Unihockey

Der Volvo bringt letzte Verstärkung

Die Kloten-Dietlikon Jets erhalten für die Mission Titelverteidigung Unterstützung von zwei schwedischen Weltmeisterinnen, die erst kurz vor Saisonstart angerollt kamen und sich in Dietlikon doch schon wie zu Hause fühlen.

An diesem fröhlichen Quartett sollen sich in der anstehenden NLA-Saison die Konkurrentinnen die Zähne ausbeissen: Die Jets-Söldnerinnen Hana Koní?ková, Natálie Martináková, Alice Granstedt und und Iza Rydfjäll (von links) vor der Dietliker Hüenerweidhalle.

An diesem fröhlichen Quartett sollen sich in der anstehenden NLA-Saison die Konkurrentinnen die Zähne ausbeissen: Die Jets-Söldnerinnen Hana Koní?ková, Natálie Martináková, Alice Granstedt und und Iza Rydfjäll (von links) vor der Dietliker Hüenerweidhalle. Bild: Urs Brunner

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Er hätte sie mit seinem Volvo gerne ein paar Wochen früher vom Flughafen abgeholt. Doch nun, drei Tage vor Saisonstart, sind Iza Rydfjäll und Alice Granstedt da, und Sportchef Antti Uimonen ist zufrieden. Er sagt: «Uns ist mit diesen Verpflichtungen ein Coup gelungen.»

Auch die zwei Schwedinnen sind bestens gelaunt, als sie kurz vor ihrem ersten Training in der Dietliker Hüenerweid erzählen, wie viel Schweden sie bei ihrer Ankunft in der Schweiz angetroffen haben. Zuerst wurden sie von einem Auto heimatlicher Marke zu ihrer neuen WG in Brüttisellen chauffiert, und von dort ging es mit den neuen Mitbewohnerinnen auch gleich weiter zu Ikea. «Wir haben zuerst ein Würstchen gegessen, das fühlte sich an wie zu Hause», sagt Alice Granstedt, die Jüngere und um einen Kopf Kleinere der beiden, lachend. Iza Rydfjäll schaut derweil grinsend auf den blau-gelben Dietliker Dress, den sie sich kurz zuvor für den Fototermin ein erstes Mal übergestreift hat, und meint: «Auch die Farben passen.»

Turbo-Integration vonnöten

Dass die Toptransfers der Jets erst wenige Tage vor der ersten NLA-Runde zum Team gestossen sind, ist alles andere als ideal, liess sich aber nicht verhindern. Da Rydfjäll und Granstedt den Vertrag mit den Jets erst im Mai unterzeichnet haben, waren sie bis im Herbst an ihre Arbeitsverträge in Schweden gebunden. Cheftrainer Jürg Kihm obliegt nun die diffizile Aufgabe, die beiden Schwedinnen schnellstmöglich in die Mannschaft zu integrieren, ohne dass sich die ihm wichtige «Teamhygiene», wie er das emotionale Zusammenspiel innerhalb des Kaders nennt, verschlechtert. Er stellt aber auch klar: «Nur weil sie später gekommen sind, werden sie jetzt nicht auf der Bank sitzen. Die Besten sollen spielen.» Und Rydfjäll und Granstedt gehören nun einmal zu den Weltbesten.

Beide sind zuletzt mehrere Jahre für den schwedischen Topverein Iksu aus Umea aufgelaufen. Verteidigerin Rydfjäll bringt als dreifache Weltmeisterin viel Routine und Erfahrung mit. Und Center Granstedt, obwohl erst 21 Jahre alt, war beim letzten Titelgewinn Schwedens 2017 ebenfalls schon dabei. Das sagt alles über ihr herausragendes Talent und erklärt, warum die Jets die spielintelligente Schwedin schon länger umworben haben.

