Bülach

Die Thais feiern einen Superstar und sich selbst

Die Stadthalle in Bülach verwandelte sich in einen buddhistischen Tempel. 800 Thais, aber auch viele Schweizer, bejubelten die Band Sek Loso.

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Sie wohnen und arbeiten hierzulande, ihre eigentliche Heimat tragen sie aber weiterhin im Herzen. Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz finden sich in Kulturvereinen oder stillen aufkommendes Heimweh an Veranstaltungen mit Künstlern aus ihrem Herkunftsland.

So passiert am vergangenen Freitag. In der Bülacher Stadthalle rockte die Thaiband Sek Loso. Zur gleichen Zeit wetterte der russische Sänger und Liedermacher Jurij Schewtschuk in Zürich gegen die Putin-Regierung. Die brasilianische Community wird am nächsten Samstag, 27. Februar in Bülach Hüften und Tanzbein zu den Klängen der Gruppe Aviões do Forró schwingen.

Die Stadthalle war am Freitag fest in thailändischer Hand. Gegen 800 Leute fanden den Weg nach Bülach. Auf dem Parkplatz waren neben Zürcher Kennzeichen solche aus dem Aargau, Schwyz, St.Gallen, Thurgau, Solothurn und Bern, aber auch aus Deutschland und Frankreich zu sehen. Trotzdem hätte sich Veranstalter Tom Mahiphund von Mai Thai Entertainement mehr Publikum gewünscht. «Da bin ich auch selber ein wenig schuld daran», sagte der 64-Jährige. «Ich habe noch zwei weitere Konzerte für Sek Loso organisiert. Eines davon am Samstag in Freiburg im Breisgau. Die Fans aus Süddeutschland und dem Raum Basel werden dann eben dorthin fahren.»

Kulinarische Geselligkeit

Den Anwesenden machten es sich vorerst an den langen Tischen in der Stadthalle gemütlich. Konzert hin oder her – bei einer echten Thaiparty ist das Drumherum genau so wichtig. Da wird viel gegessen und getrunken. Das Personal an den Verpflegungsständen mit scharf gewürzten Fleisch- und Fischgerichten hatte den ganzen Abend viel zu tun. Auf den Tischen reihten sich neben Mineralwasser- und Colaflaschen bald unzählige andere mit Bier, Wein und hochprozentigem Inhalt.

Frauen mit thailändischer Herkunft waren im Publikum in der Überzahl. Sie kamen mit ihren – meist europäischen – Lebenspartnern oder in Gruppen mit Kolleginnen. So auch Mimi Gantenbein, die Betreiberin des Thai Rock Pubs in Rorbas: «Ich habe einen ganzen Tisch vorne an der Bühne reserviert. An solchen Anlässen lassen wir uns es immer gut gehen», sagte sie fröhlich.

Musikalisch den Auftakt machten The Black Sun, eine Unterhaltungsband aus Frankreich mit traditionenell-thailändischem Liedgut. Derweil liess sich der eigentliche Star des Abends, Sekson «Sek» Sookpimay mit seiner Band Loso viel Zeit bis zu seinem Auftritt. Der 42-jährige Sänger und Gitarrist, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, wurde schon mit 17 Jahren Profimusiker. Bis heute hat er über 20 Tonträger veröffentlicht, fast jeder davon verkaufte sich mindestens eine Million Mal.

In Bülach trat er zum letzten Mal vor drei Jahren auf. «Ich komme immer gerne zurück in die Schweiz», sagte Sookpimay vor seinem Auftritt. «Europa ist quasi meine zweite Heimat.» Seit einem Sprachaufenthalt in London 2004 spricht er aktzentfrei Englisch und spielte auch mit britischen Musikern zusammen. Dass er, der in Asien riesige Hallen oder Fussballstadien füllt, in Bülach vor 800 Fans auftritt, beschäftigt ihn nicht. «Ich werde hier von Land und Leuten immer herzlich empfangen, ich bin glücklich, wenn ich das tun kann, was ich am liebsten mache: auf einer Bühne stehen und meine Musik spielen.»

Heimat- und Feriengefühle

Das tat Sek Loso dann auch. Das Programm war gespickt mit Hits wie «Som Sarn» oder «Thai Song». Das Lied «Yak Hai Ru Wa Ngao» hat es auf dem Musikportal Youtube auf über 22 Millionen Klicks gebracht. Sek Sookpimay huldigte aber auch seinen westlichen Vorbildern wie John Lennon, Jimi Hendrix, Nirvana oder den Rolling Stones und spielte Coverversionen von «Come together» (Beatles) oder Steppenwolfs «Born to be wild». Das Publikum sang und tanzte zu jeden Song und war vom Gezeigten entsprechend begeistert.

«Ich habe die Band schon viele Male in Thailand gesehen und jetzt zum ersten Mal in der Schweiz, mir gefällt alles von ihnen», meinte Yadpiruu aus Freienstein. Auch ihr Mann Stefan war beeindruckt. «Sek ist nicht umsonst eine Legende.» Supunnee und André waren aus dem bernischen Kirchberg nach Bülach gereist. «Ich kenne alle Texte auswendig», erklärte sie. «Ich habe generell gerne Rockmusik, der Gitarrist der Band ist super», meint er.

Zweieinhalb Stunden lang versprühten Sek Loso thailändische Heimat- und Feriengefühle. Spätestens beim Verlassen der Bülacher Stadthalle wachte man aus dem siamesischen Märchen auf – draussen herrschten in dieser Nacht Null Grad Celsius.

Erstellt: 21.02.2016, 17:20 Uhr

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