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Die Gemeinden erobern Facebook

Bei den Eglisauern gibts gratis Hockeytickets, bei den Klotenern eine Umfrage zur Zukunft – und in Opfikon will jemand einen Papagei gefunden haben. Die Facebook-Profile der Gemeinden werden immer mehr zum digitalen Dorf-Stammtisch. Allerdings erkennen erst wenige Kommunen das Potenzial.

Mit den eigenen Einwohnern ins Gespräch kommen ist für Regierungen wichtig. Wenn nicht an Ratssitzungen oder Gemeindeversammlungen, dann zumindest digital auf Facebook.

Mit den eigenen Einwohnern ins Gespräch kommen ist für Regierungen wichtig. Wenn nicht an Ratssitzungen oder Gemeindeversammlungen, dann zumindest digital auf Facebook. Bild: Francisco Carrascosa

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Nur noch bis morgen Sonntag haben die Internetsurfer aus Kloten Zeit, ihrer Wohngemeinde «wertvolle Tipps für die Zukunft» zu geben. Anfang August hatte die Flughafenstadt eine elektronische Umfrage zur «persönlichen Einschätzung der Zukunft Klotens» gestartet – Jetzt, so kurz vor dem Ende der Aktion, hat Sonja Gartmann auf der Facebook-Seite der Stadt noch einmal zur Teilnahme aufgerufen.

Als Kommunikationsverantwortliche der Klotener Präsidialabteilung ist Gartmann auch die Facebook-Chefin der Stadt – und sorgt so dafür, dass es dort immer wieder Neues zu finden gibt. Erst Ende Juni hatte Kloten bekanntgegeben, dass man nunmehr auf Facebook aktiv sein wolle.

Die Plattform sei «ohne Zweifel ein wichtiger Kommunikations- und Social Media-Kanal». Man wolle deshalb auf diesem Wege über Aktivitäten und Veranstaltungen informieren; «liken, teilen und kommentieren ist erwünscht», hiess es vom Stadtrat.

Imagepflege mit Papagei

Im Umgang mit Rückmeldungen in Form von Kommentaren und dergleichen hat man bei den Nachbarn in Opfikon schon Erfahrugnen gesammelt. Schliesslich ist man schon um einiges länger auf Facebook aktiv. «Dem Stadtrat ist schon lange bewusst, dass Information wichtig ist – und zwar auf verschiedenen Kanälen», sagt Willi Bleiker, der Leiter der Präsidialabteilung. Deshalb finde sich das Anliegen schon im Regierungsprogramm 2014-2018.

Auf das dort formulierte Ziel des Stadtrats, nämlich das «Image zu pflegen und zu fördern», bezog sich die Behörde auch 2015, als sie einen entsprechende Vorstoss aus dem Stadtparlament zu beantworten hatte, der Auskunft über die Art und Weise und die Kanäle der Kommunikation verlangte.

Der Stadtrat hielt damals fest: «Die gesellschaftliche Tendenz zu kurzen, oftmals bebilderten lnformationen ist ein Faktum.» Und nach einer Art Bedürfnisabklärung, via Online-Umfrage in der Bevölkerung, lancierte man dann den Facebook-Auftritt im Januar 2016

Bis heute hat das offizielle Opfikon über 250 Meldungen abgesetzt. Vom Videomitschnitt aus dem Wahlbüro über die zahlreichen von Einwohnern eingesandten Fotos bis zu den Veranstaltungshinweisen. «Das Facebook ist wohl nicht unser populärster Kanal», sagt Bleiker, «aber eben einer von vielen».

Und Facebook hat ein grosses Plus was die angepeilte Imagepflege angeht: die Bidirektionalität. Jeder, der was mitteilen möchte, kann selber Beiträge posten. So hat etwa die Nutzerin Nicole Böttner-Singer kürzlich vermeldet: «Falls jemand einen Papagei vermisst. Habe gerade einen am See im Glattpark trinken gesehen».

Polizei, dein Facebookfreund

Auch die Gemeinde Eglisau hat einen offiziellen Auftritt auf Mark Zuckerbergs Netzwerk. Hier wird die digitale Visitenkarte allerdings nicht mit derselben Regelmässigkeit beackert wie im Glattal. Zwar datiert der aktuellste Eintrag just von gestern Freitag: Die Gemeinde gibt kostenlose Tickets für den Match des EHC Kloten gegen den Lausanne HC ab, der am 29. September am Schluefweg ausgetragen wird. Die vorletzte Meldung aber behandelt ein Abstimmungsergebnis vom letzten Mai.

Die Facebook-Seite der Glattfelder Verwaltung wiederum gleicht eher einem Fotoalbum denn einer Kommunikationsseite; es gibt Bilder von der «Stubete» im örtlichen Gasthaus, von der Bundesfeier oder vom Osterfest.

Das Gros der Kommunen kommt jedoch ohne «Profil» aus – Bülach, Embrach, Regensdorf aber beispielsweise auch die Stadt Winterthur sind nicht auf Facebook. Das schliesst indes nicht aus, dass die eine oder andere kommunale Stelle von sich aus aktiv wird.

Die Kommunalpolizei von Bassersdorf etwa unterhält seit einigen Jahren eine Facebook-Seite, auf der sie Einsätze vermeldet, Umleitungen bekannt gibt, Zeugenaufrufe platziert, Besitzer von obstrusen Waffen sucht oder im Sinne eines Dienstes am Kunden auch schonmal den Unterschied zwischen Standlicht- und Abblendlicht erörtert. Die Schul- und Gemeindebibliothek von Winkel unterhält ebenso eine Seite, wie die Stützpunktfeuerwehr Dielsdorf oder die Jugendarbeit von Rafz.

Nur echt mit Wappenschild

Auch sonst hindert die digitale Abwesenheit die Einwohner aber nicht daran, sich auf der Plattform über ihre Wohnorte auszustauschen. Die schon länger aktiven Facebook-Gruppen wie «Du bisch vo Bachenülach wenn...» oder «Du bist Bülacher wenn...» erfüllen die Funktion eines digitalen Treffpunkts mindestens ebenso gut, halt ganz ohne den offiziellen Touch. Letzteren erkennt man relativ leicht: Einerseits sind offizielle Gemeindeeinträge mit dem Prädikat «Regierungsinstitution» im Beschrieb versehen.

Andererseits darf aufgrund des neuen Wappenschutzgesetzes nur die Gemeinde als Rechteinhaberin das eigene Wappen (in Schildform) verwenden. Die bisher einzige Gemeinde, die diese Nutzungseinschränkungen per Regierungsentscheid für Vereine und Fans gelockert hat, ist Bülach. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.09.2017, 17:37 Uhr

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