Energie

Der Wind bläst Geld in die Kantonskasse

Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich verdienen mit Windparks im Ausland jährlich Millionen. Obwohl der Kanton finanziell profitiert, ist der Regierungsrat gegen den Ausbau des Geschäfts.

EKZ-Windkraftanlage in Deutschland. Von den Erträgen fliesst künftig auch ein Teil in die Kantonskasse. Foto: EKZ

EKZ-Windkraftanlage in Deutschland. Von den Erträgen fliesst künftig auch ein Teil in die Kantonskasse. Foto: EKZ

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Geschäftsmodell ist bei vielen Schweizer Stromkonzernen beliebt: Sie haben in den vergangenen Jahren haufenweise Windkraftanlagen in europäischen Ländern gekauft, weil diese eine gute Rendite abwerfen. Ermöglicht wird die Rendite meist von relativ hohen Einspeisevergütungen, welche die Windparkbetreiber erhalten. Die Zeche bezahlen müssen in der Regel die Stromkonsumenten des jeweiligen Landes, welche die Subventionen für die Windkraft finanzieren.

Physikalisch gesehen erreicht der dort produzierte Strom das Schweizer Netz in den allermeisten Fällen nicht, es handelt sich also um reine Finanzanlagen. Auch die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) haben sich seit 2011 an einigen Windparks beteiligt oder sie gleich ganz gekauft.

Dem Zürcher Regierungsrat ist das ein Dorn im Auge - in seiner Eigentümerstrategie fordert er, das Geschäft nicht weiter auszubauen. Dies, weil es nicht dazu beitrage, das wichtigste Unternehmensziel zu erreichen: eine sichere und wirtschaftliche Stromversorgung im Kanton Zürich.

Vorgabe ignoriert

Zudem ist der Kanton auch grösster Aktionär der Axpo, die im Geschäft mit der Windkraft ebenfalls mitmischt. Aus Sicht des Regierungsrats ist das eine unerwünschte Doppelspurigkeit. Die EKZ sollen sich daher auf das Stromnetz- und die -versorgung konzentrieren, die Axpo auf die Stromerzeugung. Soweit die Theorie.

Der Verwaltungsrat der EKZ, der vom Kantonsrat gewählt und damit wie der Regierungsrat demokratisch gut legitimiert ist, sieht das jedoch anders. Das Unternehmen setzt sich deshalb einfach über die Vorgabe in der Eigentümerstrategie hinweg. Auch im Geschäftsjahr 2017/18 haben die EKZ wieder in Windkraftanlagen investiert. Der Buchwert aller Beteiligungen beläuft sich mittlerweile auf rund 330 Millionen Franken, teilt EKZ-Mediensprecher Christian Schwarz auf Anfrage mit.

Der Regierungsrat kritisiert die Zukäufe in seinem kürzlich publizierten «Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie». Der Konflikt ist nicht neu, beide Seiten scheinen sich mittlerweile mit der Meinungsverschiedenheit in diesem Bereich abgefunden zu haben.

EKZ muss neu Geld abliefern

Neu ist jedoch, dass die EKZ nächstes Jahr erstmals eine Gewinnbeteiligung an den Kanton ausschütten müssen. In den ersten drei Jahren beträgt diese je 30 Millionen Franken. Woher kommt das Geld? Steigen die Strompreise, damit der Kanton zu seinem Geld kommt? Oder helfen die Erträge aus dem Ausland, genau dies zu verhindern? «Die Erträge aus den genannten Investitionen haben zur Zeit keinen Einfluss auf die Strompreise, wohl aber auf die Gewinnausschüttung», sagt Schwarz. Hält man sich die Dimensionen vor Augen, ist der Anteil tatsächlich bedeutend: Laut Schwarz erzielen die Anlagen je nach Land eine Rendite von mehr als 5,5 Prozent über die gesamte Laufzeit. Bei Beteiligungen in der Höhe von 330 Millionen Franken wären das über 18 Millionen Franken jährlich. Damit können die EKZ einen guten Teil der Gewinnausschüttung abdecken.

Für die EKZ-Kunden dürfte es von Vorteil sein, dass die Windkraft weiterhin das Geld ausländischer Stromkonsumenten in die Kantonskasse bläst. Andernfalls könnten die Zürcher Stromkonsumenten auf die eine oder andere Art zur Kasse gebeten werden, sei es über einen höheren Strompreis, einen tieferen Kundenbonus oder tiefere jährliche Ausschüttungen an die Gemeinden.

Erstellt: 17.10.2019, 18:23 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.