Regensdorf

«Der Surfpark schafft 80 Arbeitsplätze und ist ein Mehrwert für die Region»

Waveup will über die Hälfte des Energie-bedarfs aus selbst erzeugtem, nachhaltigem Strom decken. Die Gemeinde Regensdorf dürfte sich derweil über mehr Steuereinnahmen freuen.

Für eine Surflektion rechnet  Waveup voraussichtlich mit einem Grundpreis von 100 Franken pro Stunde. Ab sieben Personen sollen Gruppenrabatte möglich sein.

Für eine Surflektion rechnet Waveup voraussichtlich mit einem Grundpreis von 100 Franken pro Stunde. Ab sieben Personen sollen Gruppenrabatte möglich sein. Bild: PD

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Das Unternehmen «Waveup Creations AG» hat die Wahl zwischen mehreren Systemen zur Wellenerzeugung. «Die von uns derzeit näher geprüfte Techno­logie kann als hydraulisches System bezeichnet werden», sagt Cyrill Gebert, Präsident des Verwaltungsrats.

Bei dieser Variante treiben Elektromotoren hydraulische Zylinder an, die wiederum im Wasser befindliche, vertikal angeordnete Platten vor- und zurückschieben und so die Wassermasse in Bewegung setzen. «Durch den schlangenförmigen Bewegungsablauf dieser Platten und die spezielle Wölbung des Beckengrundes stellt sich die Wasserenergie auf und beginnt in der von uns gewünschten Art zu brechen», erklärt Gebert.

Hohe Wasserqualität

Platten, die sich unter Wasser verschieben: Ist das nicht gefährlich für Surfer, die ins Wasser ­fallen? – «Nein», beschwichtigt ­Gebert, «die Platten sind hinter einer Wand versteckt.»

«Das Wasser beziehen wir vom Leitungsnetz der Stadt Zürich. Es hat demnach Trinkwasserqualität.»Cyrill Gebert, Präsident Verwaltungsrat

Das Becken ist an der tiefsten Stelle zweieinhalb bis drei Meter tief. «Das Wasser beziehen wir vom Leitungsnetz der Stadt Zürich. Es hat demnach Trinkwasserqualität.» Das Wasser soll kristallklar sein. Damit die Anforderungen an die Wasserqualität ­erfüllt sind, steht Waveup mit kantonalen und kommunalen Ämtern in Kontakt. «Wir wollen eine hohe, den schweizerischen Ansprüchen genügende Wasserqualität erreichen.»

Reinigungsroboter, wie man sie von Freibädern oder Swimmingpools kennt, säubern das Becken fortlaufend. «Überdies werden wir von Zeit zu Zeit eine manuelle Reinigung der Beckenoberfläche durchführen.»

Auch im Winter in Betrieb

Die Surfanlage soll auch in den kälteren Monaten in Betrieb sein. Aus energetischen und umwelttechnischen Gründen verzichten die Projektplaner aber auf eine künstliche Erwärmung des Wassers. «Derzeit prüfen wir, ob wir die Abwärme des Wellenerzeugungssystems für die Erwärmung nutzen können.» Da das Wasser während der Betriebszeit regelmässig in Bewegung ist, sollte sich auf der Oberfläche kein Eis bilden.

«Wir er­stellen zusammen mit unserem Partner ‹Energie 360°› ein fortschrittliches und nachhaltiges Energieversorgungskonzept, das in erster Linie auf Fotovoltaik setzen wird.»Cyrill Gebert, Präsident Verwaltungsrat

Die Energiekosten für den Betrieb der Surfanlage machen einen Zehntel der Kosten des Gesamtbetriebs aus. Ein Kernkraftwerk muss in Regensdorf aber nicht gebaut werden. «Wir er­stellen zusammen mit unserem Partner ‹Energie 360°› ein fortschrittliches und nachhaltiges Energieversorgungskonzept, das in erster Linie auf Fotovoltaik setzen wird.» Ziel sei, 60 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus selbst erzeugtem, nachhaltigem Strom zu decken.

Privat finanziert

Die Gesamtkosten für den Surfpark belaufen sich auf 25 bis 30 Millionen Franken. Da es sich um ein privat finanziertes Projekt handelt, müssen sich die Regensdorfer nicht vor einer Erhöhung des Steuerfusses fürchten. «Die noch zu gründende ‹Waveup Betriebs AG› (Name noch nicht de­finitiv) wird ihren Sitz in Regensdorf haben, was zu einer Erhöhung der Steuereinnahmen führen wird», sagt Gebert. «Dazu werden wir rund 80 Arbeitsplätze sowie einen Mehrwert für die ­Bevölkerung und die Wirtschaftsregion Furttal schaffen.»

Bei möglichen Investoren sei Waveup auf ein positives Echo gestossen. Der Kanton beteiligt sich finanziell nicht am Projekt. «Es liegt uns jedoch eine Absichtserklärung seitens der Sicherheitsdirektion vor, welche einen Beitrag von maximal 15 Prozent an die benötigte Sportinfrastruktur auslösen könnte.» Es handle sich dabei um einen sogenannten Kasak-Beitrag des kantonalen Sportfonds, der zu einem grossen Teil über Mittel des Lotteriefonds geäufnet werde. Der Regierungsrat muss noch über das Geschäft befinden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 11.10.2018, 17:37 Uhr

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Kosten, Besucherzahlen und Parkplätze: Die Pläne

Das Projekt Waveup wirft viele Fragen auf. Einige davon sind bereits beantwortet – etwa jene nach dem Verkehrsaufkommen, den Parkierungsmöglichkeiten oder der Anzahl Besucher. Auch woher das Wasser kommen soll, ist nun ziemlich klar. Dieser Punkt ist auch schon im Kantonsrat diskutiert worden.

