Zürich

Die «Wiedergeburt» eines Konzertsaals

Seit zwei Jahren werden die Tonhalle und das Kongresshaus umgebaut. Eröffnet wird am 11. März 2021. Die Restaurierung des Tonhalle-Saals ist bereits beendet.

Tonhalle und Kongresshaus werden derzeit umgebaut.

Tonhalle und Kongresshaus werden derzeit umgebaut. Bild: Sabina Bobst

Von einer Zeitreise spricht Paavo Järvi, als er den unter Renovation stehenden grossen Saal der Tonhalle betritt. Der Este hat am Mittwoch sein Amt als neuer Chefdirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich angetreten. Das Eröffnungskonzert fand in der Tonhalle-Maag in Zürich West statt. Dort spielt das Orchester seit Sommer 2017, als die Arbeiten am Stammhaus am See begannen.

Während die Box aus 80 Tonnen Fichtenholz für die Gegenwart steht, bringt der Saal von 1895 die Jahrhunderte zusammen. Järvi spricht auf einem Medienrundgang von der «Wiedergeburt» des Konzertsaals.

Dies ist das Werk einer engen Zusammenarbeit der Denkmalpflege mit der Architekten-Arbeitsgruppe, wie die Architektin Elisabeth Boesch sagt. Zuerst musste aber entschieden werden, an welcher Tonhalle man sich orientieren wollte. Denn bereits um 1900 hielt man den Saal für zu überladen. Die üppigsten Dekorationen wie nackte Engelsfiguren wurden abgespitzt und der dritte Kronleuchter verschwand von der Decke.

Wieder lachsfarbig statt grau

1939 haben die Architekten Haefeli, Moser und Steiger die Tonhalle ins neue Kongresshaus integriert. Dabei wurde das Innere farblich an die neue Ummantelung angepasst. Der lachsfarbene Stuckmarmor der Säulen wurde grau übermalt – «aber nicht zerstört, wie sich jetzt gezeigt hat», sagt Boesch.

So wurde entschieden, den Saal farblich ins 19. Jahrhundert zurückzuführen, aber ohne die verlorenen Dekorationen. Von oben nach unten wurden die verschmutzten Deckenbilder, Säulen und Ornamente geputzt und geflickt. «Wir haben den tristen Eindruck der dunkelbraunen, oxidierten Goldbronze verschwinden lassen», sagt Boesch.

1400 neue Nägel für die Decke

Dennoch sei es nicht dasselbe Gold, das Brahms 1895 beim Eröffnungskonzert gesehen habe. Die Farbe sollte ihre Patina bewahren. Um den Grauton zu bestimmen, seien mehrere Sitzungen nötig gewesen, sagt Boesch. Mit Hilfe von Resten der Originalfarbe in versteckten Ecken, fand man die richtige Farbtemperatur. So wirkt der Saal nun zwar aufgefrischt, aber weder bunt noch kitschig.

Neben dem Erscheinungsbild kümmerten sich die Architekten und Ingenieure auch um die Struktur des Saals. Die schwere Stuckdecke ist nun mit 1400 Nägeln zusätzlich gesichert und der Boden wird verbessert. Bisher reichte das Parkett nur bis zum Bühnenanfang. Der neue Holzboden wird sich über die gesamte Fläche erstrecken und mit der Musik mitschwingen. Das Geld für diese Verbesserung der Akustik sowie für neue Stühle ist erst am vergangenen Mittwoch vom Gemeinderat bewilligt worden. Der Saal wird auch eine neue Orgel vom Männedörfler Orgelbauer Kuhn erhalten. Diese ist weniger hoch und passt besser in die Nische als die alte Orgel. So gewinnt die Bühne 80 Zentimeter dazu und das Volumen des Saals steigt, was sich positiv auf die Akustik auswirkt.

«A dream come true»

Die Restauration des Tonhalle-Saals ist weitgehend abgeschlossen, deshalb verbieten die Verantwortlichen das Fotografieren – der Gesamteindruck soll erst an der Eröffnung an die Öffentlichkeit. Verlässt man den Saal wird einem im Foyer die grösste Veränderung des Umbaus von Tonhalle und Kongresshaus bewusst: Jetzt sieht man den See.

Statt dem Panoramasaal, einer Bausünde aus den 1980er Jahren, erstreckt sich eine Terrasse zwischen Tonhalle und Kongresshaus-Saal, worauf das rundum verglaste Restaurant Formen annimmt. Dieses soll das Publikum vor und nach Konzerten zum Verbleiben animieren, sagt Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel. Auch damit wolle man das jüngere Publikum, das die Tonhalle-Maag anzieht, mitnehmen an den alten Standort.

Ob dies gelingt, zeigt sich ab dem 11. März 2021, dem Eröffnungsdatum der Tonhalle und des Kongresshauses nach der Renovation. Für Paavo Järvi ist der renovierte alte Saal «a dream come true». Jedes Orchester brauche ein Zuhause und es gebe nichts wie den Originalsaal. Da der Raum dabei helfe, den Ton zu produzieren, werde der Konzertsaal selber zum Instrument.

Erstellt: 03.10.2019, 20:14 Uhr

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.