Jahreswechsel

Die Wünsche und Vorsätze sind gefasst – das neue Jahr kann kommen

Bald beginnt ein neues Jahr. Das sind die Wünsche, Träume und Pläne der Unterländer für das Jahr 2017.

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Wenn heute Nacht die Uhren zwölfmal schlagen, Vulkane und Raketen gezündet und zu den besten Glückwünschen die Sektgläser geleert werden, hat ein neues Jahr begonnen. Für viele Unterländerinnen und Unterländer wird dies ein nostalgischer Moment: Sie schreiten mit dem Kopf voller Pläne und dem Herzen voller Hoffnungen ins neue Jahr und freuen sich auf einen Wechsel. Andere wünschen sich nichts mehr als Ruhe, Frieden und Gesundheit – und verbringen die Silvesternacht in diesem Geiste. Eines ist aber allen wichtig, die der ZU zu Silvester und Neujahrsvorsätzen befragt hat: Sie wollen den Jahreswechsel mit jenen Mitmenschen erleben, die ihnen am liebsten sind. Aufgezeichnet von Sharon Saameli

«Nächstes Jahr steht mir
ein Schulwechsel bevor»
Alain Luginbühl, 12 Jahre alt, Schüler aus Bachenbülach

Früher habe ich mich zu ­Silvester oft mit Kollegen getroffen. Ich kann mich erinnern, dass wir dann jeweils zu fünft oder zu sechst um einen Tisch sassen und Spiele gespielt und mit Rimuss angestossen ­haben. Dieses Jahr haben meine Familie und ich allerdings keine Pläne, weshalb ich den Abend mit Gamen verbringen werde. Ich spiele am liebsten Counter-Strike und Minecraft, in den meisten Fällen zusammen mit Kollegen.

Nun, was war dieses Jahr für mich wichtig? 2016 war eigentlich kein wahnsinnig bewegtes Jahr für mich. Mein Highlight seit einigen Jahren ist, dass wir in den Sommerferien einige Wochen auf dem Campingplatz in Flaach verbringen. Auf dem Platz habe ich schon gute Leute getroffen und immer jemanden zum Spielen und im Rhein Baden gefunden. Manchmal besucht uns auch mein älterer Bruder Ju­lien. Ganz ohne Gleichaltrige wäre mir auf dem Camping wahrscheinlich doch etwas langweilig. Ausserdem bin ich dieses Jahr in Bachenbülach in die sechste Klasse gekommen, was bedeutet, dass nächstes Jahr ein Schulwechsel bevorsteht. Im Moment ist noch nicht klar, ob ich in die Sek A, B oder C kommen werde. Das wissen wir wohl erst im Frühling. Daher kommt aber auch mein Jahresvorsatz für 2017: Ich muss in der Schule besser aufpassen. Ich brauche einfach meine Zeit für all den Stoff und sitze an den Hausaufgaben oft ewig. Das soll sich ändern.

Ich weiss nicht, welche Schul­stufe ich mir für mich selber wünschen würde. Das werde ich dann einfach sehen. Für die ferne Zukunft wünsche ich mir, dass ich Schauspieler werden kann. Ich merke, dass mir das total gut liegt: Wenn ich zum Beispiel einem Kollegen einen Bären aufbinden will, dann glaubt er mir das eigentlich immer, und ich muss die Situation auflösen: «Hey, es war nur ein Scherz!» Ich glaube, dass mir dieser Beruf echt Spass machen würde.

«2017 will ich etwas Besonderes
für meine Mitmenschen tun»
Malek Ossi, 23 Jahre alt, Schüler aus Höri

Heute Abend treffe ich mich mit einigen Freunden in Zürich. Wir wollen in einem Club beim Bellevue tanzen gehen und davor das Feuerwerk am See anschauen. Letztes Jahr habe ich es zum ersten Mal gesehen, und es war unglaublich – auch, weil ich neu in der Schweiz war. Ich bin letztes Jahr aus Ro­java, der kurdischen Region Syriens, in die Schweiz gekommen und war ein kompletter Neuling.

