Kloten auswärts (9)

Die Solothurner auf der Flucht nach vorne

Der EHC Olten ist der grösste Sportverein der ganzen Region Solothurn. Diese steht voll hinter dem Club, gibt aber auch die Marschrichtung vor: Ein Aufstieg muss her, jetzt, endlich, über 25 Jahre nach dem letzten Abstieg.

Die Eisbahn Kleinholz inklusive des modernen Videowürfels wurde 2014 totalsaniert. 6270 Zuschauer finden in ihr Platz, aber nur 850 von ihnen können sitzen. Die Oltner sind ein Stehplatzpublikum.

Die Eisbahn Kleinholz inklusive des modernen Videowürfels wurde 2014 totalsaniert. 6270 Zuschauer finden in ihr Platz, aber nur 850 von ihnen können sitzen. Die Oltner sind ein Stehplatzpublikum. Bild: Manuel Navarro

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Es gibt zwei Arten von Mannschaften in der Swiss League, der zweithöchsten Hockeyliga der Schweiz: Zum einen gibt es Mannschaften wie die Ticino Rockets, die GCK Lions oder auch die EVZ Academy. Sogenannte Farmteams also, die von einem Club aus der National League als Ausbildungsstätte genutzt werden und überhaupt nicht den Anspruch haben, jemals eine Saison zu gewinnen.

Und dann gibt es zum anderen Clubs wie den EHC Olten (EHCO). Hungrig, leidenschaftlich, mit enormem Rückhalt in der Bevölkerung und mit dem absoluten Ziel, schönes Hockey zu zeigen. 25 Jahre ist es nun her, seit der EHCO nach nur einer Saison 1994 zum dritten Mal wieder aus der National League abgestiegen ist. Seitdem redet man in Olten davon, dass man sich wieder mit den besten Mannschaften des Landes messen können will.

«Es ist eine kritische Liebe»

Dieser Anspruch ist in der grössten Stadt von Solothurn überall erkennbar. Das erste Testspiel am letzten Freitag absolvierte man gegen die Adler Mannheim, den siebenfachen deutschen Meister (zuletzt 2015). Die Eisbahn Kleinholz ist nach der Swiss Arena der Klotener und der Patinoire des Mélèzes in La Chaux-de-Fonds das grösste Stadion in der Liga. Erst 2014 wurde es totalsaniert, es verfügt nun unter anderem über einen separaten Gästeeingang. Solarzellen auf dem Dach erzeugen Strom, ein Videowürfel prangt über dem Eisfeld.

Von aussen macht die Halle nicht viel her. Dafür gehen die Oltener mit der Zeit: Auf dem Dach produzieren Solarzellen Strom, knapp 2700 Megawattstunden seit 2014.

Derzeit wird auch der Hospitality-Bereich ausgebaut, um Sponsoren bessere Gastwirtschaftsangebote präsentieren zu können – auch um mehr Einnahmen zu generieren. Ein klares Indiz dafür, wohin die Reise in Olten gehen soll. «Wir sind, was die infrastrukturellen Anforderungen angeht, in den meisten Bereichen bereit für die National League», sagt Pierre Hagmann, Medienchef des EHCO. So verfüge das Stadion über die geforderte Anzahl Presseplätze und würde auch die Sicherheitsbestimmungen der höchsten Liga erfüllen.

«Kloten wird in uns einen ambitionierten Gegner finden, der als grosses Ziel hat, aus der Swiss League herauszukommen», sagt auch Marc Grieder, seit April neuer Sportchef des EHCO. «Nicht nur wir selbst, vor allem auch die Oltner Fans erwarten das», erklärt Grieder, der letzte Saison noch als Spieler beim Club unter Vertrag stand. Und sich auch deswegen bestens damit auskennt, wie die Anhänger des Clubs ticken. «Wir haben ein anspruchsvolles Publikum, das eine Mannschaft will, die um jede Scheibe kämpft. Sie erwarten von den Spielern, dass sie sich auf dem Eis für den Verein zerreissen. Es ist eine sehr kritische Liebe. Unsere Fans geben alles, erwarten dasselbe aber auch von der Mannschaft.»

Aufsteigen oder absacken

Ein Aufstieg in die höchste Schweizer Hockeyliga ist immer auch mit finanziellen Risiken verbunden. Bestimmte Ausbauschritte nehmen Clubs erst dann vor, wenn sie auch definitiv wissen, dass sie nächste Saison in der National League spielen werden, vorher lohnen sich die Investitionen einfach nicht. Ein gutes Beispiel dafür sind die Sitzplätze. «Das Oltner Publikum ist ein Stehplatz-Publikum», sagt Hagmann.

«Viele Fans wollen ins Stadion kommen und am selben Platz stehen, neben denselben Leuten, wie sie es schon immer getan haben». Wann immer der Club die wenigen Sitzplätze (rund 1000) habe aufstocken wollen, sei das nicht goutiert worden «Würden wir aufsteigen, müssten wir aber die Anzahl Sitzplätze erhöhen, was es schwierig machen würde», erklärt Hagmann. Auch wenn das die Kapazität im Kleinholz insgesamt verringern würde.

«Wir freuen uns auf ein neues Gesicht in der Liga und auf neue Fans. Auch wenn man einen Abstieg aus der National League niemandem wünscht.»

