Bülach

Die Bülacher Claro-Ära endet

Eine traurige Nachricht für Unterländer Bio-Liebhaber und -Liebhaberinnen: Das «Pro-Mitenand»-Lädeli Claro schliesst Mitte Jahr seine Türen. Der Betrieb, der sich für fairen und nachhaltigen Handel einsetzt, kann sich finanziell nicht mehr halten.

Mitte Jahr schliessst  der Claro-Laden: Einen Grund dafür sieht Verkaufsleiterin Christine Véron im verändertern Konsumverhalten der Kunden.

Mitte Jahr schliessst der Claro-Laden: Einen Grund dafür sieht Verkaufsleiterin Christine Véron im verändertern Konsumverhalten der Kunden. Bild: Leo Wyden

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Erst letztes Jahr liess der Bülacher Claro Fairtrade-Laden die Bio-Korken knallen: Das Geschäft feierte seinen 40. Geburtstag – und demonstrierte damit nicht ohne Stolz, dass ein hehres Ziel erreicht war: Fairer Handel und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Zahlreiche Fairtrade-Produkte kann man inzwischen auch bei Grossverteilern oder online bestellen. Für kleine Geschäfte, wie Claro sie in der ganzen Schweiz betreibt, hat dies eine Kehrseite: Die Kundschaft wandert genau dorthin ab.

Einer der Ersten schweizweit

«Wir mussten in den vergangenen Jahren starke Umsatzrückgänge und stetig steigende Verluste verzeichnen», sagt Barbara Gugerli-Dolder, Co-Präsidentin des Vereins Pro Mitenandlade Bülach, der den Claro Fair Trade Shop seit 1977 betreibt. Der Laden könne sich nicht weiter tragen, weshalb die Generalversammlung Ende März die Schliessung auf Mitte Jahr beschlossen hat. «Wir bedauern diesen Entscheid sehr», sagt auch Christine Véron, die seit 2015 im Laden arbeitet und ab Juni 2016 die Leitung übernommen hat.

Der Bülacher Claro-Laden war einer der ersten in der Schweiz. Er wurde 1977 an der Marktgasse eröffnet, in einer Zeit, in der die Fair Trade-Bewegung im Aufwind war. 1990 zog der «claro-Mitenand-Lade» an seinen jetzigen Standort. Wer hier einkauft, soll sicher gehen können, dass die Produkte fair gehandelt sind. Den Produzentinnen und Produzenten – mehrheitlich aus dem globalen Süden – wird ein bestimmter Mindestpreis bezahlt, mit dem auch bei niedrigeren Marktpreisen ein höheres, verlässlicheres Einkommen ermöglicht werden soll. Das bedeutet Sicherheit und Unabhängigkeit.

Vor allem Kaffee und Schokolade seien bis heute ein beliebter Teil des Sortiments, sagt Véron. Zusammen mit Nüssen, Reis und Honig bilden sie die Kernprodukte, die Claro selber betreut. Auch handwerkliche Produkte wie Taschen, Schmuck oder Kinderspielsachen seien gut gelaufen. Textilien und Kosmetik seien dagegen im letzten Jahr stark rückläufig gewesen. «Wir haben uns in den letzten Jahren als Geschenkeladen positioniert», erklärt Véron.

Viel für Präsenz unternommen

Am Engagement des Vereins und des Ladenteams könne es kaum liegen, dass das Geschäft nun schliessen muss, sagt Gugerli-Dolder: «Wir haben uns extrem Mühe gegeben und in den vergangenen Jahren viel unternommen, um in Bülach präsent zu sein.» Der Verein führte nicht nur den Laden, sondern war auch an vielen Bülacher Anlässen aktiv, darunter am Umwelttag, am Kürbisfestival, am Basar der Reformierten Kirchgemeinde und am Nachtwächter-Anlass. 2014 unterstützte er den Frauentag, und zum Jubiläum letztes Jahr organisierte er gleich zwei Veranstaltungen.

Dass die Kundschaft trotzdem ausbleibt, erklären sich die zwei Frauen anders. Der erste Grund: die Überalterung derjenigen, die den Laden teils über Jahrzehnte hinweg regelmässig besuchten. «Sehr viele sind mit unserem Laden alt geworden», schildert Véron. «Umgekehrt ist nicht viel junge Kundschaft nachgekommen – vor allem 30- bis 40-Jährige fehlen effektiv.»

«Sehr viele sind mit unserem Laden alt geworden. Umgekehrt ist nicht viel junge Kundschaft nachgekommen – vor allem 30- bis 40-Jährige fehlen effektiv.»Christine Véron, Betriebsleiterin

Der zweite: der Einzug des Bio-Supermarkts Alnatura im Sonnenhof. «Alnatura vertreibt auch Claro-Produkte, liegt aber zentraler», sagt Gugerli-Dolder. Véron ergänzt, dass das Sortiment dort nicht nur viel grösser sei als im kleinen Claro, sondern dass sich auch das Einkaufsverhalten verändert habe: Sei man früher noch von Laden zu Laden gereist, fahre man heute mit dem Auto in die Tiefgarage des Zentrums und könne sich alles besorgen. «Dann liegt die Überlegung nahe, ob sich die Weiterfahrt für zwei einzelne Produkte noch lohnt.» Und wer sich die Reise ganz sparen will, bestellt im Internet und lässt sich alles nach Hause liefern.

Dass kleine, unabhängige Läden unter dieser Entwicklung leiden, zeigte sich auch vor zwei Jahren: Im Februar 2016 ging der zweite Bioladen der Stadt Bülach, das Ähri, nach über drei Jahrzehnten in Konkurs – gerade mal zwei Jahre nach der Eröffnung der Alnatura-Filiale.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.04.2018, 15:12 Uhr

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