Die wichtigste Silvesterfeier der vergangenen Jahre bleibt aber diejenige im Jahr 2011 – es war der letzte Jahreswechsel, den ich mit meinen Eltern verbracht habe, danach habe ich Syrien verlassen. Wir haben zusammen gekocht und viel zu viel gegessen: Kibbeh und Taboulé und Salate, ein syrisches Dessert gehörte auch dazu. Danach haben wir getanzt.

Das endende Jahr wird für mich immer damit verbunden sein, die ersten Schritte in die deutsche Sprache gemacht zu haben. Da habe ich oft an mir gezweifelt, und ich war genervt, wenn jemand besser deutsch sprach als ich. Deutsch ist das wichtigste Werkzeug für mich, damit ich mich nicht ständig mit Händen und Füssen verständlich machen muss. Inzwischen bin ich immerhin auf dem Niveau B1, wenn auch manche Freunde mir sagen, ich spreche schon besser.

Vorsätze für das neue Jahr habe ich viele, vor allem das Sprachniveau C1 zu erreichen und eine Lehrstelle zu finden, sobald mein Asylverfahren durch ist. Eine Option wäre Automechaniker, eine zweite Dolmetscher. Ein anderes Ziel ist es, eine Wohnung zu finden, wobei ich da schon etwas in Aussicht habe. Vor allem aber will ich etwas Besonderes für meine Mitmenschen tun. Viele von ­ihnen haben mir nach meiner ­Ankunft in der Schweiz sehr geholfen, da ist es Zeit, etwas zurückzugeben. Ich wünsche mir und allen, die mich hier unterstützen, ein schönes Leben.

«Silvester bedeutet für mich
eine Reise in die Heimat»
Ursula Marti, 60 Jahre alt, Hausfrau aus Bachenbülach

Mein heutiges Programm bedeutet für mich auch ein bisschen, nach Hause zu kommen. Denn mein Mann Ueli und ich fahren mit einer Duo-Tageskarte ins Engadin, und da mein Vater aus Schuls kommt, haben wir schon viel Zeit in dieser wahnsinnig schönen Region verbracht. Schon die Zugfahrt ins Engadin ist wunderbar! Wir starten in St. Moritz und spazieren von dort aus zum Stazersee. Dort wollen wir etwas essen und spazieren dann weiter nach Pontresina. Von da an entscheiden wir spontan, wie wir zurückkommen, auf Mitternacht wollen wir wieder zu Hause sein. Wir wollen auf dem Balkon anstossen und Lachsbrötchen essen, das machen wir so schon seit ­Jahren an Silvester.

Am einprägsamsten war für mich die Silvesternacht des Jahrtausendwechsels. Mit unseren Töchtern Nina und Simona waren wir in den Skiferien in Arosa, und im Hotel war am ganzen Abend Festprogramm. Die Mädchen hatten zwei schöne Kleider an, alles war sehr festlich. Es gab ein leckeres Essen, und um Mitternacht gingen die Kellner mit einer Eistorte durch den Saal.

Zwei Vorsätze habe ich mir für 2017 gemacht: Erstens möchte ich meine Mutter öfter besuchen. Sie lebt in Chur, deshalb muss ich mir immer einen kleinen Ruck ­geben, weil das mit dem Zug nicht in der Nähe liegt. Zweitens will ich gerne weiterhin mit meinem Mann E-Bike-Touren unternehmen. Und allgemein wünsche ich mir für das neue Jahr, was die meisten sich wünschen: dass es auf der Welt weniger Konflikte und weniger Krieg gibt, und dass nicht mehr so viele Menschen aus ihren Ländern flüchten müssen, wo sie ja gerne bleiben würden.