Was kostet es? Der Surfpark wird privat finanziert – der Kanton Zürich wird sich an den Investitionskosten für die reinen Sportanlagen voraussichtlich mit 15 Prozent beteiligen. Ein entsprechendes Begehren des kantonalen Sportdirektors Mario Fehr an den Regierungsrat ist vorbereitet. Der Eintritt soll für Einwohner der Gemeinde Regensdorf gratis sein. Wer die Sport-Infrastruktur nutzen möchte, muss dafür aber bezahlen. Max Walter: «Man kann das vergleichen mit der Sportanlage Erlen in Dielsdorf oder einer Minigolfanlage. Dort bezahlen die Gäste ja auch für die Benutzung.» Alle anderen bezahlen Eintritt, können diesen aber voraussichtlich an einer Konsumation im Restaurant anrechnen lassen.

Wer soll kommen? In der Schweiz soll es laut einer Studie bereits rund 50 000 Surfer geben. Dazu sollen Surfer aus ganz Europa angezogen werden, denn die Anlage in Regensdorf soll die erste dieser Art auf Festland in Europa werden. Rund 10 Prozent der Benutzer sollen Surf-Profis sein. Der Rest sind erfahrungsgemäss Hobbysurfer, Familien und Schulklassen. Die Profis können dank den künstlich erzeugten Wellen viel intensiver trainieren als auf dem Meer, wo alles wetterabhängig ist. Auch Wettkämpfe mit TV-Live-Übertragung sind denkbar. Surfanlagen mit künstlichen Wellen bestehen bereits in Spanien und in England. Sie sind aber weniger gross oder anders konzipiert. Weitere Surfparks sind in der Nähe Hamburgs, in Berlin und bei Kitzbühel geplant.

Wie reisen die Besucher an? Die Anreise der Surfer soll zur Hälfte per öffentliche Verkehrsmittel erfolgen. Seitens der Gemeinde Regensdorf orientiert man sich an einem Modalsplit von 25 zu 75 Prozent – jeder Vierte soll also per ÖV anreisen. Die Betreiber streben 50:50 an. Erreicht werden soll diese Zahl mit Massnahmen wie vergünstigten Eintrittspreisen für alle, die per ÖV kommen oder Belohnungen für Mitarbeitende – es sollen bis zu 80 sein –, die ebenfalls per ÖV anreisen. Die Surf-Ausrüstung kann im Park gemietet werden. Für Gäste, die in der Nähe übernachten und mit eigenem Brett kommen, sind zudem Velos mit Spezial-Haltevorrichtung für die Surfboards denkbar.

Wo parkieren die Besucher? Gerechnet wird mit 600 Besuchern pro Tag. Max Walter vergleicht mit dem Zentrum Regensdorf, wo es 11 000 sind. Wenn der vorgesehene Modalsplit von 50 zu 50 erreicht wird, reisen 300 Besucher pro Tag per Privatauto an. Für sie ist ein Parkhaus geplant, das den Parkplatz bei der Sportanlage Wisacher ergänzen und die dortige Parkplatz-Situation entschärfen soll. Das Parkhaus soll über die Strasse gebaut werden – der geplante autonome Bus wird unter dem Parkhaus durchfahren. Parkieren ist kostenpflichtig. Das Parkhaus benötigt noch eine Konzession, bevor es betrieben werden kann.

Wie laut wird es? Der Lärm soll bei den nächstgelegenen Wohnungen bei maximal 40 Dezibel liegen. Laut Max Walter ist das etwa so laut wie ein leiser Geschirrspüler. Die Berechnung basiert auf flachem Gelände. Wird der Surfsee ausgehoben, fällt relativ viel Material an, das noch zur Geländemodellierung verwendet werden könnte – was zusätzlich dämpfend wirken würde. Der Lärm entsteht durch den Wellen-Generator. Das Gelände soll auch bei grösseren Veranstaltungen nicht grossflächig beschallt werden.

Woher kommt das Wasser? Die Frage nach dem Wasser ist vom Steinmaurer Robert Brunner in den Kantonsrat getragen worden. Denkbar waren eine Entnahme von einem Betrieb, der ohnehin laufend das Grundwasser abpumpen muss, aus der Limmat oder aus den bestehenden Leitungen aus Zürich. Die von Brunner kritisch hinterfragte Variante Grundwasser erwies sich als zu teuer. Eine Entnahme aus dem Furtbach ist nicht möglich – auch Bauern dürfen dort kein Wasser mehr abzweigen. Sie erhalten Limmat-Wasser. Weil dieses für die Landwirte subventioniert ist, hätte sich am Ende eine komplizierte Mischrechung ergeben. Deshalb wird Wasser aus den Leitungen aus der Stadt Zürich bezogen. Einmal jährlich wird es aus dem Surfsee abgelassen, um die Anlage zu reinigen. Denkbar sind Speichertanks. Max Walter: «Sie können nicht 50 Kubikmeter pro Minute in den Furtbach pumpen. Da würde es vieles wegspülen – zum Beispiel gewisse Muschelarten.» Martin Liebrich

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