Trockenheit

Der Schweizer Christbaum hält sich tapfer

Während in Deutschland derzeit bis zu 50 Prozent der jungen Weihnachtsbäume zu verdorren drohen, ist die Situation in der Schweiz weniger dramatisch. Die Unterländer Züchter scheinen mehr oder weniger glimpflich davonzukommen.

Trotz des völlig ausgetrockneten Bodens ist Landwirt Philip Ogg zuversichtlich, seiner Kundschaft auch in den kommenden Jahren genügend Christbäume zur Auswahl bieten zu können.

Trotz des völlig ausgetrockneten Bodens ist Landwirt Philip Ogg zuversichtlich, seiner Kundschaft auch in den kommenden Jahren genügend Christbäume zur Auswahl bieten zu können. Bild: Paco Carrascosa

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Deutsche Medien sprechen von einem Weihnachtsbaumdebakel, das dem Land in rund zehn Jahren drohen könnte. Dann nämlich sollten die in diesem Jahr gesetzten Jungpflanzen zu stattlichen Weihnachtsbäumen herangewachsen sein. Bloss: Im grossen Kanton verdorrt rund die Hälfte dieser Jungpflanzen zurzeit wegen der Trockenheit.

In Bremen, Hamburg und Niedersachen beklagen einige Erzeuger sogar einen Totalverlust. Philip Ogg, der in Watt bei Regensdorf eine grosse Christbaumplantage betreibt, hat von der Situation in Deutschland gehört. «Im Vergleich dazu dürfen wir uns nicht beklagen», sagt der Landwirt. Seit den 1970er-Jahren pflanzt seine Familie Bäume an. Mittlerweile wachsen auf einer Fläche von 40 000 Quadratmeter rund 28 000 Stück. 2200 davon gelangen jedes Jahr in den Verkauf, oder können dieses Jahr erstmals auf der Plantage selbst geschlagen werden. Mit einem Verkaufsanteil von 90 Prozent liegt die Nordmanntanne dabei ganz deutlich an der Spitze.

Sorte und Technik helfen

«Die Nachfrage nach Schweizer Bäumen steigt seit Jahren kontinuierlich», sagt Ogg. Da ist es wichtig, dass er auch in ein paar Jahren genug Bäume auf den Markt bringen kann. «Wir sind glücklich, dass die Trockenheit bei unseren Bäumen noch keine sichtbaren Spuren hinterlässt.» Das liege einerseits an der Nordmannstanne: «Sie macht tiefe Wurzeln und kommt so besser zu Wasser.

Andererseits setzt man bei Oggs auf eine besondere Setztechnik. Die Jungpflanzen werden mitsamt Ballen in ein kleines Loch platziert, dessen Durchmesser kaum grösser als eine Kaffeetasse ist. «So bleiben die Kapillaren im Boden intakt, und die Pflanze wird rasch mit Wasser versorgt.» Das ist wichtig, denn man könne die Plantage zwar bewässern: «Das ist aber so teuer, dass es sich bald einmal nicht mehr lohnt.»

Zehren vom nassen Frühling

Positiv für seine Bäume sei der aussergewöhnlich nasse Frühling gewesen: «Die Pflanzen wachsen in dieser Jahreszeit. Zudem profitieren sie vermutlich noch heute von der Restfeuchte im Boden.» Auch, dass der Spätfrost dieses Jahr ausblieb, sei ihnen zuträglich gewesen: «Es sind keine Triebe abgefroren.» Noch sei das Jahr aber nicht fertig, betont Ogg. Eines könne mit Sicherheit gesagt werden: «Trockenheit bedeutet Stress für die Pflanzen. Das macht sich anfälliger für Pilze und Krankheiten.» Dennoch ist Ogg zuversichtlich, dass er seinen Kunden auch in zehn Jahren eine ausreichende Zahl stattlicher Bäume anbieten kann.

Ein weiterer grosser Christbaumproduzent im Unterland ist Familie Baur in Rafz. 2008 hat sie mit der Baumzucht auf ihrem landwirtschaftlichen Hof Eichrüti begonnen. Mittlerweise wachsen dort auf 20000 Quadratmetern elf verschiedene Tannenbaumsorten. Die Familie verkauft sie jeweils vor Weihnachten sowohl direkt ab Hof als auch an Wiederverkäufer. Nicht allen seiner rund 18 000 Bäume habe die Trockenheit und Hitze gleichermassen zugesetzt, sagt Armin Baur.

Die Jungen kämpfen

«Am meisten leiden die jungen Bäume und die Flachwurzler, also Weisstannen und Fichten.» Den älteren Bäumen hat der Hitzesommer dagegen nicht viel anhaben können: «Die sechs- bis achtjährigen Bäume werden den Sommer überstehen», erklärt Baur. In der Weihnachtszeit 2018 wird also in Rafz die gewohnte Anzahl Bäume geerntet werden können. Schwieriger könnte es in ein paar Jahren aussehen, wenn der nun durch die Hitze dezimierte Bestand auf den Markt kommt. «Dann könnten die Preise steigen», prophezeit Baur.

Ein Ausweichen auf Produkte aus dem Ausland dürfte auch schwierig werden: «Dieses Jahr leidet man ja weitherum unter Hitze und Trockenheit.» Auch er bewässert seine Bäume nicht. Der Platzregen von anfangs Woche war gemäss Baur zwar «besser als nichts». Für eine Entspannung müsste es nun jedoch mindestens eine Woche ausdauernd regnen.

Noch nicht ausgestanden

Eine genaue Übersicht über Ausfälle und Schäden bei den Christbäumen in der Schweiz habe man noch nicht, sagt Philipp Gut von der IG Suisse Christbaum (siehe Kasten). «Es sind aber nicht alle Landesteile gleich betroffen.» Mancherorts, wie im westlichen Mittelland, sind kaum oder wenig Schäden sichtbar. Möglicherweise leidet die Nadelqualität etwas, aber sonst sind die meisten Christbäume Tiefwurzler, die weniger an der Trockenheit leiden als andere Pflanzen. Bewässern können nur ganz wenige Produzenten.

Ausfälle werde es in gewissen Gegenden vor allem bei den im Frühjahr gepflanzten Bäumen geben. Die im Herbst gesetzten Bäume dürften weniger Schaden nehmen. «Eine massive Verknappung in sechs bis acht Jahren erwarten wir trotzdem nicht.» Man könne aber nicht sagen, was in einem Monat sein werde. Wenn es in den nächsten Tagen und Wochen weiterhin so wenig regnet, könnte sich die Situation ändern. «Dann werden wir aber andere Probleme haben, als fehlende Christbäume», sagt Gut.

Erstellt: 17.08.2018, 16:57 Uhr

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