«Mit Jahresvorsätzen beruhigen
wir nur unser Gewissen»
René Lütolf, 51 Jahre alt, Quartierspolizist aus Rorbas

Der heutige Tag beginnt für mich mit der Arbeit, etwas Besonderes steht erst am Abend auf dem Programm: Ich werde erst zu Hause etwas essen und bin danach mit 20 bis 30 Kollegen verabredet. Seit etwa zehn Jahren treffe ich mich am Abend des 31. Dezember mit denselben Leuten, um gemeinsam ins neue Jahr zu rutschen. Wir haben uns zu einer grossen Familie zusammengeschlossen, und wenn die letzten am Neujahrsmorgen nach Hause gehen, steht schon fest, dass wir uns spätestens nächsten Silvester wiedersehen werden.

Es gab aber auch schon Silvesterabende, an denen ich gearbeitet habe, und die waren natürlich nicht immer stressfrei. Am meisten in Erinnerung bleibt mir ein Abend, an dem ich nicht im Unterland gearbeitet habe. Da gab es einen Todesfall einer jüngeren Person. Zum Fall kann ich leider nicht mehr erzählen, ausser dass er mir geblieben ist. Ansonsten bin ich darum bemüht, entspannt und ohne Stress ins neue Jahr zu starten.

Mehr Ruhe und Frieden wünsche ich mir auch für das neue Jahr, vor allem, dass der Terrorismus endet, ist ein grosser Wunsch von mir. Für den engeren Kreis wünsche ich mir einfach gute Gesundheit für Freunde und Familie, denn das geht über alles Materi­elle hinaus. Ich blicke auf ein bewegtes Jahr zurück: Am 1. August habe ich in Bülach als Quartierspolizist angefangen, dazu engagiere ich mich bei den «Bikers Against Child Abuse», einem Töffverein, der sich für missbrauchte Kinder einsetzt. Das hat einen grossen Teil meiner Freizeit in Anspruch genommen.

Jahresvorsätze mache ich mir im Übrigen keine, weil ich der Meinung bin, dass wir damit nur versuchen, unser Gewissen zu beruhigen. Wenn wir aber unter dem Jahr so leben, wie wir es möchten, sind Vorsätze nicht nötig. Bei mir hat das immer geklappt.

«Wir werden die Aufs und Abs
des kommenden Jahres überstehen»
Georg Aliesch, 56 Jahre alt, Buschauffeur aus Eglisau

Früher haben wir den Silves­terabend mit den Kindern verbracht, ein feines Essen und die gemeinsame Zeit mit der Familie genossen. Den Christbaum lassen wir jeweils länger stehen als nur über die Weihnachtstage, was zusammen mit dem Silvesterfeuerwerk ein prächtiges Bild abgibt. Den gemütlichen Teil von Silvester haben wir in all den Jahren bei­behalten. So werde ich mit meiner Frau einen ruhigen Fernsehabend verbringen und einige Musik­sendungen schauen. Viele Leute wollen an Silvester volles Programm und überall dabei sein, wir geniessen lieber die ­Ruhe. Das tut auch unserer Bezie­hung gut.

Wünsche für das neue Jahr habe ich keine grossen. Ich denke, dass auf der Welt jedes Jahr viel Schlimmes, aber auch Gutes ­geschieht. Insgesamt bin ich zuversichtlich, dass wir alle Aufs und Abs des kommendes Jahres überstehen werden – so wie jedes Jahr. Einige Ereignisse verfolge ich derzeit aber schon mit Sorge, zum Beispiel, was sich derzeit in der Türkei entwickelt. Erdogan ist drauf und dran, eine Verfassungsänderung durchzubringen, die massive Konsequenzen haben wird. Lange studiert habe ich auch an der Wahl von Donald Trump, aber ehrlich gesagt, können solche Ereignisse einen nur erstaunen, wenn man die Hintergründe nicht versteht.

Daher wünsche ich mir nur ­etwas, und zwar gute Gesundheit. Je älter wir werden, desto eher wird das zum Thema. Und aus ­diesem Grund habe ich auch nur einen Jahresvorsatz: ein bisschen auf mein Gewicht zu achten. Denn ich übe als Postautochauffeur zwar einen anspruchsvollen Beruf aus, aber fast ausschliesslich im Sitzen. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 31.12.2016, 13:07 Uhr

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