Flughafen / WEF

Die Jagd auf exotische Heckflossen

Über das Davoser Wirtschaftsforum freuen sich stets auch die Planespotter. Und das längst nicht nur im Unterland. Eine Stippvisite am Heliport zeigt: Die Exotik der Heckflossen spiegelt sich in der Vielfalt der Nationalitäten der Spotter wieder.

Hochbetrieb im Heliport in Rümlang: Die WEF-Spotter trotzen teils stundenlang der klirrenden Kälte.
Video: Michael Caplazi

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Es ist wieder WEF. Und wie jedes Jahr steht das Kürzel für so manch einen Aviatikfan für das «Warten auf Einzigartige Flieger». So bevölkern auch am Mittwochmittag einige Aviatik-Paparazzi mit auffallend langen Objektiven die üblichen Aussichtspunkte am Pistenende, entlang des Flughafenzauns und in den oberen Geschossen des Flughafenparkhauses und warten auf die Staatsmaschinen der Welt.

Dass in anderen Jahren schon mehr Spotter präsent waren, mag der Tatsache geschuldet sein, dass der zweite WEF-Tag vielleicht nicht mehr ganz so viel zu bieten hat wie der Auftakt, beziehungsweise die Vortage. Zudem bleibt Donald Trump, dessen Air Force One im letzten Jahr für wahre Heerscharen von Fotografen gesorgt hatte, dem Forum heuer fern. «Es ist aber auch so, dass sich die WEF-Flugzeuge auf andere Flughäfen verteilen», sagt Bob Sauvery, der am Heliport in Rümlang seine Canon mit Zoom-Objektiv in Stellung bringt. Selber während 25 Jahren für die britische Air Traffic Control tätig ist er inzwischen pensioniert und eigens aus Jersey angereist, um sein Avitatikbilder-Album auf Flickr mit ein paar speziellen Maschinen zu ergänzen.

«Ich weiss von einigen Kollegen, die über Basel angereist sind und dort noch Bilder geschossen haben – und andere sind jetzt gerade in Dübendorf oder am Flugplatz St. Gallen-Altenrhein am spottern.» Kloten sei eben längst nicht mehr die einzige Bühne für WEF-Flieger. Im übrigen sei das Wetter im Augenblick etwas zu dunstig, um wirklich schöne Aufnahmen zu machen – sagts und knipst eine A330-300 der Sichuan Airlines, Destination Chengdu via Prag. Wenn gerade kein Präsident landet, dann tuts für den Moment auch ein hundskommuner Linienflug.

Man lässt sich überraschen

Wie bereitet sich ein echter Spotter eigentlich auf den Anlass vor? «Gar nicht», sagt Sauvery. «Ich flieg einfach hin.» Das sieht auch Peter Loosli, der allerdings von Feuerthalen aus eine deutlich kürzere Anfahrtsstrecke hat. «Vorbereitung brauch ich keine, da lass ich mich immer überraschen.» Fliegerei und Fotografie, das seien für ihn zwei Hobbies, die sich bestens verbinden liessen. So komme er, wenn es sich irgend einrichten lasse, jedes Jahr um die WEF-Zeit hierher nach Kloten. Dass es keine Air Force One zu sehen gibt, das sei nicht weiter tragisch. Die habe er schliesslich letztes Jahr schon gesehen.

Abgesehen von den Rundfahrten auf dem Flughafengelände selbst, ist der Heligrill einer der besten Standorte, wenn man den grossen Staatsfliegern nahe sein will. Jetzt am Mittag stehen die A340-600 der aserbaidschanischen Regierung (Immatrikulation: 4k-AI08) und die 787-900 der Vietnamesen (VN-A868), die üblicherweise als ganz normale Linienmaschine für die Vietnam Airlines unterwegs ist, direkt auf den Stellplätzen am Zaun. Etwas versetzt ist die A319-133/CJ der brasilianischen Luftwaffe (VC-1 2101) geparkt worden.

«Wir haben vor sieben Monaten gebucht – da gab es besonders billige Tickets.»Yigit Cicekci

Diese Maschinen haben auch Mustafa Sandikçin und Yigit Çiçekci längst von allen Seiten im Kasten. Die beiden Herren sind ebenfalls extra fürs Flugzeugbeobachten angereist – aus der Türkei, für nicht einmal zwei ganze Tage. «Wir haben vor sieben Monaten gebucht – da gab es besonders billige Tickets», sagt Çiçekci. Damals habe er natürlich fest mit Trump gerechnet. Im Anschluss wollen sich die beiden noch etwas die Stadt Zürich ansehen, bevor es wieder nachhause geht. «Als Tourist und Reisender bin ich ganz glücklich mit dem Ausflug – als Spotter etwas weniger», resümiert Sandikçin.

«Wenigstens etwas Dreck»

Und dann plötzlich passiert etwas. Ein weiterer Airbus rollt zu den Heligrill-Standplätzen, allerseits werden die Kameras ausgerichtet. Eine ACJ319-100 ist es, «YKPAÏHA» steht da in grossen Lettern, die ukrainische Präsidentenmaschine. Dafür zückt auch Ernst Oetiker sein Telefon. Als Rümlanger spaziere er praktisch täglich hier am Heligrill vorbei. «Früher gab es da so viele verschiedene Flugzeugtypen. Aber heute ist das alles Einheitsbrei – Bei dem Exemplar hier ist wenigstens etwas Dreck dran.» Aber eben, am Ende des Tages seis ja doch wieder «nur eine A319».

Petro Poroschenko verlässt die Maschine und steigt in eine bereitstehende schwarze Limousine um. Der ganze Transportmittelwechsel dauert trotz Bodyguards und weiterer Gefolgschaft kaum drei Minuten – und sorgt doch dafür, dass auf den Fotospeicherkarten der Spotter am Ende doch nicht ausschliesslich Flugzeuge zu sehen sind. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 23.01.2019, 17:48 Uhr

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