die bis heute unerreichte NLA-Meisterserie von La Chaux-de-Fonds – sechsmal in Folge. Was war das damaligeGeheimnis ihres Erfolgs?
Huguenin: Ein Grossteil der Mannschaft kannte sich bereits seit dem Juniorenalter, viele dieser Spieler sind lange in La Chaux-de-Fonds geblieben und so zum starken Kollektiv zusammengewachsen. Ich selber hatte ein gutes Angebot von Genf-Servette vorliegen, aber ich wollte nie weg. Mit Gaston Pelletier hatten wir ausserdem einen sehr guten Trainer. Er wohnt heute in der Nähe von Fribourg, ich habe immer noch Kontakt mit ihm.

Der damalige Präsident Charles Frutschi hat Pelletier, der Villars zum Schweizer Meister gemacht hatte, geholt und soll ihm gesagt haben: «Ende Saison steht der Pokal in meinem Büro...»
Huguenin: Stimmt genau! (lacht) Pelletier sollte eigentlich in Genf Trainer werden, seine Frau wollte aber nicht dort hin. So kam Gaston nach La Chaux-de-Fonds – aber nur unter der Bedingung, dass er noch ein paar Spieler verpflichten durfte. Frutschi sagte ebenfalls ja, der Rest ist Geschichte.

Peter Lüthi, wie haben sie das grosse La Chaux-de-Fonds damals als Klotener Spieler wahrgenommen?
Lüthi: Als eine riesige Herausforderung für jede Partie.Andererseits konnten wir jedesmal ohne Druck aufspielen, da eine Niederlage gegen La Chaux-de-Fonds keine Schande darstellte. Das war vielleicht mit ein Grund, dass wir zu dieser Zeit als fast einziges NLA-Team gegen die scheinbar übermächtigen Jurassier gewinnen konnten. Für uns war es in dieser Zeit immer das Spiel der Saison.

Was war im Jura los, als sie sechsmal Meister wurden?
Huguenin: Wir dürfen für uns verbuchen, dass man La Chaux-de-Fonds in der Welt nicht nur wegen den Uhren, sondern auch dank unserem damaligen Team kennt. Wir konnten im Europacup haben gegen bekannte Mannschaften wie Füssen (De), Klagenfurt (Ö) oder Schwedische Klubs antreten, das hat unser Renomée zusätzlich gestärkt.

La Chaux-de-Fonds wurde in der Folge als Meister abgelöst. Von 1980 an verschwand der Klub mehr und mehr aus dem Rampenlicht, 2001 spielte er zuletzt in der NLA. Warum war keine Kontinuität möglich?
Huguenin: Einserseits konnte der Klub budgetmässig nicht mit den «Grossen» mithalten. Andererseits fehlte es an der Juniorenarbeit, auf die erfolgreichen Spieler von damals folgte niemand nach. Der EHC Kloten hat in dieser Hinsicht schon früh alles richtig gemacht. Das ist sicher einer der Gründe, dass die Unterländer 52 Jahre erstklassig blieben. Lüthi: Da hast du Recht. Aber weil auch in Kloten das Geld fehlt, stelle ich eine gewagte Forderung auf. Der EHC müsste vermehrt die Zusammenarbeit mit der ZSC-Organisation suchen. Die Lions haben vielfach mehr gute Spieler, als sie in ihren Teams einsetzen können. 1966 habe ich schon gesagt, Kloten soll mit dem ZSC fusioneren. Da habe ich Morddrohungen erhalten.

Dann kommen wir jetzt besser zum Schluss. Wie werden ihre Klubs in dieser Saison in der Swiss League abschneiden?
Huguenin: Die Playoff-Teilnahme ist das Minimalziel. Ich hoffe wir kommen weiter als nur in die Viertelfinals wie im letzten Jahr. Lüthi: Playoffs, ich sage bewusst nicht Aufstieg. Wenn Kloten nicht aufsteigt, dann aus finanziellen Gründen wohl kein Team. Auch für den EHC wäre es besser erst in ein zwei Jahren, sonst sehe ich nur wenig Chancen, auch oben zu bleiben. (zuonline.ch)

Erstellt: 09.10.2018, 22:00 Uhr

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