Kloten auswärts (6)

Die Derbys gegen die kleinen Löwen

Die GCK Lions sind das Farmteam der ZSC Lions in der Swiss League. Der Erfolg ist beim Klub, der in Küsnacht beheimatet ist, zweitrangig. Ziel ist es, junge Spieler auf eine Karriere im Profieishockey vorzubereiten. Die Talente wollen dem Kantonsrivalen aus Kloten dennoch ein Bein stellen.

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Die GCK Lions gehen im Schatten der ZSC Lions fast ein wenig unter. Das ist aber kein Zufall. Mit der Fusion des Zürcher Schlittschuh Clubs und des Grashoppers Clubs im Jahr 1998 wurde in Zürich nämlich ein Modell geschaffen, das man bis dahin nur aus Nordamerika kannte.

So fungierten die GCK Lions seither in der zweithöchsten Spielklasse als Farmteam der ZSC Lions, welche in den darauffolgenden Jahren äusserst erfolgreiche Zeiten erlebten. Ob der ZSC auch ohne Fusion zu den Meistertiteln in den Jahren 2000, 2001, 2008, 2012, 2014 und 2018 gekommen wäre, scheint fraglich. Denn der Zürcher Schlittschuh Club stand 1998 vor dem finanziellen Aus.

Klotener Heimspiele in Küsnacht

Während das Hallenstadion bei den Heimspielen der ZSC Lions meist gut gefüllt ist, hält sich das Interesse für das Farmteam auf der Kunsteisbahn in Küsnacht (KEK) in Grenzen. Pressechef Hans-Peter Rathgeb sagt: «Zu den Meisterschaftsspielen kommen im Schnitt rund 180 Zuschauer.» Dabei handle es sich vorwiegend um Freunde und Verwandte der Spieler. Sprich: Sie müssen keinen Eintritt bezahlen. «Mit den Ticketverkäufen erzielen wir keine grossen Einnahmen», sagt Rathgeb.

Mit den Heimspielen gegen den EHC Kloten könnte sich das ändern. Für die Derbys plant Leiter Spielbetrieb Manfred Frischknecht mit bis zu 1000 Fans. «Die Klotener werden hier ein Heimspiel haben», prognostiziert Frischknecht. Bei den Derbys in Küsnacht dürften aber auch einige ZSC-Fans anwesend sein. Was viele von ihnen nicht wissen: Ihre Saisonkarten für das Hallenstadion sind auch in der KEK gültig.

Wer zu wenig Potential hat, muss gehen

Die GCK Lions wollen nicht an der Spitze der Swiss League mitmischen. Vor einem Abstieg in die 1. Liga müssen sie aber keine Angst haben. «Aus der Swiss League kann man zurzeit gar nicht absteigen», sagt Pressechef Hans-Peter Rathgeb. Ziel sei es die jungen, ambitionierten Spieler auf eine Profikarriere vorzubereiten. Wie hart dieser Weg ist, bekommen die Athleten hautnah zu spüren. «Wenn ein Spieler sein Potenzial nicht voll ausschöpfen kann, muss er sich einen neuen Verein suchen.»

Das Kader der GCK Lions besteht grösstenteils aus sehr jungen, noch unerfahrenen Spielern. Um die Mannschaft zu stabilisieren, werden jede Saison eine Hand voll Routiniers mit einem Vertrag ausgestattet. Anders als die jüngeren im Team, bekommen sie einen fixen Lohn. «Ansonsten übernimmt der Club lediglich die Materialkosten und die Spesen.»

Nach starken Leistungen, in die NHL gedraftet

Dieses System trägt Früchte. Fast der halbe Kader der ZSC Lions setzt sich aus eigenem Nachwuchs zusammen. Ausserdem spielen 30 bis 40 ehemalige Junioren der GCK Lions in anderen Vereinen der National League. Zuletzt hat Tim Berni (18) den Schritt in den Profibetrieb geschafft. Der Verteidiger kam beim ZSC während den Playoffs in diesem Jahr zu Einsätzen.

Seine Leistungen blieben auch bei den Scouts aus der NHL nicht unbemerkt. Und so wurde er Ende Juni in der sechsten Runde an 159. Stelle von den Columbus Blue Jackets gedraftet. Berni wird die nächste Saison noch bei den ZSC Lions bestreiten. Was danach passiert, ist offen. Manfred Frischknecht sagt: «Es macht einen stolz, wenn einer unserer Spieler so viel Erfolg hat.»

Unternehmer Walter Frey machts möglich

Die GCK Lions müssen sich mit einem Budget von jährlich drei Millionen Franken begnügen. Finanziert wird dies von der ZLE Betriebs AG. Verwaltungsratspräsident von dieser ist Walter Frey. «Die GCK Lions können nur Dank seinem Engagement in der Swiss League bestehen», sagt Pressechef Hans-Peter Rathgeb. Dass Frey in Küsnacht wohnt ist dann auch der Grund, warum die GCK Lions in der Seegemeinde beheimatet sind.

In der kommenden Saison stehen für das Farmteam mehrere Highlights auf dem Programm. In der ersten Runde des Swiss Ice Hockey Cups trifft man auf den HC Davos. «Das verspricht ein ausverkauftes Stadion.» Zudem freue man sich bereits jetzt auf die Derbys gegen Kloten Ein weiteres Highlight wird das Heimspiel gegen den EHC Winterthur am 1. Dezember sein. Dieses Spiel wird nicht wie gewohnt in der Kek in Küsnacht stattfinden, sondern auf der Eisbahn Dolder unter freiem Himmel. Allerdings nur, wenn das Wetter mitspielt.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 31.07.2018, 14:20 Uhr

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Die Eismaschinen könnten jederzeit ausfallen

Das Stadion
Die Eishalle KEK in Küsnacht muss dringend aufgewertet werden. Viele Teile, so zum Beispiel die Eismaschinen, stammen noch aus dem Jahr 1962, als die Anlage eröffnet wurde. Klar ist laut GCK-Pressechef Hans-Peter Rathgeb: «Wir wollen hier in Küsnacht bleiben, auch wenn wir uns zurzeit wortwörtlich auf dünnem Eis bewegen.» Gibt eine der Maschinen den Geist auf, können auch keine Spiele mehr ausgetragen werden. Das Ziel sei nun, den Betrieb für die nächsten 20 Jahre sicherzustellen. Die Gemeinde hat für die bevorstehenden Werterhaltungsarbeiten einen Kredit von 12 Millionen Franken gesprochen. Die GCK Lions planen zudem einen Anbau, der dann als «Homebase» genutzt werden soll.
Durchschnittliche Zuschauerzahl in der vergangenen Saison
180 Zuschauer. Die KEK bietet Platz für maximal 1680 Fans.

Bekannte Spieler
Die GCK Lions setzen nicht auf bekannte Spieler, sondern auf junge Talente. Die individuelle Ausbildung hat Vorrang.

Einwohnerzahl Küsnacht
14 131 (2017)

Wirtschaftsstandort
Küsnacht bietet 4200 Arbeitsplätze und gehört dank ihrer Lage zu den reichsten Gemeinden der Schweiz. Der Steuerertrag lag im Jahr 2017 bei 157 Millionen Franken.

Die Stadion-Beiz
Das Club-Restaurant der GCK Lions befindet sich direkt im Stadion und trägt den Namen «(N)ice Rink». Hier soll es die besten Schnitzelbrote in der Schweiz geben. Und auch die Würste sollen zu den Besten gehören.
Kloten spielt hier am: Sonntag, 18. November, 15.45 Uhr und Freitag, 21. Dezember, 19.45 Uhr.

www.gck.zsclions.ch

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