Regensdorf

«Der Surfpark ist ein reines Prestige- und Luxusprojekt»

Längst nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner von Regensdorf sind einverstanden mit dem geplanten Mega-Projekt von waveup. Die Gegner sind der Meinung, dass der Surfpark keinen Mehrnutzen für die Gemeinde hat.

Nicht alle Regensdorferinnen und Regensdorfer würden sich über die Surfer in ihrer Gemeinde freuen.

Nicht alle Regensdorferinnen und Regensdorfer würden sich über die Surfer in ihrer Gemeinde freuen. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ernst Guggenbühl wohnt im Quartier Hofacker direkt neben der Sportanlage Wisacher. Ganz in der Nähe von seiner Wohnung soll der Surfpark zu stehen kommen. Er wehrt sich gegen das Projekt. «Wird der Park ein Flop haben wir einen ungenutzten See mitten in Regensdorf. Schlägt er wiederum ein wie eine Bombe, müssen wir Anwohner mit den entsprechenden Emissionen Leben.» Gegen einen Surfsee an sich, hätte Guggenbühl nichts einzuwenden. Dieser solle aber nicht nahe eines Wohnquartiers, sondern viel eher in einem Industriegebiet oder bei einem bestehenden Gewässer gebaut werden.

Aus den Referenz- und Durchschnittszahlen, die in der Projektdokumentation genannt werden, schliesst Guggenbühl, dass es in Regensdorf lediglich rund 100 potentielle Surfer gibt. «Demgegenüber tragen 1500 Anwohner das Risiko von Lärm, Verkehr und Wertverminderungen ihrer Liegenschaften.» Das sei ein klares Missverhältnis. Die Gemeinde habe den Anwohnern zwar einen Wertgewinn ihrer Liegenschaften versprochen. «Ich rechne hingegen mit einem Verlust von 20 Prozent», meint Guggenbühl.

Kein Mehrnutzenfür die Gemeinde

Hinter dem Projekt steht der Verein waveup, welcher vor sieben Jahren mit der Planung begann. Auf der Website heisst es: «Wir möchten Regensdorf mit dem Freizeit- und Surfpark zum einzigartigen Naherholungsgebiet machen. Verschiedenste Sportarten wie Wellensurfen, Volleyball, Biken, Klettern und Spazieren finden in Kombination mit Lehrpfaden ein neues Zuhause für Jung und Älter.» Für den Anwohner ist klar: «Mit dem Nebenpark will man der Bevölkerung das Projekt schmackhaft machen. Dies ist aber nur ein kleiner Teil, für den man trotzdem Eintritt bezahlen muss, wenn man nicht in Regensdorf wohnt.»

Ernst Guggenbühl hat in seinem Beruf während 40 Jahren verschiedenste Projekte und Geschäfte analysiert und deren Rentabilität geprüft. «In den Surfpark würde ich keinen Rappen investieren.» Wirtschaftlich habe das Projekt keine Chance.

Zu den Surfpark-Gegnern gehört auch Hans Frei. Der ehemalige SVP-Kantonsrat war bis im Jahr 2006 auch Mitglied im Regensdorfer Gemeinderat. «Ich konnte das Projekt raumplanerisch von Anfang an nicht einordnen», sagt er. Es könne nicht sein, dass in einer Erholungszone eine Anlage zu stehen kommt, welche von privaten Investoren kostendeckend kantonsweit bewirtschaftet werden muss. «Von einem Mehrnutzen für die Region kann deshalb nicht die Rede sein.»

Laut Frei bestehe ein Fünftel der Gemeindefläche von Regensdorf aus Wald. Deshalb sei es unnötig, extra einen Naturpark zu bauen. «Kommt hinzu, dass mit dem Surfsee kein Breitensportangebot abgedeckt wird.»

Verkehrssituation sorgtweiterhin für Gesprächsstoff

In der ganzen Diskussion um den Surfpark bereitet den Gegnern der Verkehr die grössten Sorgen. Frei sagt: «Es dürfte schwierig sein, das Verkehrsaufkommen richtig einzuschätzen.» So komme es an schönen Sommertagen trotz Parkhaus mit 300 kostenpflichtigen Parkplätzen zu Überbelegungen. «Das führt dann auch für die zahlreichen Sportvereine, die in der Sportanlage Wisacher angesiedelt sind, zu Einschränkungen.»

Ernst Guggenbühl sieht im Verkehrsaufkommen ebenfalls ein Problem. «Viele Leute wollen nicht für Parkplätze bezahlen und werden deshalb in den Quartieren nach kostenlosen Plätzen suchen.» Sei das Parkhaus beim Wisacher voll, lagere sich der Verkehr dann ohnehin in die Quartiere aus. «Bei uns im Hofacker kann man dieses Verhalten zum Beispiel während der Furttalmesse bereits jetzt beobachten.»

Sowohl Ernst Guggenbühl, als auch Hans Frei werden heute bei einem Podium im Mövenpick die Seite der Surfpark-Gegner vertreten. «Bisher wurde stets sehr emotional auf unsere Argumente reagiert. Das zeigt mir, dass bei den Befürwortern eine gewisse Unsicherheit herrscht», sagt Guggenbühl. Er empfindet es als störend, dass sich der Gemeinderat derart für das Projekt einsetzt und nicht neutral auftritt.

Das Podium ist die letzte Chance, die Bürger vor der Gemeindeversammlung auf eine Seite zu ziehen. Hans Frei sagt: «Ich kann die Gegnerschaft zurzeit schlecht einschätzen. Aber wir müssen die Themen jetzt ansprechen, damit jeder sein eigenes Urteil fällen kann.»

Erstellt: 12.03.2019, 18:21 Uhr

Artikel zum Thema

Surfpark-Initiant aus gutem Haus

Regensdorf Der geplante Surfpark wird privat finanziert. Genaue Angaben machen die Verantwortlichen noch keine. Der Verwaltungsratspräsident der Waveup Creations AG ist ein Nachkomme des Geberit-Gründers. Mehr...

Sportvereine unterstützen das Surfpark-Projekt

Regensdorf Der Surfpark soll direkt neben der Sportanlage Wisacher gebaut werden. Die meisten Vereine, welche heute dort trainieren, sind dem Megaprojekt positiv gesinnt. Mehr...

Landschaftsarchitekt Enea plant einen Surfpark ohne Palmen

Regensdorf Die Handschrift des Schweizer Landschaftsarchitekten und leidenschaftlichen Surfers Enzo Enea könnte bald auch in Regensdorf erkennbar sein: Er will seine Ideen in der geplanten Freizeitanlage samt Surfsee verwirklichen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles