Opfikon

Die rasende Spielmacherin

Die Opfikerin Karin Seba arbeitet intensiv an ihrer zweiten sportlichen Karriere. Die Spielmacherin der Blue Wings möchte in Zukunft nicht nur auf dem Basketball-Feld für Tempo sorgen.

Karin Seba nimmt während eines Testtages in Italien Platz in einem Formel-4-Rennwagen des Mücke-Motorsport-Teams.

Karin Seba nimmt während eines Testtages in Italien Platz in einem Formel-4-Rennwagen des Mücke-Motorsport-Teams. Bild: www.motorSPORTaktiv.at

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Aufmerksamen Leserinnen und Lesern der Sportseiten des «Zürcher Unterländers» könnte Karin Seba bereits ein Begriff sein. In den Match-Telegrammen der Opfikon Blue Wings taucht ihr Name regelmässig auf, in den Berichten des regionalen Erstligisten erscheint er nach besonders starken Leistungen der Spiel­macherin. So wie vor etwa über einer Woche, als sie mit schnellen Vorstössen in die Lücken des ­gegnerischen Abwehrverbunds und präzisen Korbwürfen einiges zum wichtigen Auswärtserfolg der Blue Wings über Olten-Zofingen beigesteuert hatte (Ausgabe vom 28. November). Darauf angesprochen, lächelt die 23-Jährige leicht verlegen. In einem Café an ihrem Studienort Winterthur, wo sie derzeit im vorletzten Semester ihres Bachelor-Studiengangs in Maschinentechnik steht, kommentiert sie sogleich nüchtern – und noch immer freudestrahlend: «In dem Match ist mir wirklich alles gelungen.»

Dabei hatte Seba genau eine Woche vor ihrem Glanzauftritt in Olten auf einer weit entfernten, völlig anderen Sportbühne eine gelungene Talentprobe abgeliefert. An einem achtstündigen ­Marathon-Kartrennen in der ­slowakischen Hauptstadt Bratislava trug sie mit bis zu zweistündigen Einsätzen zum 6. Platz ihres Teams Jumpmaxx bei. Noch wichtiger: Sie knüpfte dort weitere Kontakte, die ihr helfen könnten, sich ihren grossen sportlichen Traum zu erfüllen.

Premiere mit 16

«Seit ich als Kind Formel-1-Rennen am TV angeschaut habe, hat mich der Automobilrennsport fasziniert, und seither wollte ich selbst Rennfahrerin werden», erzählt Karin Seba. Doch in jungen Jahren blieben ihr erste Schritte dazu, wie sie so manch rasender Junior am Steuer eines Karts landauf, landab unternimmt, verwehrt. «Zum einen waren meine Eltern besorgt, weil der Rennsport ja auch gefährlich ist», verrät sie, «zum andern hätten sie auch nicht genügend finanzielle Mittel gehabt, um mich darin zu unterstützen.» So versuchte sie ihr sportliches Glück anderweitig: Als Kind begann Seba zunächst mit dem Kunstturnen, noch bevor sie im Alter von sechs Jahren mit ihrer Familie nach Opfikon kam. In der Folge fand sie über den Schwimmverein,das Trampolinturnen, Judo im Schulsport, Jiu-Jitsu und die FCZ-Fussball-Juniorinnen 2009 schliesslich zum Opfiker Basketballclub. «Ich war schon immer sehr sportbegeistert», meint sie dazu. Doch obwohl sie so vieles ausprobierte – der Rennsporttraum blieb stets in ihrem Hinterkopf präsent.

Im Alter von 16 Jahren sass sie dann erstmals am Steuer eines Karts. Seitdem fährt sie hobbymässig, während der Ferien in der kroatischen Heimat ihrer Eltern oder hierzulande, mit Kollegen. Dabei merkte Seba nicht nur, wie viel Freude die hohen Geschwindigkeiten, das Spiel mit Gaspedal und Bremse, die permanente Suche nach dem genauen Scheitelpunkt in den Kurven sowie nach den eigenen Bestzeiten ihr tatsächlich bereiteten. Sondern auch, «dass ich immer schneller war als die anderen», wie sie in leisen, aber klaren Worten sagt. Dar­aus wiederum schloss sie, dasssie möglicherweise über ein gewisses Motorsporttalent verfüge. Das wollte sie genauer wissen.

Sponsoren gesucht

Im Internet fand Karin Sebaeine Möglichkeit heraus, auch als Spätberufene ihr Können zu zeigen. Ende September trat sie zu einem offenen Rennfahrer-Casting auf dem Pannoniaring in Ungarn an. Dort machte sie ihre Sache so gut, dass die Veranstalter, die Verantwortlichen des Formel-1-Clubs Austria, sie unter ihre Fittiche nahmen. Der Verein, der sich der Talentförderung im Automobilsport widmet, hilft ihr seitdem bei der Suche nach Sponsoren, vermittelt Kontakte und weitere Fahrgelegenheiten.

So nahm die Opfikerin unter der Ägide der Österreicher an einem Tourenwagen-Casting teil und konnte dank der Vermittlung des Formel-1-Club-Austria-Managers Robert Wagner und eines Wiener Catering-Unternehmens Anfang November an einem Formel-4-Testtag von Mücke Motorsport auf dem Adria-Racewayin Italien teilnehmen. Notabene: Am Steuer eines Mücke-Rennwagens hatte einst kein Geringerer als der vierfache Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel seine Karriere lanciert. Auch von den Mücke-Verantwortlichen habe sie positive Rückmeldungen erhalten, berichtet Seba. Für Fe­bruar / März 2018 hätten sie die Opfikerin zu weiteren Testfahrten im arabischen Raum einge­laden. «Wenn es dort gut läuft, könnte ich vielleicht schon in der nächsten Rennsaison in der Formel 4 fahren», schätzt sie.

Ob es tatsächlich dazu kommt, wird freilich nicht allein von Karin Sebas Rundenzeiten abhängen, sondern auch davon, ob die Suche nach Sponsoren erfolgreich verläuft. «Das ist ein wenig wie in der Formel 1: Jeder Fahrer oder jede Fahrerin muss selbst ein paar persönliche Sponsoren mitbringen», erklärt die Opfikerin. Derzeit erstellt sie ein Dossier, um damit selbst aktiv auf mögliche Sponsoren zuzugehen. Und auf der InternetplattformI believe in You läuft noch bis übermorgen Freitag eine Aktion, mit der sie beispielsweise genügend Mittel für die Mücke-Testtage im arabischen Raum im Frühjahr sammeln will.

Ein passender Zeitpunkt

Ungeachtet ihres Optimismus und ihrer Zielstrebigkeit ist die 23-Jährige realistisch genug, um zu wissen, dass der Automobilrennsport, wie sie ihn in den kommenden Jahren ausüben möchte, eine kostspielige Ange­legenheit ist. Dies ist denn auch der Hauptgrund dafür, dass Karin Seba ihren Traum gerade jetztin die Tat umzusetzen versucht. Denn im Frühjahrssemester 2018 möchte sie ihr Bachelor-Studium in Maschinentechnik abschliessen und sich danach eine Arbeitsstelle suchen. Als Berufstätige dürfte sie danach über grössere Mittel verfügen als heutzutage als Vollzeitstudentin und Basketball-Nachwuchstrainerin.

Dass der Weg in die Formel 1 für eine Späteinsteigerin wie sie sehr weit ist, ist ihr durchaus bewusst. Als Ziele gibt Seba daher an, so lange wie möglich Rennen zu ­fahren – und es im Motorsport so weit zu bringen, dass sie selbst nicht allzu viel draufzahlen muss. Es nun zu probieren, war sie sich gewissermassen selbst schuldig. «Ich wollte jetzt herausfinden,ob ich wirklich Talent dazu habe, um nicht in ein paar Jahren bereuen zu müssen, es nicht einmal versucht zu haben.» Nach den ersten erfolgreichen Talentproben hat Karin Seba wahrlich keinen Grund zur Reue. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 05.12.2017, 23:21 Uhr

Infobox

Zur Person

Karin Seba kam 1994 im kroatischen Pula zur Welt. Nach vier Jahren in Neuseeland zog ihre Familie im Jahr 2001 nach Opfikon, wo sie seither lebt. An der Zürcher Hochschule in Winterthur absolviert sie den Bachelor-Studiengang in Maschinentechnik, den sie voraussichtlich im Frühjahr 2018 abschliessen wird. Im Basketball-Club Opfikon Basket ist sie seit 2009 aktiv, aktuell als Juniorinnentrainerin und Spielerin des Frauen-Fanionteams Blue Wings in der 1. Liga regional. pew

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