Glattfelden

Die Vandalenakte nehmen zu

Seit mehreren Wochen mehren sich die Reklamationen von Einwohnern rund um den Dorfkern, welche sich vor allem an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden von Jugendlichen belästigt fühlen. Der Schulpflegepräsident stellt sich den Vorwürfen.

Kleinere Sachbeschädigungen durch jugendliche Randalierer gehören auch in Glattfelden zum Ortsbild.

Kleinere Sachbeschädigungen durch jugendliche Randalierer gehören auch in Glattfelden zum Ortsbild. Bild: rh

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Das Problem ist seit längerem bekannt. Jugendliche Randalierer lärmen vor allem an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden, hinterlassen leere Bierflaschen, pöbeln gelegentlich Einwohner an. Marco Dindo, Schulpflegepräsident und Jugendverantwortlicher, bestätigt, dass sich das Problem in den letzten Wochen zugespitzt habe. Gemeinsam mit dem Gemeinderat, der Jugendsozialarbeit und der Stadtpolizei Bülach wolle man eine Lösung finden. Im Interview mit dem ZU erklärt Dindo die Problematik, zeigt Lösungsvorschläge, aber auch Hindernisse auf.


Marco Dindo,Sie sind seit 2005 in der Schulpflege tätig und seit 2014 als Gemeinderat Vorsteher Schule und Bildung deren Präsident. Wie wird die Öffentlichkeit über die herrschende Jugendproblematik informiert?
Marco Dindo: Wir führen jedes Jahr von Seiten Schule einen Infoabend für Eltern mit Kindern im Kindergartenalter bis zur Oberstufe durch, bei welchem es um Themen wie Schulwegsicherung, Verkehrssicherheit und Schulsozialarbeit geht. Dies im Sinne der Prävention als Hauptanliegen. Der nächste Infoabend findet Ende Mai statt. Momentan sind es einige wenige Jugendliche im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, welche randalieren. Darunter sind einige Oberstufenschüler, welche teilweise namentlich bekannt sind. Die grosse Mehrheit der Schüler verhält sich anständig, das möchte ich betonen.

Welche Aufgaben sind dem Jugendsozialarbeiter übertragen?
Ich schätze die Arbeit des Jugendsozialarbeiters Adrian Kober sehr. Er ist versiert und versteht die Jungen sehr gut. Auf dem Programm stehen unter anderem gemeinsame Mittagessen jeweils am Mittwoch, sportliche Aktivitäten am Freitagabend und Hilfestellung bei Bewerbungen. Bei Alkoholproblemen werden die Eltern sofort beigezogen. Zudem gibt es Orte, an denen der Werkhof und die Jugendarbeit einmal pro Woche Abfall zusammenspannen.

Wie eng ist die Zusammenarbeit mit der Polizei bei Problemen?
Die Zusammenarbeit mit der Stadtpolizei Bülach und dessen Kommandanten Atilla Uysal ist sehr eng. Die Präsenzzeiten der Polizei in Glattfelden haben sich in letzter Zeit massiv erhöht. Auch die Kantonspolizei ist zeitweise vor Ort. Wir raten allen Einwohnern, die sich durch Jugendliche belästigt oder bedroht fühlen, sofort die Nummer 117 zu avisieren. Allerdings ist es so, dass die Jugendlichen top organisiert sind und sich gegenseitig warnen, sobald eine Polizeikontrolle ansteht. Auch ein Rayonverbot im öffentlichen Raum kann nicht für längere Zeit ausgesprochen werden. Man müsste die Täterschaft in flagranti ertappen, um etwas bewirken zu können.

Ist die Jugendproblematik ein Thema innerhalb des Gemeinderats?
Wir haben das Problem erkannt. Es hat sich innerhalb der letzten sechs Wochen verschärft. Die am meisten betroffenen Anwohner sind bereits zweimal im Beisammensein von Vertretern des Gemeinderats und des Polizeikommandanten angehört worden. Die Schwierigkeit ist, dass man den jugendlichen Tätern meistens nichts nachweisen kann. Von Seiten der Schule haben wir keine rechtliche Handhabung, wenn Delikte ausserhalb der Schulzeit stattfinden.

Inwiefern können Eltern zur Rechenschaft gezogen werden?
Kooperation mit den betroffenen Eltern wäre wünschenswert. Doch wir müssen Konkretes nachweisen können. Wenn Jugendliche ausserhalb der Schule randalieren, haben wir von der Schule her gesehen keine Handlungsbefugnisse.

Gibt es konkrete Ideen zu einer Konfliktlösung?
Private Sicherheitsdienste wären zu teuer. Zudem hätten sie keine rechtlichen Handlungsbefugnisse. Wir überprüfen die Möglichkeit, Kameras im Bereich des Schulhausareals zu installieren. Des Weiteren vernetzen wir uns mit diversen Organisationen. Ganz konkret ist am 29. Mai ein Anlass in der Mehrzweckhalle Eichhölzli geplant, an welchem Daniele Lenzo von der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Zürich das Kerngruppenmodell vorstellen wird. Der Anlass ist für alle Interessierte offen.

Auf welche Erfolge im Zusammenhang mit schwierigen Situationen blicken Sie zurück?
Vor rund drei Jahren wurde in der Turnhalle des Schulhauses Eichhölzli 1 eine Scheibe demoliert. Zudem wurden bei Autos Rückspiegel und Lampen zerstört. In meiner Funktion als Präsident der Schulpflege setzte ich ein Kopfgeld von 1000 Franken für die Eruierung der Täterschaft aus – mit Erfolg.

Erstellt: 19.05.2017, 14:37 Uhr

Marco Dindo (Bild: rh)

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