Unwetter

Die Wunden sind verheilt – die Sorgen bleiben

Ein Jahr ist seit dem verheerenden Gewitter vergangen. Inzwischen ist in der Region von den Folgen des Hochwassers nicht mehr viel zu spüren. Anhand verschiedener Massnahmen versuchen sich die Gemeinden nun vor künftigen Unwettern zu schützen.

Die Bahnunterführung in Niederweningen war nach dem Unwetter mit Wasser gefüllt. Heute ist von den Schäden nichts mehr zu sehen.


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Mittwoch, 30. Mai 2018, 18 Uhr: Der Himmel über dem Unterland verdunkelt sich. Eigentlich war es ein sonniger und warmer Tag. Doch nun liegt etwas Bedrohliches in der Luft. Es ist die Ankündigung einer verheerenden Gewitterzelle, welche demnächst durch die Bezirke Dielsdorf und Bülach fegen wird. Es beginnt mit Wind, Blitz und Donner. Danach fallen innert kurzer Zeit über 50 Liter Regen pro Quadratmeter. Zudem prallen Hagelkörner in der Grösse von Golfbällen auf den Boden. Wie durch ein Wunder wird keine Person verletzt. Was aber bleibt sind Schäden in Millionenhöhe.

Überflutete Keller und Wohnungen, beschädigte Autos, schlammige Strassen: Die Bilder der Zerstörung haben sich im Gedächtnis der Unterländer Bevölkerung eingebrannt. Nun, ein Jahr später, sind die Wunden geheilt. Die Sorgen bleiben.

Alterszentrum hat besonders gelitten

Georg Vischer, Geschäftsleiter des Alterszentrums Wehntal, sagt: «Immer wenn dunkle Wolken aufziehen, schaue ich etwas besorgt zum Himmel.» Die Wohnanlage in Schöfflisdorf hat es besonders hart erwischt. Im Altersheim waren nach dem Unwetter alle Fahrstühle defekt und die Cafeteria deshalb nur per Treppe erreichbar. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner war dieser Weg zu beschwerlich. Auch die Alterswohnungen wurden durch die Wassermassen arg in Mitleidenschaft gezogen. Vischer sagte damals: «Wir müssen die Böden herausreissen, trocknen lassen und neu verlegen.» Das nahm viel Zeit in Anspruch, weshalb einige Senioren ihre Wohnung verlassen mussten. «Ende September konnten dann alle Wohnungen wieder bezogen werden.» Laut dem Geschäftsleiter kosteten alle Arbeiten zusammen rund 750000 Franken. Immerhin: Rund 95 Prozent davon dürften durch Versicherungen gedeckt sein. Für Vischer ist klar: Das war ein Jahrhundertereignis. Für sowas könne man nicht gewappnet sein. «Wir haben am Dach einige Verbesserungen vorgenommen. Denn dort ist viel Wasser ins Innere gedrungen.» Auf grössere Umbauten zum Schutz vor Hochwasser habe man bisher aber verzichtet.

Die Wehntaler Feuerwehr hatte noch nie einen Einsatz in dieser Dimension. Die freiwilligen Mitglieder leisteten innerhalb von fünf Tagen über 2000 Einsatzstunden. Alleine bei der Feuerwehr Wehntal gingen infolge des Unwetters 370 Meldungen ein. Auch der Zivilschutz stand im Einsatz. Die Kosten für Sold, Verpflegung, Treibstoff und den Ersatz von Materialien beliefen sich auf 80000 Franken.

Gefahr von Unwettern steigt nun wieder an

Im laufenden Jahr wurde das Unterland von Unwettern weitgehend verschont. Reto Vögeli von Meteonews sagt: «Es braucht eine gewisse Wärme, damit sich Gewitter bilden.» Zwar gab es bereits im Februar sehr warme Tage, doch für ein Gewitter war die Sonneneinstrahlung noch zu schwach. «Durch den kühlen Mai war die Gewitterproblematik dann sowieso kein Thema», sagt Vögeli. Laut Meteoschweiz war es gar der kühlste Mai seit 30 Jahren. In Kloten lag die Tagesdurchschnittstemperatur bei 10,9 Grad. Das sind 2,6 Grad unter dem Durchschnitt. Die Monate Februar und März waren in diesem Jahr hingegen deutlich zu warm.

Über das Auffahrts-Wochenende ändert sich das Wetterregime drastisch. Es wird über 25 Grad warm und damit sind die Bedingungen bereits sehr sommerlich. «Erste Gewitter sind im Verlauf der nächsten Woche zu erwarten. Ob und wie stark das Unterland dabei getroffen wird, ist reiner Zufall», sagt Reto Vögeli.

Gemeinden planen Schutzmassnahmen

Das Statthalteramt des Bezirks Dielsdorf verzeichnete wegen des Unwetters über 113-mal höhere Elementarschäden – Schäden, die durch das Wirken der Natur verursacht werden – als noch im Vorjahr. In Zahlen ausgedrückt heisst das: 25,9 Millionen Franken im Jahr 2018 gegenüber 229 000 Franken im Jahr 2017. Nach dem verheerenden Unwetter stellt sich für die Gemeinden also die Frage, wie solche Schäden in Zukunft verhindert werden können. Dafür sind wiederum hohe Investitionen nötig. In Oberweningen rechnet man mit Kosten von etwa 700000 Franken. Hauptthema wird die Verbesserung des Einlaufs des Dorfbaches sein. Zudem soll eine Renaturierung der Surb geprüft werden.

Die Gemeinde Dielsdorf hat seit dem letzten Hochwasser im Jahr 1995 mehrere Millionen Franken in Schutzmassnahmen investiert. Es sei davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren weiterhin viel Geld aufgewendet werden muss. In Neerach sind kurzfristig Investitionen von bis zu 100000 Franken geplant.

Erstellt: 31.05.2019, 18:16 Uhr

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