Hochkarätiges Quartett

Die 1:7-Niederlage gegen die ebenso beständigen wie langjährigen Rivalinnen aus Chur im Supercup Anfang September hat nichts daran geändert, dass Antti Uimonen sagt: «Wir wollen wieder Meister werden.» Zwar bewertet der Sportchef die Liga ausgeglichener als letzte Saison – neben Chur dürften sich seiner Meinung nach auch Skorpion Emmental Zollbrück und Berner Oberland Chancen auf eine Superfinal-Teilnahme ausrechnen –, doch er bleibt dabei: «Wenn sich unsere Spielerinnen finden, dann sind wir schwer zu knacken.»

Neben der Schweizer Fraktion, gespickt mit fünf Nationalspielerinnen, führen die amtierenden Meisterinnen auch das stärkste Ausländerinnenquartett der Liga ins Feld. Wie die beiden Schwedinnen ist auch die tschechische Internationale Hana Koní?ková neu bei den Jets. Von den letztjährigen Söldnerinnen geblieben ist nur die technisch versierte Tschechin Natálie Martináková, die für zwei weitere Saisons unterschrieben hat. Das ist bemerkenswert, denn abgesehen von der schwedischen Stürmerin Petra Weiss (4 Saisons) und dem nordischen Trio Lundström/Mertsalmi/Sundholm (2 Saisons) ist in den vergangenen zehn Jahren keine Ausländerin länger als ein Jahr in Dietlikon geblieben. Die Gründe dafür waren vielfältig. «Jede Spielerin hatte ihre eigene Geschichte», sagt Uimonen, und doch spricht auch er von einer «grundsätzlichen Schwierigkeit», im Schweizer Frauenunihockey Kontinuität auf den Ausländerinnenpositionen herzustellen. Das hat abgesehen von den persönlichen Beweggründen sicher damit zu tun, dass alle Akteurinnen, auch jene der führenden Nationen Finnland und Schweden, nebenbei noch einer Erwerbsarbeit nachgehen. Ohne Profistatus bedeuten Aufenthalte im Ausland einen Unterbruch in der beruflichen Karriere. «Das wagt kaum eine für längere Zeit», stellt Uimonen fest.

Hunger auf mehr

Auch Iza Rydfjäll und Alice Granstedt haben sich den Jets nur für ein Jahr verpflichtet. Aber der Sportchef scheint nicht ganz hoffnungslos. «Dass sie gerade jetzt zu uns gekommen sind, in einem WM-Jahr, in dem sich die Spielerinnen eigentlich mit Vorliebe im Heimatland den Naticoachs zeigen, ist ein gutes Zeichen.» Positiv deuten lässt sich womöglich auch, dass Iza Rydfjälls erste Worte auf Schweizerdeutsch «en Guete» sind. Hunger scheinen sie also zu haben, diese Schwedinnen – und das wohl nicht nur auf Würstchen von Ikea.

Erstellt: 13.09.2019, 18:08 Uhr

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Kader

Kloten-Dietlikon Jets (Frauen NLA)

Staff: Jürg Kihm (Cheftrainer/neu, Zug, NLA), Stefan Jakob (Assistenztrainer, Zug, NLA), Rico Polo (Assistenztrainer), Corado Bühler (Torhütertrainer), Antti Uimonen, Mark A. Rebsamen (Sportchef). – Tor: Monika Schmid, Livia Werz (Frauenfeld, NLA). – Verteidigung: Luzia Kesser (Red Ants, NLA), Kassandra Luck, Hana Koní?ková (Liberec, CZE), Seraina Zwissler, Tanja Stella, Tanja Bühler, Iza Rydfjäll (IKSU, SWE) – Sturm: Natalie Schürpf, Michelle Wiki, Rahel Rieder, Deborah Frei, Natálie Martináková (CZE), Eveline Ackermann, Julia Suter, Isabelle Gerig, Christelle Wohlhauser, Nina Metzge, Alice Granstedt (IKSU, SWE). – Abgänge: Andrea Gämperli (Malmö, SSL), Katarina Klapitová (Chur, NLA), Laura Bürgi und Linda Pedrazzoli (beide Rücktritt), Elsa Frisk und Ellenor Bengtsson (beide zurück nach Schweden).

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