Marc Grieder, Sportchef und ehemaliger Spieler des EHC Olten

Allerdings: Auch ein Verblieb in der Swiss League ist für die Oltner wirtschaftlich gesehen nicht ungefährlich. «Ambitionen kosten Geld», sagt Sportchef Grieder. Auf Dauer könne man mit dem momentanen Budget nicht weitermachen, ohne dass daraus ein Aufstieg resultiere. Insbesondere deshalb, weil die Swiss League stetig an Attraktivität verliere. «Es gibt zwei Probleme in der Liga. Erstens spielen hier ambitionierte Clubs wie Langenthal, Kloten oder auch wir selbst. Clubs, die gewinnen und aufsteigen wollen.

Und dann gibt es auch viele Clubs, die nur als Farmteams funktionieren und eine ganz andere Zielvorstellung haben. Die Fans merken das und entsprechend variiert die Zuschauerzahl je nach Gegner.» Da nur etwa die Hälfte der gegnerischen Mannschaften sportliche wie wirtschaftlich attraktive Matches verspricht, verhalten sich auch entsprechend die Einnahmen. «Bei Spielen gegen die Ticino Rockets oder die EVZ Academy ist kein einziger Fan der Gäste im Stadion», so Hagmann.

Ein Blick in die heiligen Hallen der Mannschaft. Nicht fehlen in der Garderobe darf selbstverständlich das Logo mit der kämpferischen «Powermouse». Das Logo begleitet den Club seit 1993.

Ein weiteres Problem: Weil derzeit nur 11 Teams in der Swiss League spielen, wurden die Teams in regionale Gruppen eingeteilt. Innerhalb dieser spielen sie besonders oft gegeneinander. «So müssen wir zum Beispiel acht Mal gegen den SC Langenthal spielen. Auch wenn das ein Derby ist, ist das etwas viel.» Und auch etwas unfair, denn Langenthal ist ein starker Gegner, der ebenfalls aufsteigen will. Kloten hingegen ist mit dem wesentlich schwächeren EHC Winterthur und dem HC Thurgau in einer Gruppe. Geht es um die Playoff-Qualifikation, könnte das von Vorteil sein.

Das alles führt dazu, dass die Zukunft des EHC Olten in der Swiss League nicht unbedingt sorglos ist. Auf Dauer könnte das Budget nicht zu halten sein, insbesondere auch deshalb, weil der EHC Olten was Sponsoring anbetrifft speziell ist: Ihm fehlt ein eigentlicher Hauptsponsor, stattdessen wird er von zahlreichen kleinen Gewerben aus der Region unterstützt. Das bedeutet aber, dass eine weitere Erhöhung des Budgets ohne Aufstieg und dadurch mehr Attraktivität für grosse Sponsoren schwer zu bewerkstelligen ist. Ein Wiederaufstieg ist nicht nur längst überfällig, sondern dürfte auch wirtschaftlich eine optimistischere Zukunft versprechen.

Freude über Kloten

In Olten ist also die Flucht nach vorne angesagt. Sportlich liegt dies auf jeden Fall drin, in den letzten sechs Jahren unterlag man dreimal im Finale dem späteren Aufstieger: 2013 scheiterte Olten an Lausanne, 2015 an den SCL Tigers und dieses Jahr an Rapperswil-Jona. Auf Kloten freut man sich aber trotzdem. «Wir freuen uns auf ein neues Gesicht in der Liga und auf neue Fans», sagt Grieder. Auch wenn man einen Abstieg aus der National League niemandem wünsche, erst recht nicht einem Traditionsclub wie Kloten.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.08.2018, 15:21 Uhr

Der Weg zum Stadion Kleinholz. (Bild: Quelle: d-maps, Grafik: mb)

Im gleichen Jahr geboren wie der EHC Kloten

Vereinsgeschichte
Der EHC Olten wurde wie der EHC Kloten 1934 gegründet. Allerdings brachte erst eine Kunsteisbahn, die 1961 eröffnet wurde, den Hockeysport in Olten so richtig zum Blühen. Durch die regelmässigen Trainingszeiten war es neu möglich, Nachwuchs zu trainieren. 1970 stieg Olten in die Nationalliga B auf. Seitdem spielte der Traditionsverein stets dort oder in der Nationalliga A. 1976 erhielt die Eisbahn Kleinholz ein Dach, fünf Jahre später wurde der bis heute unübertroffene Zuschauerrekord aufgestellt: Bei der Partie gegen den Erzrivalen SC Langenthal wurden 9000 Zuschauer gezählt. 1985 stieg Olten erstmals in die NLA auf. Eine Saison lang konnte man sich dort halten, danach musste man den Abstieg akzeptieren. Schon 1988 stieg man allerdings unter der Ägide von Kent Ruhnke sofort wieder auf. Es folgten erfolgreiche Jahre, erst 1992 stieg der Club wieder ab. Es gelang direkt im Anschluss der Wiederaufstieg, gefolgt allerdings vom sofortigen Wiederabstieg. Seitdem spielt Olten in der Nationaliga B, der heutigen Swiss League. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Club in den späteren 90er-Jahren mit Schulden zu kämpfen hatte. Teilweise sank das Budget bis auf 1,6 Millionen Franken. Seit 2004 ging es jedoch stetig bergauf. Meister wurde man indes noch nie.

Durchschnittliche Anzahl Zuschauer bei Heimspielen
Reguläre Saison: rund 3500. Playoffs: rund 5400.

Einwohnerzahl Olten
18 166 (2016)

Nächste Beiz
Restaurant Mausfalle direkt beim Stadion.

Kloten spielt hier am
Dienstag, 4. Dezember 2018, 19.45 Uhr; Samstag, 2. Februar 2019, 19.45 Uhr. Dieses Spiel wird voraussichtlich auch auf mysports übertragen.

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